Zinsstrukturkurve

 

1.Was ist eine Zinsstrukturkurve ?

Auf der Zinsstrukturkurve ist abgebildet, für welche (Rest-) Laufzeiten von Anleihen welche Renditen am Kapitalmarkt gezahlt werden.

 

Zinsstrukturkurven Bundesanleihen (ausgewählte Jahre; Jahresdurchschnittswerte)

Restlaufzeit in Jahren2345678910
Rendite p.a. in % 20032,42,73,03,33,53,73,94,04,1
Rendite p.a. in % 20074,14,14,24,24,24,24,24,24,3
Rendite p.a. in % 20140,10,10,20,40,50,70,91,11,2
Datenquelle: Deutsche Bundesbank, Statistische Beihefte

 

Die Rendite von Bundesanleihen mit einer Restlaufzeit von 7 Jahren lag in 2003 bei 3,7%, in 2014 bei 0,7%. Dagegen lag die Rendite für 2-jährige Bundesanleihen in 2003 bei 2,7% und in 2014 bei 0,1%.

Erfahrungsgemäß gleichen sich in einem effizienten und transparenten Markt wie dem der Bundesanleihen die Renditen in jeder Laufzeitkategorie sehr schnell an Veränderungen der Marktrendite an. Daher kann der Privatanleger z.B. durch den Tausch zwischen verschiedenen Bundesanleihen mit einer 7-jährigen Restlaufzeit keine nennenswerten Vorteile erzielen.

Für die Zinsstrukturkurve ist es gleichgültig, wie alt die entsprechende Anleihe ist oder wann sie ausgegeben wurde. Entscheidend für die Rendite ist neben dem Emittent (Schuldner) die Restlaufzeit bis zur Endfälligkeit. (Wenn die Anleihebedingungen keine Besonderheiten enthalten). Auch Anleihen mit verschiedenen Zinssätzen (Nominalzinssätzen) bieten praktisch die gleiche Rendite für denselben Schuldner und dieselbe Laufzeit. Der Unterschied im Nominalzins wird dann im Kurs berücksichtigt.

 

2. Was bewegt die Zinsstrukturkurve ?

Vielleicht fragen Sie sich, woher die Unterschiede in den Renditen zwischen den verschiedenen Laufzeiten kommen. Die Zinsstrukturkurve ist ein Ergebnis von Angebot und Nachfrage in den verschiedenen Laufzeitkategorien am Anleihemarkt.

Die Einflussfaktoren für die kurzen Laufzeiten (man spricht auch vom „kurzen Ende“ der Zinsstrukturkurve) sind andere als für die langen Laufzeiten (das „lange Ende“).

Das „kurze Ende“ wird stark von der Geldpolitik der Zentralbank (für Euro-Anleihen also die EZB) beeinflusst. Daher ist die Rendite der 1-jährigen Bundesanleihen meist sehr nah an den von der EZB festgelegten Zinssätze, zu denen sie den Banken des Euro-Währungsraumes Euro ausleiht.

Die Einflussfaktoren für das „lange Ende“ sind vielschichtiger:

  1. Ein wichtiger Einflussfaktor sind die Inflationserwartungen der Anleger. Je länger der Anleger sein Geld anlegt, desto eher muss er das Risiko steigender Inflationsraten berücksichtigen. Wenn am Kapitalmarkt die Meinung vorherrscht, dass die Inflation in den nächsten Jahren steigt, liegen tendenziell die Langfristzinsen weit über den Kurzfristzinsen (sogenannte „steile Zinsstrukturkurve“) Wenn die Meinung vorherrscht, dass die Inflationsrate sinkt, können die Langfristzinsen sogar unter den Kurzfristzinsen liegen (sogenannte „inverse Zinsstrukturkurve“)
  2. Ein weiterer wichtiger Faktor ist Angebot und Nachfrage am Kapitalmarkt. Wenn in einer Phase ein großes Volumen von Anleihen ausgegeben wird, steigen tendenziell die Langfristzinsen. Wenn z.B. ausländische Anleger viel Anlagebedarf haben und Anleihen kaufen, sinken tendenziell die Langfristzinsen.
  3. Ein weiterer Faktor ist die Einschätzung der Anleger, wie die Geldpolitik der Zentralbank sich entwickeln wird. Wenn deutliche Zinserhöhungen der Zentralbank erwartet werden, liegen die Langfristzinsen eher über den Kurzfristzinsen.

