Indexabbildung von ETFs

 

ETFs verwenden verschiedene Methoden, um den jeweiligen Index abzubilden (Details unterhalb der Tabelle):

 

MethodeKurzbeschreibungVorteileNachteile
Vollständige ReplikationKauf aller Aktien des Index in ihrer IndexgewichtungSauberste und sicherste MethodeRelativ hohe Transaktionskosten (vor allem bei weniger liquiden Aktien); Risiken aus Wertpapierleihe (s.u.)
Optimierte Abbilung durch SamplingKauf der wichtigeren Aktien des Index und Optimierung, um die Entwicklung des Index zu erreichenNicht ganz saubere, aber sichere Methode, reduzierte TransaktionskostenLeichte Ungenauigkeit gegenüber der Indexentwicklung; Risiken aus Wertpapierleihe (s.u.)
Abbildung über Unfunded SwapFonds hält andere Wertpapiere und tauscht deren Wertentwicklung durch einen Swap in die Indexentwicklungniedrige Transaktionskosten, Sicherheiten (Wertpapiere) werden im Fonds gehaltenKreditrisiko durch Swap-Forderung gegen Bank (aber nur für bis zu 10% des des Fondsvermögens)
Abbildung über funded SwapFonds hält andere Wertpapiere und tauscht deren Wertentwicklung durch einen Swap in die Indexentwicklung; die Swap-Forderung ist besichertniedrige Transaktionskosten, Sicherheiten (Wertpapiere) werden im Fonds gehaltenKreditrisiko durch Swap-Forderung gegen Bank (aber nur für bis zu 10% des Fondsvermö-gens); aber besichert.
Abbildung über fully funded SwapFonds hält nur einen Swap für die IndexentwicklungSehr niedrige TransaktionskostenVolles Kreditrisiko aus dem Swap gegenüber der Bank; aber voll besichert

 

 

1. Vollständige Replikation

Hier werden für das Fondsvermögen einfach die Aktien des Index in ihrer Indexgewichtung erworben; diese Methode ist die sicherste und transparenteste, aber in manchen Fällen etwas aufwendig, wenn die Aktien der etwas kleineren Unternehmen des jeweiligen Index weniger liquide sind.

Vorteil:

Dies ist die sauberste und sicherste Methode. (abgesehen von der Wertpapierleihe, siehe unten)

Nachteile:

Die Transaktionskosten sind wohl normalerweise die höchsten von allen 5 Typen. Dies kann zu Kursausschlägen in diesen Aktien führen, wenn z.B. der Fonds Indexanpassungen umsetzen muss, also wenn sich die Indexgewichtung einer wenig liquiden Aktie am Anpassungsstichtag ändert und der Fonds die Aktie kaufen oder verkaufen muss.

Meist wird bei dieser Variante Wertpapierleihe praktiziert, die zwar mit Zusatzeinnahmen, aber auch mit Risiken verbunden ist (siehe unten)

 

 

2. Optimierte Indexabbildung durch Sampling

In diesem Fall enthält der Fonds auch nur Aktien aus dem Index, allerdings nicht alle; oft werden Aktien von relativ kleinen Unternehmen weggelassen und die übrigen in der Gewichtung so optimiert, dass trotzdem nahezu die Indexperformance erzielt wird.

Vorteil:

Die Transaktionskosten sind gegenüber 1. gemindert. Das Risiko von Kursausschlägen beim Handel von weniger liquiden Aktien wird gemindert. Dadurch verbessert sich tendenziell die Wertentwicklung.

Nachteile:

Ungenauigkeit in der Wertentwicklung im Vergleich zum Index.

Meist wird bei dieser Variante Wertpapierleihe praktiziert, die zwar mit Zusatzeinnahmen, aber auch mit Risiken verbunden ist (siehe unten)

 

 

3. Indexabbildung über „unfunded Swap“

Der Fonds hält Wertpapiere, die meist nichts mit dem Index zu tun haben und schließt einen Swap-Vertrag mit einer Bank ab. Dieser Bank zahlt der Fonds die Wertentwicklung aus den Wertpapieren im Fonds; die Bank zahlt dem Fonds dagegen die Wertentwicklung des Index. Der Fonds tauscht also (Swap=Tausch) die Wertentwicklung seiner Wertpapiere gegen die Wertentwicklung des Index. Wenn der Index „besser läuft“ als die Wertpapiere im Fonds, hat der Fonds eine Forderung an die Bank, die bei einem ETF des Typs UCITS (OGAW) – je Gegenpartei (Bank) maximal 10% des Fondsvermögens betragen darf. Spätestens dann muss die Bank eine Ausgleichszahlung leisten. Wenn der Index „schlechter läuft“ als die Wertpapiere im Fonds, passiert das Umgekehrte.

