Risiko und Rendite

1.Das Dilemma des Anlegers, 2.Erfolgsfaktoren, 3.Anlegertypen, 4.Bestandsaufnahme5.Beispiele für die Vermögensplanung, 6.Vermögensrechner,  7.Risiko und Rendite , 8.Anlagestrategie, 9.Musterdepots, 10.Umsetzung, 11.Börse, 12.Depotüberwachung

 

 

Der Aktienmarkt ist der einzige Markt,
vor dem die Leute weglaufen,
wenn dort ein Ausverkauf stattfindet.

                                     Martin D. Sass, US-Investor

 

Als Anleger müssen Sie abwägen zwischen Risiko und Rendite (Ertrag). Eine höhere Rendite oder Renditechance bringt meistens ein höheres Risiko mit sich. Allerdings können Sie das Verhältnis von Rendite zu Risiko für sich verbessern. Außerdem erfahren Sie, warum das Währungsrisiko bei Aktien und Anleihen sehr unterschiedlich zu sehen ist. Hier die wichtigsten Regeln zu Risiko und Rendite:

 

1. Risiken dort vermeiden, wo es sich nicht lohnt, sie einzugehen:

Bei der Auswahl der Depotbank sollten Sie auf Nummer sicher gehen. Dieser Bank vertrauen Sie vermutlich Ihr gesamtes Geldvermögen an. Daher sollten Sie auch ganz sicher sein, dass Ihr Vermögen dort gut und sicher aufbewahrt wird und Ihr Konto durch die Einlagensicherung geschützt ist (siehe auch Umsetzung).

Bei Anleihen sind die Zinsaufschläge, die Sie für Anleihen mit schlechterem Rating bekommen, meist nicht ausreichend, um das Risiko zu rechtfertigen. Aufgrund der Niedrigzinsphase sind viele institutionelle Investoren aus aufsichtsrechtlichen Gründen gezwungen, auf diese Anleihen auszuweichen, da sie kaum Aktien kaufen dürfen. Daher sind Anleihen mit schlechteren Ratings zur Zeit meist relativ teuer im Vergleich zu Aktien.

 

2. Risiken dort meiden, wo sie zu hoch oder nicht abschätzbar sind:

Unter Strategien mit Anleihen sind einige Anleihemärkte genannt, die für Privatanleger entweder zu risikoreich oder zu intransparent sind. Ähnliches gilt natürlich auch für den „grauen Kapitalmarkt“. Alle für den Privatanleger ungeeeigneten Anlagemöglichkeiten hier aufzuzählen, würde wohl den Rahmen dieser Seite sprengen.

 

3. Risiken dort eingehen, wo es sich lohnt, aber auch dort kontrolliert und begrenzt:

Sie haben sicher schon gemerkt, dass wir bei Anlagewissen.com die Aktie als das attraktivste Anlageinstrument betrachten. Aktien sind Risikopapiere, im langfristigen Vergleich und im Durchschnitt aber auch lohnende. Damit sich die Aktienanlage auch für Sie lohnt, sollten Sie folgende Punkte beachten:

  • Prüfen Sie zuerst, ob und in welchem Ausmaß Sie überhaupt in der Lage sind, das Risiko der Aktienanlage zu tragen (siehe Bestandsaufnahme, Vermögensrechner, Beispiele für die Vermögensplanung)
  • Überlegen Sie, ob Sie zu den Anlegertypen gehören, die für die Aktienanlage geeeignet sind (siehe Anlegertypen und Erfolgsfaktoren)
  • Nutzen Sie die Diversifikation nach Unternehmen, Sektoren, Ländern, Regionen und Währungen, um das Risiko innerhalb Ihrer Aktienanlagen möglichst zu reduzieren (siehe Anlagestrategie)
  • Nutzen Sie die Zeit-Diversifikation, indem Sie mit langfristigem Anlagehorizont investieren und Ihre Anlagestrategie beständig beibehalten; je länger Sie investiert bleiben, desto geringer ist die Verlustwahrscheinlichkeit
  • Wählen Sie  bei Aktien die Märkte aus, die zu Ihnen passen (siehe Anlagestrategie); bei wenig Erfahrung ist sicher eine breite Diversifikation besonders zu empfehlen
  • Wählen Sie bei Aktien die Produkte aus, die zu Ihnen passen (siehe Anlagestrategie); wenn Sie beispielsweise  wenig Erfahrung mit Aktien haben, empfiehlt sich sicher keine Direktanlage in Aktien kleiner Unternehmen, die Sie nicht näher kennen

 

4. Rendite ohne zusätzliches Risiko zu steigern

Es erscheint auf den ersten Blick unseriös, dass die Rendite ohne zusätzliches Risiko gesteigert werden kann. Allerdings haben sich im Aktienbereich ein paar Strategien bewährt. Diese zeigten im langjährigen Durchschnitt eine wesentlich bessere Wertentwicklung ohne höheres Risiko als der entsprechende Aktienmarkt/ Aktienindex.

