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Strategien mit Aktien

Es gibt eine Vielzahl von Strategien für das Management eines Aktienportfolios (Aktiendepots). Dies ist daher nur eine Auswahl.

 

1. Passives Management (Indexierung)

 Beim passiven Management wird ein Aktienindex abgebildet wie z.B. der DAX (Deutscher Aktienindex). In diesem Fall werden einfach alle 30 DAX-Aktien in ihrer Indexgewichtung erworben.

Beispiel:

Ein Fonds investiert €1 Mio. in den DAX-Index. Die BASF Aktie hat aktuell ein Gewicht im DAX von 8%. Der Kurs der BASF-Aktie liegt aktuell bei €80. Wie viele BASF-Aktien muss der Fonds erwerben ?

Aktienstückzahl = (Anlagebetrag * BASF Gewichtung)/ BASF-Kurs = (€ 1 Mio. * 8%)/ € 80 =1000 BASF-Aktien.

Dies wird dann entsprechend für die 29 anderen DAX-Aktien durchgeführt, bis 100% (€ 1 Mio.) investiert sind. Wenn sich die Indexzusammensetzung und/ oder die Indexgewichtungen ändern, wird entsprechend umgeschichtet.

Ein Indexportfolio kann man sich zwar als Privatanleger auch zusammenstellen. Allerdings werden Indexportfolios sehr kostengünstig als ETFs (Exchange-Traded-Funds) angeboten.

Die Aktienstrategien, bei denen nicht ein Index abgebildet wird, nennt man aktives Management (also die Abschnitte 2.,3. und 4. sowie meist auch 5.):

 

2. Fundamentale Aktienstrategien

Die fundamentalen Aktienstrategien, die sehr zahlreich sind, verwenden Auswahlkriterien, die sich auf die Eigenschaften, die Geschäftsentwicklung und Perspektiven der Unternehmen (Aktiengesellschaften) beziehen. Dafür werden häufig Finanzkennzahlen herangezogen.

 

2.1.Top Down

Beim Top-Down-Ansatz (Top down = von oben herab) analysiert der Anleger zuerst volkswirtschaftliche Trends, entscheidet sich auf dieser Basis für ein Teilsegment des Aktienmarktes und sucht dann in diesem Teilsegment nach einzelnen geeigneten Unternehmen:

Beispiel:

Der Anleger kommt zu der Prognose, dass der Ölpreis steigen wird. Er beschließt daher, in seinem Portfolio den Anteil der Ölgesellschaften zu erhöhen und den Anteil der Luftfahrtgesellschaften reduzieren. Er überlegt in der Folge, welche Ölaktien er aufstocken will und welche Luftfahrtaktien er reduzieren will.

 

2.2.Bottom up

Der Bottom-up-Investor (Bottom up = von unten hoch) sucht sich erst Unternehmen aus, die er aufgrund von Kennzahlen oder anderen fundamentalen Kriterien für attraktiv hält. Erst danach überprüft er, wie die geschäftlichen Perspektiven der Branche sind, auch unter Berücksichtigung seiner Konjunktureinschätzung. Allerdings gibt es auch Anleger, die absichtlich keine Konjunktureinschätzung berücksichtigen, da sie der Meinung sind, dass Konjunkturprognosen (eigene und externe) zu häufig falsch sind. Diese Anleger konzentrieren sich nur auf die Analyse der Unternehmen. Meist achten sie aber dennoch auf eine gewisse Diversifikation nach Sektoren.

 

2.2.1. Value-Ansatz

Beim Value-Ansatz (Value Investing) versucht der Anleger, Aktien zu einem Kurs zu erwerben, der weit unter dem „inneren Wert“ des Unternehmens liegt. Diesen inneren Wert ermitteln Value-Investoren anhand von Bewertungskennzahlen. Den Abstand zwischen Kaufkurs und innerem Wert nennen Value-Investoren auch „Margin of Safety“ (Sicherheitsmarge). Value Investoren sind sozusagen „Schnäppchenjäger“, die die Aktien billig erwerben wollen.

Die „Margin of Safety“ (Sicherheitsmarge) hat für Value Investoren zwei Funktionen:

  1. Sie setzen darauf, dass der Aktienkurs allmählich in die Nähe des von ihnen ermittelten inneren Wertes steigt.
  2. Da sie schon sehr günstig (also mit Sicherheitsmarge) die Aktie kaufen, halten sie die Wahrscheinlichkeit für niedrig, dass sie weiter deutlich im Kurs fällt.

Bedingt durch ihren Anlagestil kaufen Value-Investoren meist Aktien, die aus der Mode gekommen sind („out of favour“), d.h. sie investieren antizyklisch.

