Strategien mit Anleihen

Strategien mit Anleihen unterscheiden sich in mehrerlei Hinsicht:

  • In welchem Marktsegment wollen Sie investieren?
  • In welcher Rating-Kategorie ?
  • In welcher Währung ?
  • In welcher Laufzeit ?

Zunächst erhalten Sie unter 1. Empfehlungen für die Marktsegmente und die Rating-Kategorien. Unter 2. geht es dann um die Laufzeiten. Das Währungsrisiko von Fremdwährungsanleihen wird auf der Seite Risiko und Rendite beleuchtet.

Zum besseren Verständnis der untenstehenden Empfehlungen konsultieren Sie bitte die Seiten Anleihemärkte und Kreditrisiko und Rating sowie für die Zinsstrategien Zinsstrukturkurve und Zinsänderungsrisiko.

 

1. Welche Marktsegmente sind für einen Privatanleger überhaupt interessant ?

1.1. Für den sicherheitsorientierten Anleger kommen eigentlich nur folgende Marktsegmente in Frage:

  1. Staatsanleihen von Staaten mit sehr gutem Rating (AAA-AA)
  2. Pfandbriefe mit sehr gutem Rating (AAA-AA)
  3. Unternehmensanleihen mit sehr gutem Rating (AAA-AA)

Dies gilt ebenfalls für Anleger, die einen Teil ihres Vermögens in Aktien oder anderen risikoreicheren Anlageklassen investiert haben und den Anleihe-Teil ihres Vermögens „auf Nummer sicher“ investieren wollen. Diese Anleger sollten im Anleihenbereich auch nur in Euro investieren. Das Zinsänderungsrisiko ist natürlich zu beachten (siehe Zinsstrukturkurve und Zinsänderungsrisiko, aber auch die untenstehenden Zinsstrategien).

 

1.2. Der weniger sicherheitsorientierte Anleger kann auch folgende Marktsegmente in Betracht ziehen:

Staatsanleihen, Unternehmens- und Wandelanleihen und Pfandbriefe mit einem Rating unterhalb AA bis BBB sind für Privatanleger zwar grundsätzlich auch geeignet. Allerdings beinhalten diese Papiere ein nennenswertes Kreditrisiko. Dieses Kreditrisiko sollte breit diversifiziert werden. Je schlechter das Rating, desto breiter sollte die Diversifikation sein. Anleihen unterhalb von Investment grade (unter BBB) sollten, wenn überhaupt, nur eine kleine Beimischung im gesamten Depot sein und nur breit diversifiziert in Fonds (oder ETFs) gehalten werden.

Allerdings sollten Sie immer überlegen, ob Sie Ihr „Risikobudget“, das heißt, das Geld, dass Sie bereit wären bei der Anlage zu verlieren, nicht sinnvoller im Aktienbereich riskieren. Dies gilt besonders aktuell, da die Zinssätze selbst für Anleihen mit erhöhtem Risiko, gering sind.

 

1.3. Folgende Marktsegmente sollte man als Privatanleger den Profis überlassen, da sie zu komplex bzw. für den Privatanleger nur schwer berechenbar sind:

  1. Nachrangige Bankanleihen (inkl. Coco-Bonds)
  2. ABS-Anleihen
  3. Aktienanleihen
  4. Zertifikate

 

 

2. Zinsstrategien

Diese Strategien gelten für die direkte Anlage in einzelnen Anleihen. Die direkte Anlage in einzelnen Anleihen sollte sich auf Investment grade (AAA-BBB) beschränken und den Schwerpunkt im Bereich AAA-AA haben. Die erforderliche Diversifikation/ Risikostreuung nach Emittenten/ Schuldnern für die Anlage in schlechteren Ratings ist für Privatanleger meist schwierig darzustellen. Da diese Zinsstrategien auch der privaten Liquiditätssteuerung dienen, wären die Zahlungsströme aus Anleihen mit schlechteren Ratings dafür auch zu unsicher.

 

2.1.Treppenstrategie

Die Laufzeiten der Anleihen werden wie Treppenstufen hintereinander gestaffelt.

Das Depot wird nach Laufzeiten gestaffelt, besteht also z.B. aus einer 1-jährigen Anleihe, einer 2-jährigen, einer 3-jährigen, einer 4-jährigen usw.. Bei Fälligkeit der jeweiligen Anleihe wird das Geld wiederangelegt, so dass die „Treppe“ wieder vollständig ist.

Der Vorteil dieser Strategie ist, dass bei Liquiditätsbedarf das regelmäßig aus Tilgungen zufließende Geld für andere Zwecke zur Verfügung steht.

 

2.2.Bullet-Strategie (Kugel-Strategie)

Die Bullet- Strategie setzt in Bezug auf die Laufzeit „alles auf eine Karte“. Das bedeutet, dass der Anleger z.B. den gesamten Betrag in 5-jährige Bundesanleihen investiert.

Dies kann sinnvoll sein, wenn der Anleger am Ende der Laufzeit einen großen Liquiditätsbedarf hat, z.B. ein Haus kaufen will, oder wenn er diese Laufzeit als die beste auf Basis seiner Zinseinschätzung betrachtet.

 

2.3.Barbell-Strategie (Hantel-Strategie)

Bei der Barbell-Strategie sucht sich der Anleger zwei Laufzeiten aus (z.B. 2 und 8 Jahre), in die er investiert, während er die Durchschnittslaufzeit auch im Blick hat.

Diese Strategie hat folgende Vorteile:

  • Der Anleger kann zwar dadurch auf die Durchschnittslaufzeit (5 Jahre) „setzen“, hat aber trotzdem das Risiko gestreut.
  • Da eine relativ kurze Laufzeit dabei ist, hat der Anleger einen Teilbetrag (z.B. die Hälfte) zeitnah und nur mir geringen Kursrisiko verfügbar.
  • Die Umsetzung ist viel einfacher als bei der Treppen-Strategie