Kreditrisiko und Rating

 

1.Was ist Kreditrisiko ?

Das Kreditrisiko einer Anleihe ist das Risiko, dass der Schuldner (Emittent) Zinsen und/oder Tilgung (Rückzahlung) nicht leisten kann oder nicht leistet. Der Grund dafür ist fast immer die Zahlungsunfähigkeit des Schuldners.

Da die Schuldner bei Ausgabe der Anleihe fast immer zahlungsfähig sind (sonst würde ja niemand die Anleihe kaufen), ist es die Herausforderung für den Anleger, abzuschätzen, wie hoch das Risiko ist, dass während der Laufzeit der Anleihe die Zahlungsunfähigkeit des Schuldners eintritt. Mit anderen Worten: Man muss als Anleger das Kreditrisiko einschätzen, bevor man die Anleihe kauft.

Die einfachste Art für den Anleger, einen Anhaltspunkt für die aktuelle und zukünftige Zahlungsfähigkeit des Schuldners zu erhalten, also für das Kreditrisiko, ist das Rating. Das Rating einer Anleihe erhalten Sie unter anderem auf den Internet-Anleger-Portalen Finanzen.de oder onvista.de, wenn Sie die Anleihe aufrufen.

 

2. Ratings

Ratings werden von Rating-Agenturen erstellt, die dafür spezialisierte Analysten beschäftigen. Die wichtigsten Rating-Agenturen sind: Standard & Poor’s, Moody’s und Fitch Ratings. Alle drei sind private Unternehmen, die jedoch von Aufsichtsbehörden überwacht werden. Daneben bestehen viele kleinere, die meist auf Nischen fokussiert sind oder regional tätig sind.

Die Ratingagenturen verwenden seit Jahrzehnten das gleiche System von Ratingstufen. Die Ratingstufen der drei Agenturen sind nicht hundertprozentig vergleichbar, aber doch weitestgehend. In der untenstehenden Übersicht sehen Sie die vergleichbaren Ratingstufen nebeneinander dargestellt. Ausgesprochen werden die Ratings: AAA = triple A, B = single B.

 

3. Ausfallquoten und Rating migration

Neben der Beschreibung auf der Tabelle sehen sind folgende Statistiken, durch die Sie einen Eindruck gewinnen können, was die Ratings für das Risiko der Anleihe bedeuten:

  1. Die Ausfallquoten von Unternehmensanleihen (global), die in 2010 das S&P-Rating in der linken Spalte hatten. Beispiel: 0,2% aller Unternehmen, die in 2010 von S&P mit BBB gerated waren, konnten bis 2014 zumindest eine Zins-oder Tilgungsleistung nicht zahlen. Oder: Die Ausfallquote der Anleihen mit Rating BBB („triple B“) betrug über 5 Jahre (zusammengenommen) 0,2%.
  1. Rating-Veränderung (Rating migration): In der rechten Spalte können Sie sehen, wieviel % der Unternehmen, die am Anfang einer 5-Jahres-Periode ein S&P-Rating gemäß linke Spalte hatten, nach 5 Jahren ein Rating von nur noch unter BBB hatten (im Durchschnitt für den Zeitraum 1981-2014). Beispiel: Von den Unternehmen, die am Anfang einer 5-Jahres-Periode ein Rating von AA haben, weisen im Durchschnitt 0,2% nach 5 Jahren ein Rating von unter BBB auf.

Wenn das Rating zwar unter BBB fällt, aber der Zins bezahlt wird, ist dies für einen Privatanleger deswegen ein Nachteil, weil der Kurs nach einer Ratingverschlechterung, insbesondere unter BBB, deutlich fällt. Besonders ist dies dann von Nachteil, wenn die Anleihe noch eine lange Restlaufzeit hat. (Bei einer kurzen Restlaufzeit kann er das Problem eher „aussitzen“, also die Anleihe bis zur Endfälligkeit behalten. Er muss dann allerdings hoffen, dass der Schuldner so lange zahlungsfähig bleibt.)

