Währungen

Ein Wechselkurs ist der Preis einer Währung ausgedrückt in einer anderen Währung.

 

1. Devisenhandel

Die Währungen der meisten Industrieländer und die vieler Schwellenländer sind heutzutage frei handelbar. Im Gegensatz zu den Aktien- und Anleihemärkten wird der Devisenmarkt fast ausschließlich außerbörslich abgewickelt. Der Handel findet zwischen den Banken statt. Privatkunden wickeln Währungsgeschäfte meist über ihre Hausbank ab. In der Praxis rechnet die Bank die umzutauschenden Beträge gegenüber dem Kunden einfach um und meldet die gesammelten Beträge an ihren Devisenhandel, der sich dann „glattstellt“, also Gegengeschäfte in handelsüblichen Abschnitten am Markt abschließt. Für die Arbeit und das Risiko wird die Bank über die Geld/Brief-Spanne entschädigt, den Unterschied zwischen Ankauf- und Verkaufskurs. Diese Spanne beträgt daher für Privatkunden ein Vielfaches von der im Interbankenhandel.

Der Handel läuft Montag bis Freitag, in den gängigen Währungen rund um die Uhr, wobei der Handel innerhalb der großen Banken je nach Zeitzone um die Welt „weitergereicht“ wird.

Gehandelt werden in der Praxis Währungspaare, also beispielsweise US-Dollar/ Euro. Dies bedeutet, dass hier Euro in US-Dollar umgetauscht werden oder umgekehrt. Die liquidesten Währungspaare sind die zum US-Dollar, also USD/EUR, USD/ JPY (japanischer Yen) und USD/GBP (britisches Pfund). Sie werden Majors genannt. Wenn zwei Nicht-USD-Währungen ineinander umgetauscht werden, nennt man den Wechselkurs Cross Rate, beispielsweise EUR/CHF (Schweizer Franken).

Den Markt für das reine „Umtauschen“ zum aktuellen Zeitpunkt nennt man Kassamarkt. Dagegen finden am Terminmarkt Geschäfte für die Zukunft statt. Beispielsweise nutzen Exporteure gern den Devisenterminmarkt, um die Einnahmen aus ihren Exporten in fremder Währung bereits viele Monate vorher „auf Termin zu verkaufen“ und sich so den Wechselkurs zu sichern. Ein wichtiger Grund dafür ist, dass sie die Produktions- und Materialkosten auch bereits lange vor der Zahlung des Kunden bezahlen müssen. Durch das Devisentermingeschäft bekommen sie so mehr Sicherheit für ihre Kalkulation.

Die Wechselkurse im freien Devisenhandel richten sich natürlich nach Angebot und Nachfrage. Dabei sind jedoch zwei Arten von Einflussfaktoren zu unterscheiden, die Angebot und Nachfrage und damit die Wechselkurse beeinflussen:

  • Das Wechselkursregime
  • Die wirtschaftlichen Einflussfaktoren für Wechselkurse

 

2. Das Wechselkursregime

Die Regierungen und Notenbanken der Welt setzen in ihrer Währungspolitik sehr unterschiedliche Instrumente ein. Die Tendenz, aktiv in die Bildung der Wechselkurse an den Märkten einzugreifen, hat in den letzten Jahrzehnten abgenommen. Dennoch ist für die Einschätzung einer Währung die Kenntnis des Wechselkursregimes unerlässlich. Das Wechselkursregime ist der Teil der Währungspolitik eines Landes, der sich auf den Wechselkurs und die Handel- und Transferierbarkeit der eigenen Währung bezieht.

 

2.1. Floating

Floating bedeutet freies Schwanken des Wechselkurses. Der Kurs bestimmt sich durch Angebot und Nachfrage am Devisenmarkt. Wenn die beteiligten Zentralbanken dennoch von Zeit zu Zeit am Devisenmarkt intervenieren, nennt man es schmutziges Floating / „Dirty Floating“. Aktuell befindet sich der Wechselkurs des Euro zu US-Dollar, Pfund Sterling und japanischem Yen im Floating. Auch der Schweizer Franken ist nach Aufgabe des Peg zum Euro Anfang 2015 wieder zum Floating übergegangen.