 

AnlagestilKurzbeschreibungGeeignete ProdukteDetails auf der Seite
Value - AnsatzBillige AktienAktiver Investmentfonds,
ETF,
eigene Anlage
Strategien mit Aktien, ETF, Aktienauswahl ff.
Minimum Variance und Low VolatilityAktien mit niedrigen KursschwankungenETFStrategien mit Aktien, ETF
DividendenstrategieAktien mit hoher DividendenrenditeETFStrategien mit Aktien, ETF
Gleichgewichtung innerhalb von IndizesJede Aktie eines Index wird gleich gewichtetETFStrategien mit Aktien, ETF

 

Die ETFs (Exchange Traded Funds / börsengehandelte Fonds), die nach diesen Anlagestilen investieren, werden auch Smart Beta ETFs genannt.  (Details unter Strategien mit Aktien und ETFs/Smart Beta-ETFs)

Das Risiko, das Sie bei diesen Anlagestrategien haben, ist, dass die Wertentwicklung in manchen Marktphasen unter dem Index liegt. Diese Phasen können auch mehrere Jahre dauern. Daher ist es besser, diese Anlagestrategien eher als Beimischung für Ihre Aktienanlagen zu nehmen und nicht alles auf einen Ansatz zu setzen.

Sie mögen sich fragen, warum diese Anlagestile so erfolgreich sind. Die Erklärungen dafür weisen darauf hin, dass viele Anleger sogenannten „glamour stocks“ bevorzugen, die im Mittelpunkt des Interesses stehen und hohe Wachstumschancen beinhalten. Bei den Anlagestilen Value, Dividende und Minimum Volatility überwiegen in den Portfolios meist die „Mauerblümchen“, also Aktien mit eher langweiligem Geschäft, über die man wenig Neues berichten kann. Dies ist allerdings meist die Folge eines stabilen Geschäfts, das sich wenig verändert und, weil der Markt „verteilt“ ist, auch wenige neue Konkurrenten anlockt.

 

5. Währungsrisiko: Wo es sich lohnt und wo nicht

Und nun zum Thema Währungsrisiko, das bei Aktien und Anleihen sehr unterschiedlich beurteilt werden sollte:

 

5.1. Währungsrisiko bei Anleihen

Wenn Sie als Anleger mit der Heimatwährung Euro in Fremdwährungsanleihen investieren, gehen Sie ein erhebliches Risiko ein. Sie erwarten bei einer Anleihe normalerweise zwar eine niedriges Rendite, aber auch ein begrenztes Risiko. Dies können Sie erreichen, wenn Sie sich auf die entsprechenden Marktsegmente, Ratings, Emittenten und Laufzeiten konzentrieren (siehe Kapitel Anleihen). Das gilt aber nur, wenn Sie im Euro bleiben. Sobald Sie in andere Währungen investieren wie beispielsweise den US-Dollar, kann sich das Kursrisiko – vom Euro aus gesehen – ohne weiteres verdoppeln, selbst wenn Sie sich in gleich „sicheren“ Anleihen bewegen wie im Euro. Je sicherer die Anleihen, in die Sie investieren, desto größer ist relativ dazu das Währungsrisiko.

Fazit:

Wenn Sie Anleihen wählen, um Ihr Geld relativ sicher zu investieren, sollten Sie in Ihrer Heimatwährung bleiben.

Nur wenn Sie davon überzeugt sind, dass eine ausländische Währung sich besser entwickeln wird oder sicherer ist als Ihre Heimatwährung, können Sie Anleihen in dieser Währung in Betracht ziehen. Dies ist dann jedoch in erster Linie eine Währungsspekulation oder Währungswette und erst in zweiter Linie eine Anlage in Anleihen.

 

5.2. Währungsrisiko bei Aktien

Wenn Sie dagegen in Aktien investieren, akzeptieren Sie ohnehin schon ein wesentlich höheres Risiko als bei den meisten Anleihen. Dafür haben Sie eine gute Chance, längerfristig eine wesentlich höhere Rendite zu erzielen als in Anleihen. Im Vergleich zum normalen Kursrisiko (in Euro) fällt das Währungsrisiko bei Aktien viel weniger ins Gewicht als bei Anleihen. Außerdem sollten Sie folgende wichtige Punkte berücksichtigen:

  • die Vergangenheit hat gezeigt, dass eine breite geographische Diversifikation (Risikostreuung) das Risiko/ die Wertschwankungen von Aktienanlagen deutlich reduziert hat.
  • bei Aktien gibt es zur Abwertung der Währung auch einen Gegeneffekt: Wenn beispielsweise das britische Pfund im Kurs zum Euro fällt, werden die ausländischen Tochtergesellschaften der meist sehr internationalen britischen Aktiengesellschaften in Pfund gerechnet mehr wert; gleichzeitig werden auch die Gewinne, die von diesen Tochtergesellschaften nach Großbritannien überwiesen werden, mehr wert
  • noch besser ist der Effekt bei den Unternehmen, die beispielsweise in Großbritannien produzieren und ins Ausland (Eurozone) exportieren, da sie an Wettbewerbsfähigkeit gewinnen oder einfach bei gleichen Euro-Preisen ihre Pfund-Umsätze steigern.

Insgesamt wirkt die Diversifikation (Risikostreuung) von Aktienanlagen in andere Währungsräume (Amerika, Asien) längerfristig nach der Erfahrung eher risikoreduzierend.

Fazit:

Das Währungrisiko sollte Sie nicht davon abhalten, Ihre Aktienanlagen international zu diversifizieren. (Im Gegensatz zum Währungsrisiko bei Anleihen, siehe oben)