 

Ratings im Überblick

Rating
Standard & Poor’s/ Fitch Ratings
Rating
Moody’s
Deutsche Beschreibung Ausfallquote über 5 Jahre (2010-14)
(in%)
Rating Down-grade auf unter BBB über 5 Jahre (1981-2014), (in %)
AAA/- Aaa1-3 Schuldner höchster Bonität, Ausfallrisiko auch längerfristig so gut wie vernachlässigbar 00,2
AA/+-Aa 1-3Sichere Anlage, Ausfallrisiko so gut wie vernachlässigbar, längerfristig aber etwas schwerer einzuschätzen 00,2
A/+- A 1-3Sichere Anlage, sofern keine unvorhergesehenen Ereignisse die Gesamtwirtschaft oder die Branche beeinträchtigen00,6
BBB/+-Baa1-3Durchschnittlich gute Anlage. Bei Verschlechterung der Gesamtwirtschaft ist aber mit Problemen zu rechnen 0,24,6
BB/+Ba1-3 Spekulative Anlage. Bei Verschlechterung der Lage ist mit Ausfällen zu rechnen 2,1
B/+-B1-3 Hochspekulative Anlage. Bei Verschlechterung der Lage sind Ausfälle wahrscheinlich8,0
CCC/+-Caa1-3Nur bei günstiger Entwicklung sind keine Ausfälle zu erwarten 39,5 (CCC-C)
CCCaZahlungsverzug bzw. hohe Wahrscheinlichkeit39,5 (CCC-C)
CCaZahlungsverzug bzw. hohe Wahrscheinlichkeit39,5 (CCC-C)
SD/RDTeilweiser Zahlungsausfall
DCZahlungsausfall (Default)
Datenquelle: Standard & Poor's Insights 2015

 

4. Investment grade und Speculative Grade

In Bezug auf das Rating und damit das Kreditrisiko teilt man die Anleihenmärkte in zwei Segmente ein:

  1. Ratings von AAA-BBB werden als Investment grade (Anlage-Rating) bezeichnet. Viele institutionelle Anleger dürfen nur oder fast nur in diesem Segment investieren.
  2. Ratings von BB und darunter bezeichnet man als Speculative Grade (Spekulatives Rating), die entsprechenden Anleihen entweder als Junk Bonds (wörtlich: Müllanleihen oder Ramschanleihen) oder etwas höflicher als High Yield Bonds (Anleihen mit hoher Rendite).

 

5. Fazit: Das Kreditrisiko einer Anleihe hat vor allem zwei Aspekte

  1. Das Rating einer Anleihe kann sich verschlechtern. Dies führt normalerweise zu einem Kursrückgang, je nachdem, wie stark das Rating sich verschlechtert. Wenn Sie die Anleihe bis zur Endfälligkeit behalten („Aussitzen“), entsteht Ihnen daraus kein Schaden. Dies gilt jedoch nur, wenn der Schuldner bis zur Endfällgkeit zahlungsfähig bleibt. (Hier besteht ein wesentlicher Unterschied zum Zinsänderungsrisiko, das Sie durch Halten bis zur Endfälligkeit ohne weiteres „aussitzen“ können.)
  2. Die Anleihe kann ganz „ausfallen“, d.h. Zins und Tilgung werden nicht mehr bezahlt. Der Kurs fällt dann auf einen meist geringen „Hoffnungswert“. Die Hoffnung besteht dann eventuell darin, dass im Konkursfall die Anleihegläubiger einen Teil ihrer Forderung bezahlt bekommen. Die Quote, die der Anleger bei Ausfall der Anleihe bekommt, nennt man auch Recovery rate.  (Vorübergehende Zahlungsausfälle mit anschließend voller Bedienung der Anleihe kommen eher selten vor.)

Wenn Sie das Kreditrisiko gering halten möchten, sollten Sie sich nur auf Anleihen im Bereich AAA-BBB (Investment grade) konzentrieren und zudem breit nach Emittenten diversifizieren. (siehe auch Strategien mit Anleihen sowie Risiko und Rendite)