Vorteil:

Dem Fonds entstehen weit geringere Transaktionskosten als in 1. und 2..

Nachteile:

Der Fonds kann eine Forderung und damit ein Kreditrisiko gegenüber der Bank haben, mit der der Swap-Vertrag besteht.

Falls die Fondsgesellschaft zum Konzern einer Bank gehört und der Swap-Vertrag mit dieser besteht, ergibt sich ein Interessenkonflikt.

 

 

4. Indexabbildung über „funded Swap“

Abbildung wie unter „unfunded Swap“; allerdings muss die Bank für die Forderung aus dem Swap dem Fonds Sicherheiten hinterlegen.

Das Kreditrisiko gegenüber der Bank ist damit besichert.

Vorteil:

Dem Fonds entstehen weit geringere Transaktionskosten für den Handel mit Aktien als in 1. und 2..

Nachteile:

Der Fonds kann eine Forderung und damit ein Kreditrisiko gegenüber der Bank haben, mit der der Swap-Vertrag besteht. Dies ist jedoch besichert.

Es besteht das Risiko, dass die  Sicherheiten an Wert verlieren in einer Situation, in der die entleihende Bank bereits in der Insolvenz ist und die Sicherheiten nicht mehr aufstocken kann.

Falls die Fondsgesellschaft zum Konzern einer Bank gehört und der Swap-Vertrag mit dieser besteht, ergibt sich ein Interessenkonflikt.

 

 

 

5. Indexabbildung über „fully funded swap“

Der Fonds investiert sein Fondsvermögen in einen Swap mit einer Bank. Diese garantiert dafür die Wertentwicklung des Index und hinterlegt für die Forderung des Fonds an die Bank Sicherheiten.

Vorteil:

Dem Fonds entstehen weit geringere Transaktionskosten für den Handel mit Aktien als in 1. und 2..

Nachteile:

Der Fonds hat eine Forderung und damit ein Kreditrisiko gegenüber einer Bank, mit der der Swap-Vertrag besteht. Dieses umfasst praktisch das ganze Fondsvermögen, ist jedoch besichert.

Es besteht das Risiko, dass die  Sicherheiten an Wert verlieren in einer Situation, in der die entleihende Bank bereits in der Insolvenz ist und die Sicherheiten nicht mehr aufstocken kann. (Eine gewisse Übersicherung wirkt diesem Risiko allerdings entgegen.)

Falls die Fondsgesellschaft zum Konzern einer Bank gehört und der Swap-Vertrag mit dieser besteht, ergibt sich ein Interessenkonflikt.

 

 

 

Wertpapierleihegeschäfte

ETFs betreiben das Wertpapierleihegeschäft meist aktiver als „normale“ Investmentfonds, da sie besser absehen können, wie lange sie die Wertpapiere im Bestand halten. Durch das Verleihen von Wertpapieren kann der Fonds Leihgebühren vereinnahmen und somit die Wertentwicklung des ETF verbessern.

Beim Wertpapierleihegeschäft verleiht der Fonds Wertpapiere an Banken, die diese häufig an Investoren weiterverleihen. Diese Investoren nutzen geliehene Wertpapiere meist, um sie „leer“ zu verkaufen, d.h. zu verkaufen, ohne sie zu besitzen und können dadurch von fallenden Kursen profitieren.

Die Wertpapierleihe ist auf 20% des Fonds pro entleihende Gegenpartei begrenzt. Theoretisch können jedoch alle Wertpapiere des Fonds gleichzeitig verliehen werden. Die entleihende Gegenpartei (meist eine Bank) muss allerdings Sicherheiten hinterlegen.

Vorteile: Erzielung von zusätzlichen Erträgen für den Fonds

Nachteile: Forderungen an Banken, die allerdings besichert sind; ferner das Risiko, dass die  Sicherheiten an Wert verlieren in einer Situation, in der die entleihende Bank bereits in der Insolvenz ist und die Sicherheiten nicht mehr aufstocken kann. (Eine gewisse Übersicherung wirkt diesem Risiko allerdings entgegen.)

 

Fazit

Die verschiedenen Abbildungsmethoden (1-5) und die Wertpapierleihe haben alle ihre Vor- und Nachteile. Da das Risiko von Forderungen gegen Banken insbesondere seit der Finanzkrise 2008/9 zunehmend kritischer gesehen wird und auch gesehen werden sollte, werden wieder zunehmend ETFs mit voller Replikation (oder Sampling) und ohne Wertpapierleihe angeboten.

Nach Abwägung aller Vor- und Nachteile würden wir die vollständige Replikation und das optimierte Sampling gegenüber den Swap-Varianten vorziehen.  Allerdings sind diese Verfahren in weniger liquiden Märkten wie Emerging Markets unpraktikabel, so dass Sie dann auch auf die Swap-Varianten zurückgreifen sollten.