Daher gehören zum erfolgreichen Value Investing zwei Eigenschaften:

  1. Sehr unabhängiges Denken und die Fähigkeit, sich nicht von außen beeinflussen zu lassen (durch andere Meinungen, Marktentwicklungen, Nachrichten etc. )
  2. Sehr langfristiger Anlagehorizont

Es gibt viele Varianten des Value Investing; fast jeder Value Investor hat seine eigene entwickelt.

Hier sollen typisierend nur zwei Varianten genannt werden, die beide von den im folgenden genannten Herren sehr erfolgreich praktiziert wurden/werden:

  • Das substanzorientierte Value Investing: Es konzentriert sich darauf, Unternehmen unter ihrem Substanzwert (Grundstücke, Anlagen) oder unter ihrem aktuellen Ertragswert zu erwerben. Prognosen der zukünftigen Geschäftsentwicklung des Unternehmens werden hier kaum verwendet. Wichtige Investoren dieses Stils waren: Benjamin Graham und Walter Schloss, beide aus New York City, USA. Benjamin Graham schrieb zu dem Thema die bekannten Bücher „Security Analysis“ und „The Intelligent Investor“ und wird auch als „Vater des Value Investing“ bezeichnet.
  • Das qualitätsorientierte Value Investing: Hier sucht der Investor insbesondere nach Unternehmen, die über einen nachhaltigen Wettbewerbsvorteil verfügen, der zu einer starken Preissetzungsmacht (pricing power) und damit zu einer nachhaltig hohen Rentabilität auf das eingesetzte Kapital führt. Diese versucht er dann auch mit einer „Sicherheitsmarge“ zu kaufen. Der Anlagehorizont dieser Investoren ist tendenziell noch länger als der im substanzorientierten Value Investing. Die bekanntesten Investoren dieses Stils sind Warren Buffett und Charlie Munger, die in Omaha, USA, zusammen die Investmentholding Berkshire Hathaway betreiben.

 

2.2.2. Growth-Ansatz

Der Growth-Ansatz bevorzugt Unternehmen mit hohem Umsatz- und Gewinnwachstum bzw. Wachstumspotential. Dieser Stil war sehr beliebt zur Zeit der sogenannten Technologie-Blase in den Jahren 1999-2000. Verwandt mit diesem Ansatz ist der Momentum-Ansatz, bei dem Unternehmen ausgewählt werden, deren Umsatzwachstum und/ oder Gewinnwachstum sich zuletzt beschleunigt hat. Diesem Stil liegt die Annahme zugrunde, dass diese Beschleunigung sich in der näheren Zukunft fortsetzt und zu einem Kursanstieg der Aktie führt.

 

3. Quantitative Aktienstrategien

Bei quantitativen Aktienstrategien verwendet das Portfoliomanagement computergestützte Berechnungsmodelle. Meist werden die Aktien auch hier nach fundamentalen Finanzkennzahlen und/oder Bewertungskennzahlen analysiert und ausgewählt.

Quantitativ verwaltete Portfolios werden zum einen als normale Investmentfonds angeboten, zunehmend aber auch als ETFs (Exchange Traded Funds). Quantitativ verwaltete ETFs nennt man auch Smart Beta – ETFs. Diese arbeiten meist nach der Methode des Fundamental Indexing, d.h. es wird zuerst für diesen Ansatz ein spezieller Aktienindex entwickelt und dieser dann im Smart-Beta-ETF abgebildet.

Wissenschaftlich teilt man die Performance (Wertentwicklung) eines Fonds in zwei Quellen auf: Beta = Indexperformance, Alpha = Outperformance, d.h. Differenz der Wertentwicklung des Fonds und der Indexentwicklung, also die Leistung des Fondsmanagers. Bei Smart Beta wird aus einer Anlagestrategie (z.B. Aktien des DAX mit hoher Dividende) ein neuer Index gebaut. Da man diesen Index dann „smart“ findet, weil er sich idealerweise besser als der DAX entwickelt, nennt man den ETF demnach Smart Beta ETF. (Alpha ist es nach wie vor nicht, da ja „nur“ ein Index abgebildet wird.)

 

3.1. Der Minium Variance-Ansatz und der Low Volatility-Ansatz

  1. Beim Low Volatility-Ansatz wird ein Portfolio aus Titeln mit einer sehr niedrigen Volatilität (Schwankungsbreite) des Aktienkurses zusammengestellt.
  2. Beim Minimum Variance wird zusätzlich noch der Diversikationseffekt zwischen den Aktien genutzt, so dass die gesamte Varianz und somit die Volatilität (Schwankungsbreite) des Portfolios minimiert wird.

Diese beiden Ansätze sind in den letzten Jahren beliebter geworden, da einige Untersuchungen ergeben haben, dass mit diesen Ansätz meist eine höhere Wertentwicklung erzielt werden konnte als mit den zugrundeliegenden Indizes, während die Schwankungsbreite gleichzeitig geringer war als die des Indizes.

