Fonds

 

1.Was ist ein Investmentfonds ?

Ein Investmentfonds ist ein von einer Kapitalverwaltungsgesellschaft (KVG, auch genannt Investmentgesellschaft oder Fondsgesellschaft) verwaltetes Sondervermögen, das in Aktien, Anleihen, Immobilien oder anderen Vermögenswerten angelegt ist. Die Anleger sind über Investmentanteile (Fondsanteile) an dem Sondervermögen beteiligt. Das Sondervermögen wird im Falle der Insolvenz der Fondsgesellschaft nicht in die Insolvenzmasse einbezogen, sondern bleibt separat.

Dass Investmentfonds sicherer sind als die direkte Anlage in Aktien oder Anleihen, wird manchmal in der Werbung behauptet. Allerdings sind Investmentfonds lediglich eine Verpackung und Sie tragen als Fondsanleger das volle Risiko der Anlagen, die im Fonds enthalten sind.

Trotzdem hat die Anlage in Investmentfonds entscheidende Vorteile gegenüber der direkten Anlage in Aktien und Anleihen:

  • Sie können durch den Kauf von Fondsanteilen Zugang zu einem breit diversifizierten/ gestreuten Portfolio von Wertpapieren erhalten. Im Falle eines ETFs auf den MSCI World besteht dies aus ca. 1.600 Aktien. Eine derartig breite Diversifikation können Sie durch direkte Anlage in Aktien praktisch nicht erreichen.
  • Die Fondsgesellschaft führt die erforderlichen Umschichtungen wie beispielsweise Indexanpassungen eigenständig durch. Dadurch sparen Sie viel Zeit gegenüber der Direktanlage.
  • Wenn Sie einen guten aktiv verwalteten Investmentfonds finden, können Sie von der Expertise des Fondsmanagements profitieren.

Anregungen und Informationen über Geldanlage in Investmentfonds oder direkt finden Sie unter Aktien und Anleihen. Untenstehend finden Sie einige allgemeine Informationen über Investmentfonds.

 

2.Wer wirkt bei einem Investmentfonds mit?

Bei der Verwaltung von Investmentfonds sind folgende Beteiligte involviert:

  • die Kapitalverwaltungsgesellschaft (KVG, früher Kapitalanlagegesellschaft/KAG): Sie legt die Fonds auf, vertreibt sie, erledigt die Fondsbuchhaltung und die Anteilspreisermittlung.
  • die Verwahrstelle (früher: Depotbank) verwahrt die im Fonds enthaltenen Wertpapiere und Kontoguthaben und erledigt die Ausgaben und Rücknahmen von Anteilen; sie überprüft auch die Anteilspreisermittlung
  • gegebenenfalls: der Fondsberater: Falls eine kleinere „Investmentboutique“ zwar über ein (meist sehr spezialisiertes) Fondsmanagement und Vertrieb verfügt, aber nicht über eine eigene KVG, arbeitet sie mit einer KVG zusammen und berät diese im Fondsmanagement. Der Anleger kann also die Expertise der Investmentboutique nutzen und hat die Sicherheit einer etablierten KVG und Verwahrstelle.
  • die BAFin (Bundesanstalt für Finanzdienstleistungen) ist die Genehmigungsbehörde für Investmentfonds. Ohne die Genehmigung des Fonds und seiner Bedingungen darf kein Investmentfonds in Deutschland öffentlich vertrieben werden.

 

3.Publikationen

Die wichtigsten Publikationen zu einem Investmentfonds sind:

  • Das Factsheet, ein Ein- bis Zweiseiter mit wichtigen aktuellen Angaben, eigentlich eine Kurzdarstellung des Fonds; idealer erster Überblick
  • Der Verkaufsprospekt mit allen Bedingungen und der Beschreibung des Fonds
  • Das KID (Key Investor Document, Wesentliche Anlegerinformation), ein Zweiseiter mit einigen wichtigen Angaben
  • Der Jahresbericht (oder Rechenschaftsbericht) mit den Angaben über die Entwicklung des Fonds, die Transaktionen und den Wertpapierbestand
  • Der Halbjahresbericht (analog dem Jahresbericht, verkürzt)

 

 

4.Gebühren und Kosten

Die wichtigsten Gebühren und Kosten eines Fonds sind:

  1. die Verwaltungsvergütung (in % p.a.) geht an die KVG
  2. die Verwahrstellenvergütung (in % p.a.) geht an die Verwahrstelle
  3. gegebenenfalls: die Beratungsvergütung, falls der Fonds von einem Fondsberater außerhalb der KVG beraten wird (in % p.a.), in diesen Fällen ist die Verwaltungsvergütung meist entsprechend geringer; geht an den Fondsberater
  4. gegebenenfalls: die performanceabhängige Vergütung; bei Übertreffen eines Index oder einer absoluten Mindestperformance; geht an die KVG oder den Fondsberater
  5. Kosten für Wirtschaftsprüfer und Publikationen (eher gering)
  6. Ausgabeaufschlag (in % des Anteilspreises beim Kauf); geht an die die Depotbank des Anlegers
  7. Rücknahmeabschlag (in % des Anteilspreises); eher selten; geht an den Fonds
  8. Transaktionskosten innerhalb des Fonds; gehen an die Verwahrstelle, externe Banken oder manchmal teilweise an die KVG

Sie sollten sich auf jeden Fall 1.,3. und 4. vor dem Kauf eines Investmentfonds anschauen. Dabei sollten Sie 1. und 3. zusammen betrachten, wenn Sie Vergleiche mit anderen Fonds anstellen.