 

Zinsstrukturkurve der Bundesanleihen: Rendite (links) der Bundesanleihen, die in den drei ausgewählten Jahren (Legende) für die entsprechenden Restlaufzeiten (unten) am Markt gezahlt wurden (gemäß obiger Tabelle)

 

Zinsstrukturkurve

 

3. Steile und flache Zinsstrukturkurven

Das Niveau und die Form der Zinsstukturkurve verändert sich ständig. Sie kann ganz verschiedene Formen annehmen.

  • normalerweise ist die Zinsstrukturkurve „steil“ wie in 2003; das bedeutet, dass für die langen Laufzeiten eine wesentlich höhere Rendite geboten wird als für die kurzen. Grund dafür ist, dass die kurzen Laufzeiten nur ein geringes Kursrisiko beinhalten und das Geld dem Anleger schon bald wieder zu 100% (Nennwert = Rückzahlungkurs) zur Verfügung steht. Bei langen Laufzeiten trägt der Anleger ein viel höheres Risiko, dass die Inflationsrate bis zum Ende der Laufzeit deutlich steigt. Dann wäre der Rückzahlungsbetrag, obwohl immer noch 100%, von der Kaufkraft her viel weniger wert.
  • Schon viel seltener kommt es vor, dass die Zinsstrukturkurve „flach“ verläuft, wie in 2007. In diesen Phasen sind die Anleger bereit, das höhere Kursrisiko der langen Laufzeiten in Kauf zu nehmen, weil sie erwarten, dass die Zinsen am Markt fallen. Um von diesem erwarteten Zinsrückgang zu profitieren, setzen sie bewusst auf die langen Laufzeiten, da sie dann mehr von einem Zinsrückgang profitieren können. Rückblickend kann man diese Verhalten der Marktteilnehmer in 2007 gut erklären, Wer damals in langlaufende Bundesanleihen investiert hat, gehörte zu den wenigen, die von der Finanzkrise profitiert haben.
  • Noch seltener kommt eine „inverse“ Zinsstrukturkurve vor. Sie zeigt die Erwartung der Marktteilnehmer an, dass die Zinsen deutlich fallen. Häufig steht in diesen Fällen eine Rezession bevor.
  • Das genaue Gegenteil, eine besonders steile Zinsstrukturkurve, kann ein Anzeichen dafür sein, dass die Marktteilnehmer steigende Inflationsraten befürchten, aber die Notenbank dieser Entwicklung nicht gegensteuert und die Kurzfristzinsen niedrig hält. Die Marktteilnehmer sind dann sozusagen besorgt, dass die Notenbank die Geldwertstabilität nicht mehr im Griff hat oder in Kürze die Zinsen deutlich erhöht.

 

4. Zinsstrukturkurve bei schlechteren Ratings

Bundesanleihen haben erstklassige Ratings; daher wird ihr Kreditrisiko gemeinhin vernachlässigt.

Anleihen mit Ratings unterhalb von AA, insbesondere unterhalb von BBB, müssen am Markt gegenüber Bundesanleihen höhere Zinssätze bieten. Diese Zinsaufschläge sind die sogenannten Credit Spreads. Da das Ausfallrisiko mit zunehmender Laufzeit steigt (siehe auch Kreditrisiko und Rating), steigen diese Zinsaufschläge auch mit zunehmender Laufzeit.

Daher verläuft die Zinsstrukturkurve von Anleihen schlechterer Bonität (mit schlechterem Rating) normalerweise steiler als die von Bundesanleihen.