2.2. Peg mit Bandbreiten

Ein Peg ist eine Bindung des Wechselkurses einer Währung zu einer anderen Währung. Ein Beispiel für einen Peg ist die dänische Krone, die seit 1999 mit einem fest definierten Wechselkurs an den Euro gekoppelt ist. Um diesen Kurs ist eine Bandbreite von 2,25% nach oben und nach unten definiert, die aber nur wenig ausgenutzt wird. Die dänische Zentralbank sorgt durch Devisenmarktinterventionen dafür, dass die Abweichungen gering bleiben.

Die bedeutendsten Systeme mit Pegs und Bandbreiten in der jüngeren Geschichte waren das Europäische Währungssystem, Vorläufer der Europäischen Währungsunion, und das System von Bretton Woods (1944-1973), das Nordamerika und Westeuropa umfasste und auf einem Gold-Dollar-Standard basierte.

2.3. Fester Wechselkurs

Ein Beispiel für ein Wechselkursregime mit festem Wechselkurs ist Bosnien-Herzegowina, dessen Landeswährung seit 1998 an die Deutsche Mark gekoppelt war und die jetzt mit dem Umrechnungskurs €/DM an den Euro gekoppelt ist. Wie in diesem Beispiel sind es meist kleinere Länder, die ihre Währung an die deutlich größerer Länder koppeln. Das kleinere Land gibt dabei jedoch die monetäre Unabhängigkeit auf.

2.4. Devisenrestriktionen

In einigen Ländern, vor allem Schwellen- und Entwicklungsländern, bestehen Devisenrestriktionen, die die Ein- und Ausfuhr von Landeswährung und auch von ausländischer Währung einschränken. Ein Beispiel ist die Volksrepublik China, deren Devisenrestriktionen in den letzten Jahren allerdings deutlich gelockert wurden.

3. Die wirtschaftlichen Einflussfaktoren für Wechselkurse

3.1 Kaufkraftparität

Die Kaufkraftparitätentheorie besagt, dass ein Warenkorb überall auf der Welt gleich teuer sein sollte. Anders ausgedrückt sollte die Kaufkraft einer Währungseinheit (umgetauscht zum aktuellen Wechselkurs) überall auf der Welt gleich sein. Dies ist natürlich sehr weit weg von der Realität. Tendenziell weichen die Preise umso stärker voneinander ab, je weniger handelbar/ transportierbar ein Gut ist. Beispielsweise ist der Goldpreis weltweit sehr ähnlich, da Gold leicht handelbar und leicht transportierbar ist. Bei internationalen Preisunterschieden ist also Arbitrage möglich (Arbitrage = Ausnutzen von Preisunterschieden durch gleichzeitiges Kaufen und Verkaufen an verschiedenen Orten). Diese Arbitrage ist dagegen mit einem Haarschnitt beim Friseur oder mit einer Wohnungsmiete nicht möglich. Die meisten anderen Produkte wie Konsumgüter liegen in Bezug auf die Handel- und Transportierbarkeit zwischen diesen beiden Extremen. Dennoch ist die Kaufkraft der jeweiligen beiden Währungen ein Anhaltspunkt für eine Über- oder Unterbewertung, insbesondere für Wechselkurse zwischen Ländern, die nah beieinander liegen und enge Handelsbeziehungen miteinander haben.

 

3.2. Handels- und Leistungsbilanz

Überschüsse und Defizite in der Handels- und Leistungsbilanz können ebenfalls wichtige Anzeichen für eine Über- oder Unterbewertung von Währungen sein. Beispiele dafür waren die südostasiatischen Länder, deren Leistungsbilanzdefizite 1998 zur sogenannten Asien-Krise führten, die mit einem Einbruch der Wechselkurse dieser Länder einherging. Die Wechselkurse des kanadischen und des australischen Dollar zum US-Dollar stehen langfristig in engem Zusammenhang mit der Entwicklung der Rohstoffpreise, die die Handels- und Leistungsbilanz dieser beiden Länder stark prägen. (siehe auch Außenhandel)

 

3.3. Zinsdifferenzen

Veränderungen von Zinsdifferenzen beeinflussen ebenfalls die Wechselkurse. Wenn in Land A die Zinsen steigen und in Land B nicht, wird das erstgenannte Land für Anleger in Zinsanlagen (Geldmarktanlagen und Anleihen) attraktiver. Daher wird an den Devisenmärkten die Geldpolitik der Notenbanken immer sehr genau beobachtet.