Zinsänderungsrisiko

1.Was ist das Zinsänderungsrisiko ?

Das Zinsänderungsrisiko einer Anleihe ist das Risiko, dass die Anleihe wegen eines Zinsanstiegs am Kapitalmarkt im Kurs fällt. Im Gegensatz zum Kreditrisiko kann man das Zinsänderungsrisiko grundsätzlich „aussitzen“, indem man die Anleihe bis zur Endfälligkeit hält. Allerdings ist dann immer noch die Frage, welche Kaufkraft der Rückzahlungsbetrag dann noch hat, wenn beispielsweise die Zinsen während der Haltedauer wegen höherer Inflation gestiegen waren.

Grundsätzlich gilt: Je länger die Laufzeit einer Anleihe, desto größer das Zinsänderungsrisiko. Oder: Je länger die Laufzeit einer Anleihe, des stärker fällt sie im Kurs bei einem Zinsanstieg. Das bedeutet, dass in der Regel eine Anleihe mit einer doppelt so langen Laufzeit auch fast ein doppelt so hohes Zinsänderungsrisiko beinhaltet.

 

2.Beispielrechnung

Mit diesen beiden Rechnern können Sie die Auswirkung von Renditeänderungen am Kapitalmarkt auf den Kurs einer Anleihe berechnen. Lesen Sie insbesondere die Seite Zinsstrukturkurve und überlegen Sie, wie sie sich verschieben könnte. Testen Sie dann die Auswirkungen der Renditeveränderungen am Kapitalmarkt auf die beiden (Rest-) Laufzeiten 5 und 10 Jahre.

Natürlich entsteht der Kurs am Markt durch Angebot und Nachfrage. Allerdings bewegen sich die Kurse einzelner Anleihen meist sehr nahe bei den Kursen, die sich aus der Zinsstrukturkurve für das jeweilige Marktsegment errechnen lassen. Das bedeutet, dass beispielweise Euro-Unternehmensanleihen mit AA-Rating und 4 Jahren Restlaufzeit meist eine sehr ähnliche Rendite haben (bei möglicherweise sehr unterschiedlichen Nominalzinsen).

 

3.Duration

Das genaue Maß für das Zinsänderungsrisiko ist jedoch die Duration. Das Wort heißt auf Deutsch zwar auch Laufzeit; bei der Berechnung der Duration wird jedoch nicht nur die Laufzeit des Kapitalbetrages bis zur Endfälligkeit der Anleihe einbezogen, sondern auch die Laufzeit der einzelnen Zinszahlungen. Es werden also alle Zahlungen berücksichtigt, die der Anleger bis zur Endfälligkeit der Anleihe erhält; diese werden nach ihrem Barwert gewichtet.

Die Duration wird nach Frederick Macaulay , der sie entwickelt hat, auch Macaulay-Duration genannt. Sie ist die nach dem Barwert der Zahlungsströme einer Anleihe gewichtete Laufzeit der Anleihe. Die Duration wird wie die Laufzeit auch in Jahren angegeben. (Bei der Berechnung der Barwerte wird eine flache Zinsstrukturkurve angenommen, d.h. alle Zahlungsströme werden mit der gleichen Rendite abdiskontiert.)

Duration und Laufzeit sind identisch für Nullcouponanleihen (Zerobonds), also Anleihen, für die keine Zinsen gezahlt werden. Diese Anleihen werden weit unter dem Nennwert ausgegeben und der Investor erhält statt jährlicher Zinszahlungen somit einen Kursgewinn, den er bei Endfälligkeit realisiert.

Je höher der Nominalzins einer Anleihe, desto kürzer ist die Duration im Vergleich zur Laufzeit, weil der Anleger einen umso größeren Anteil seiner Zahlungen vor der Endfälligkeit erhält.

Wenn die Macaulay-Duration durch (1+Rendite) geteilt wird, erhält man die Modified Duration. Wenn Sie die Modified Duration einer Anleihe haben, können Sie einfach ausrechnen, wie sich Änderungen der Rendite am Kapitalmarkt auf den Kurs der Anleihe auswirken.

Beipiel: Die Rendite am Markt für 7-jährige Bundesanleihen steigt um 0,4%-Punkte; die Duration der Anleihe liegt bei 5.

Kursänderung um % = Modified Duration * Renditeänderung um % = 5*0,4%-Punkte = 2,0%