Bei ETFs werden 3., 4. und 6. praktisch nie erhoben. 1. ist bei ETFs meist viel niedriger als bei aktiven Investmentfonds.

1., 2. und 3. zusammengenommen werden zuweilen als Gesamtzahl angegeben unter dem Begriff Total Expense ration (TER).

 

5.Aufsichtsrechtliche Fondstypen

OGAW (UCITS)-Fonds (Organismus für gemeinsame Anlage in Wertpapieren)AIF (Alternative Investment Funds)
OGAW-Fonds sind ein EU-weit einheitlich normierter, streng regulierter Fondstyp
(Streuungsregeln, kurzfristige Rückgebbarkeit der Anteile, begrenzter Katalog von erwerbbaren Wertpapieren und Derivaten, Begrenzung der Kreditaufnahme)
Die verschiedenen Typen von AIFs räumen der Fondsgesellschaft wesentlich größere Freiräme bei der Anlage ein, die meist auch mit höheren Risiken verbunden sind
OGAW auf Englisch: UCITS (Undertaking for collective investment in transferable securities)

 

Anleger mit wenig Erfahrung sollten sich auf OGAW-Fonds (UCITS) konzentrieren. Die meisten gängigen Fonds sind auch OGAW-Fonds.

 

6.Ausschüttung

Ausschüttende Fonds
Thesaurierende Fonds
Die Anleger dieser Fonds erhalten meist eine jährliche Ausschüttung. Die Ausschüttung mindert den Anteilspreis. Diese Fonds behalten die Erträge ein.

 

Die Wahl zwischen diesen beiden Typen ist eher „Geschmackssache“. Wer laufende Ausschüttungen benötigt, um davon zu leben oder diese anderweitig wieder anzulegen, bevorzugt sicher ausschüttende Fonds. Die thesaurierenden Fonds sind für die Anleger praktisch, die sowieso  die Erträge wieder anlegen würden. In der steuerlichen Behandlung gibt es gewisse Unterschiede.

 

7.Sitzland

Deutsche FondsLuxemburger Fonds
Fonds, die von einer Fondsgesellschaft mit Sitz in Deutschland verwaltet werden. Sie sind fast immer Sondervermögen (s.o.) Fonds, die von einer Fondsgesellschaft mit Sitz in Luxemburg verwaltet werden. Sie können entweder Sondervermögen sein (FCP) oder eine eigene Aktiengesellschaft (SICAV)
SiCAV = Société d´investissement á capital variable = Investmentaktiengesellschaft mit veränderlichem Kapital

 

In Deutschland werden überwiegend deutsche und Luxemburger Fonds angeboten. Soweit es sich um OGAW (UCITS)-Fonds handelt, können deutsche und Luxemburger Fonds als gleichwertig betrachtet werden. Ähnliches gilt für irische Fonds, die bei ETFs beliebt sind. Auch die beiden Luxemburger Rechtsformen FCP (Sondervermögen) und SICAV (Investmentaktiengesellschaft mit veränderlichem Kapital)  machen für den Anleger keinen wesentlichen Unterschied, solange die Fonds UCITS sind.

Für andere Fondstypen, die also keine UCITS sind, gelten in jedem EU-Mitgliedstaat wieder andere Regeln. Eine Anlage in Nicht-UCITS-Fonds sollte daher zuvor besonders genau geprüft werden.

 

8.Steuerliche Transparenz

Steuerlich transparente FondsSteuerlich intransparente Fonds
Hier erstellt die Fondsgesellschaft (rechtzeitig) die für das deutsche Finanzamt erforderlichen steuerlichen Dokumente Hier werden die für das deutsche Finanzamt erforderlichen Dokumente nicht oder nicht rechtzeitig erstellt

 

Deutsche OGAW-Fonds sind fast immer steuerlich transparent. Insbesondere bei ausländischen Fonds (auch bei luxemburgischen) ist das manchmal nicht der Fall, vor allem wenn die ausländischen Fondsgesellschaft am deutschen Markt wenig aktiv ist. Deutsche Privatanleger sollten steuerlich intransparente Fonds meiden (!), da sie in Deutschland mangels ausreichender Informationen vom Finanzamt einer Strafbesteuerung unterworfen werden.

Übrigens sollten Sie alle Ausschüttungsmitteilungen und Thesaurierungsmitteilungen von Ihrer depotführenden Bank aufbewahren. Am allerwichtigsten ist dies bei ausländischen thesaurierenden Fonds, die seit 2009 erworben wurden. Eine Thesaurierungsmitteilung wird normalerweise bei thesaurierenden Fonds zum Thesaurierungstermin versandt. Sie gibt an, welche Erträge innerhalb des Fonds anfielen und wie sie steuerlich behandelt wurden. Bei ausländischen thesaurierenden Fonds muss man die jährlich im Fonds anfallenden Erträge in der Steuererklärung angeben. Beim Verkauf der Fondsanteile behält die depotführende Bank die Kapitalertragsteuer auf den gesamten Kursgewinn ein. Daher muss man dann die während der Haltedauer angefallenen Erträge in der Steuererklärung geltend machen. Hierfür dienen die gesammelten Thesaurierungsmitteilungen.