Kapitalflussrechnung (Cash Flow – Rechnung)

(Gewinn nach Steuern ist eine Meinung. Cash Flow ist eine Tatsache.)

                  Whitney R. Tilson, amerik. Fondsmanager

 

1. Free Cash Flow

Da die Gewinn- und Verlustrechnung durch buchhalterische Bewertungen beeinflusst ist, wird die Kapitalflussrechnung von vielen Investoren als Informationsbasis für die wahre Ertragskraft des Unternehmens bevorzugt. Wichtigstes Ergebnis der Kapitalflussrechnung ist der Free Cash Flow:

  • der aus dem laufenden Geschäft anfallende Geldstrom (Umsatz – liquiditätswirksame Aufwendungen – Steuern = operativer Cash Flow)
  • der für Erhaltungsinvestitionen erforderliche Geldstom (zur nachhaltigen Aufrechterhaltung des Geschäfts im aktuellen Umfang)
  • daraus ergibt sich der Free Cash Flow (Operativer Cash Flow – Cash Flow aus Investitionstätigkeit = Free Cash Flow)

Der Free Cash Flow steht zur Verfügung für Investitionen zur Expansion, Firmenkäufe, Schuldentilgung, Dividenden oder Aktienrückkäufe. Da dies das Unternehmen recht frei und unabhängig vom laufenden Geschäft entscheiden kann, nennt man ihn Free Cash Flow. Er ist für den Aktionär die wirtschaftlich wichtigste Ertragsgröße.

 

2. Die Kapitalflussrechnung im Detail

Das Ziel der Kapitalflussrechnung ist, die Geldströme im Unternehmen darzustellen. Diese werden nach verschiedenen Bereichen dargestellt:

  1. Der Cash Flow aus betrieblicher Tätigkeit sagt aus, was von dem Umsatz nach Abzug von Auszahlungen für Personal und Material sowie für übrigen betrieblichen Aufwand an Einnahmen übriggeblieben ist. (Dieser wird allerdings indirekt ermittelt, indem zu dem Ergebnis vor Steuern alle nicht cash-wirksamen und nicht betrieblichen Positionen wieder hinzugezählt werden, z.B. Abschreibungen und Zinsen).
  2. Dann wird betrachtet, ob das Unternehmen Geld für die Aufstockung der Vorräte und der Kundenforderungen (abzüglich der Lieferantenverbindlichkeiten) ausgeben musste. (Sind mehr Vorräte gekauft worden als an die Kunden abgeflossen sind?) Dieses gebundene Geld nennt man Working Capital = Vorräte + Kundenforderungen – Lieferantenverbindlichkeiten.
  3. Erst danach werden die Investitionen in Maschinen, Grundstücke etc. abgezogen (CF aus Investitionstätigkeit).
  4. Im Anschluss werden die Finanzströme betrachtet: Auszahlung für Zinsen, Dividenden und Kredittilgungen, Einzahlungen aus Kreditaufnahmen und Kapitalerhöhungen.
  5. Wenn alle diese Cash Flows zusammengerechnet werden (der betriebliche ist meist positiv, de CF aus Investitionstätigkeit meist negativ, der CF aus Finanzierungstätigkeit unterschiedlich), dann ergibt sich die Veränderung des Zahlungsmittelbestands gegenüber dem Vorjahr.

 

Kapitalflussrechnung der Müller AG (Beträge in Mio. €)

 Beträge in Mio. €Erläuterungen
Ergebnis vor Ertragssteuern80
div. Bereinigungen von nicht liquiditätswirksamen und nicht betrieblichen Positionen+70Bei der indirekten Methode der Kapitalflussrechnungen wird vom Ergebnis ausgegangen und es werden die Positionen, die nicht in den Betrieblichen Cash Flow hineingehören (also nicht betrieblich sind oder nicht cash-relevant), herausgerechnet
Vor allem werden die Abschreibungen hinzugezählt, da sie nur eine buchhalterische Position sind, aber keine Ausgabe.
Cash Flow aus betrieblicher Tätigkeit vor Working Capital-Veränderungen150Alternative Berechnung: Umsatz – (minus) Ausgaben für Personal, Material und andere betriebliche Ausgaben
Working Capital-Veränderungen (+/-)Veränderung von Vorräten, Kundenforderungen und Lieferantenverbindlichkeiten
Gezahlte Steuern (-)-25
Cash Flow aus betrieblicher Tätigkeit100
Cash Flow aus Investitionstätigkeit:
Investitionen in Sachanlagen und immaterielle Vermögensgegenstände (-)
-60 z.B. Anschaffung von Maschinen und Gebäuden
Cash Flow aus Finanzierungstätigkeit:
Kapitalerhöhungen (+)
Dividendenzahlungen (-)
Zinszahlungen (-)
Netto-Aufnahme von Krediten und Anleihen (+)
-20Wurde mehr Kreditvolumen getilgt oder aufgenommen ? Wurde eine Kapitalerhöhung durchgeführt ?
Veränderung der Zahlungsmittel im Geschäftsjahr20