Offene Immobilienfonds

 

Die offenen Immobilienfonds galten in Deutschland lange als sogenannte „Witwen- und Waisen-Papiere“, also Wertpapiere mit hoher Sicherheit und hoher Liquidität. Allerdings hat sich dies in der Finanzkrise schlagartig geändert. Als in kurzer Zeit viele Anleger ihre Anteile zurückgeben wollten, haben sich zwei Tatsachen herausgestellt, die vorher niemand in dieser Branche wahrhaben wollte:

  • Dass sich Immobilien nicht so schnell verkaufen lassen wie Wertpapiere
  • Dass die Bewertungen der Immobilien in den offenen Immobilienfonds den Wertrückgang der Immobilienmarktschwäche von 1995-2005 nicht ausreichend berücksichtigt hatten

Die Fonds waren also in der Finanzkrise gezwungen, die Rücknahme ihrer Fondsanteile vorerst einzustellen und dann ihre Immobilien – oft unter dem Gutachterwert, der bei der Berechnung der Fondsanteilspreise zugrundegelegt wurde – zu verkaufen. An der Fondsbörse wurden diese Fondsanteile daher weit unter den offiziellen Anteilspreisen gehandelt. Diese Fonds wurden dann über Jahre unter Aufsicht der Aufsichtsbehörde abgewickelt.

Gesetzgeber und Aufsichtsbehörden sahen nach diesen Ereignissen ein, dass Immobilienfonds nicht mehr täglich rückgebbar sein dürfen. Daher wurden für die Anteilsrückgabe Kündigungsfristen eingeführt.

Die meisten deutschen offenen Immobilienfonds investieren vorwiegend in Büro- und/oder Einzelhandelsimmobilien. Diese beiden Marktsegmente sind in besonderem Maße von der Digitalisierung betroffen. Der Einzelhandel wird zunehmend online abgewickelt. Büroarbeitsplätze in großen Firmen wie z.B. Banken werden eher abgebaut. Währenddessen gewinnen das Home Office oder wechselnde Einsatzorte an Bedeutung.