 

3.2. Dividendenorientierte Aktienstrategien

Portfolios mit hoher Dividendenrendite haben nach Untersuchungen auch vielfach eine bessere Wertentwicklung erzielt als die zugrundeliegenden Indizes bei einer meist geringeren Schwankungsbreite. Smart-Beta-ETFs diesen Stils können oft hohe Ausschüttungen darstellen, die bei vielen Anlegern beliebt sind.

 

3.3. Gleichgewichtete Index-ETFs

Im Gegensatz zu den normalen Index-ETFs (siehe 1.) werden die Aktien des jeweiligen Aktienindex nicht entsprechend ihrer Indexgewichtung, sondern alle mit der gleichen Gewichtung gekauft. Dies bedeutet, dass beispielsweise beim DAX die viel kleinere Adidas AG gleich gewichtet wird wie z.B. BASF AG. Befürworter dieses Ansatzes verweisen auf die breitere Risikostreuung, da die Konzentration auf die „Index-Schwergewichte“ entfällt. Daneben zeigen gleichgewichtete ETFs eine tendenziell bessere Wertentwicklung als die entsprechenden Indizes.

 

3.4. BIP-Gewichtung

Dieser Aktienstrategie bezieht sich auf die Ländergewichtung in internationalen Indizes. Normalerweise sind die Ländergewichte wie die Gewichte der Einzeltitel auf Basis der Marktkapitalisierung der Aktiengesellschaften. BIP-gewichtete Indizes sind innerhalb des jeweiligen Landes marktkapitalisierungsgewichtet, während die Ländergewichtung sich nach dem Bruttoinlandsprodukt (BIP) richtet. Diese Methode bringt mehr Stabilität in den Index. Sie hat in der Vergangenheit in globalen Portfolios (MSCI AWI Index) auch zu einer etwas  höheren Performance geführt. Dies wird darauf zurückgeführt, dass die Gewichtung von Japan vor allem in der Boomphase des Marktes niedriger war und die der Emerging Markets höher als im normalen Index. Sie führt also inder Tendenz dazu, dass man in Phasen einer Marktübertreibung in einzelnen Ländern dort weniger investiert ist.

 

 

4. Chartanalyse / Technische Analyse

Die Technische Analyse / Chartanalyse beschäftigt sich mit dem historischen Kursverlauf der Aktie (Chart) und anderen Indikatoren, die aus dem Kursverlauf abgeleitet werden oder aus anderen Marktdaten (wie z.B. Börsenumsatz in der Aktie). Sie steht im Gegensatz zur fundamentalen Analyse. Diesem Ansatz liegt die Annahme zugrunde, dass die Fundamentaldaten schon im Kurs der Aktie laufend „eskomptiert“ (berücksichtigt) sind und es sich daher nicht lohnt, sich mit den Fundamentaldaten zu beschäftigen.

 

5. Small Caps

Small Caps sind Unternehmen mit einer kleinen Marktkapitalisierung, also kleine Unternehmen. Man kann in diesem Segment passiv oder aktiv mit verschiedenen Strategien investieren. Wissenschaftliche Untersuchungen haben gezeigt, dass die Performance von Smallcaps deutlich höher lag als die der Large Caps (große Unternehmen). Dieser Effekt wird auch der „Small Firm Effect“ genannt bzw. „Size Premium“. Begründet wird dieser Effekt damit,

  • dass der Anleger in diesem Segment für die deutlich niedrigere Marktliquidität, die höheren Transaktionskosten und das höhere Insolvenzrisiko der einzelnen Unternehmen entschädigt werden muss
  • dass der Anleger in diesem Segment mehr Zeit und Geld für die Analyse aufwenden muss
  • dass kleinere Unternehmen oft ein höheres Wachstum aufweisen als große.

Die kleinen Unternehmen sind in sich weniger diversifiziert als große; daher sollte ein Smallcap-Portfolio entweder nur eine kleine Beimischung Ihres Vermögens sein und (vor allem bei etwas höherem Gewicht) in sich breit diversifiziert sein.

 

Für Privatanleger empfehlen sich insbesondere folgende Strategien:

  • die Indexierung, Nr. 1. (als ETF)
  • die Gleichgewichtung, Nr. 3.3. (als ETF)
  • die Minimum Variance / Low Volatility – Strategie, Nr. 3.1. (als ETF)
  • Dividendenorientierte Aktienstrategien, Nr. 3.2. (als ETF)
  • der Value-Ansatz, Nr. 2.2.1. (als aktiver Investmentfonds, als ETF auf einen Value-Index oder für das eigene Aktiendepot)
  • Smallcaps

Informationen zu ETFs und Fonds finden Sie auf den entsprechenden Seiten.