Die Europäische Wirtschafts- und Währungsunion (EWWU)

 

Ein sehr kontroverses Thema

 

 

1. Ist die Eurozone ein geeigneter Währungsraum ?

Vor Gründung der Europäischen Währungsunion und auch heute wurde und wird diskutiert, ob die Eurozone für eine Währungsunion geeignet ist.

Nach der Gründung einer Währungsunion fallen die Wechselkurse zwischen den Mitgliedstaaten weg. Wechselkurse sind ein wichtiges Instrument für die Erleichterung wirtschaftlicher Anpassungsprozesse zwischen Ländern. Wenn in Land A aufgrund einer Immobilien- und Baukrise die Arbeitslosigkeit massiv steigt und in Nachbarland B nicht, würde bei frei schwankenden Wechselkursen (Floating) die Währung von Land A abwerten. Dadurch wird die Exportkonjunktur von Land A angekurbelt. Zudem kaufen die Einwohner von Land A eher inländische Produkte, weil ausländische Produkte vergleichsweise teurer geworden sind. Ebenfalls ist Land A wechselkursbedingt ein „Billiglohnland“ geworden, so dass Unternehmen aus Land B dort mehr investieren und Arbeitsplätze schaffen. Durch den Beitritt zu einer Währungsunion gibt ein Land diese Option für die Anpassung auf.

Da der Wechselkurs als Anpassungsinstrument in einer Währungsunion wegfällt, sind andere Anpassungsinstrumente umso wichtiger:

  • Mobilität des Faktors Arbeit: Dies Mobilität der Arbeitskräfte ist in der Eurozone zwar rechtlich möglich (Freizügigkeit), aber aufgrund der sprachlichen und kulturellen Unterschiede in der Praxis immer noch stark eingeschränkt. Außerdem sind an den meisten Arbeitsmärkten in der Eurozone die Löhne nicht nach unten flexibel.
  • Mobilität des Faktors Kapital: Weitgehend vorhanden
  • Fiskalunion: Diese ist nur in geringem Maße gegeben (durch den EU-Haushalt). Der größte Teil der Fiskalpolitik ist nach wie vor in der Hand der Mitgliedstaaten und ihrer Regionen und Kommunen.

Zusammenfassend kann festgestellt werden, dass die Bedingungen für einen gemeinsamen Währungsraum in der Eurozone nur teilweise gegeben sind. Bei konjunkturell unterschiedlichen Entwicklungen zwischen den Mitgliedstaaten dauern Anpassungen lange. Daher muss über längere Zeit mit hoher Arbeitslosigkeit in den betreffenden Mitgliedstaaten gerechnet werden. Dies konnte in den letzten Jahren in Spanien, Irland und Portugal beobachtet werden.

In dieser Beziehung unterscheidet sich die Eurozone zum Beispiel von den USA, einem Währungsraum mit ähnlich großer wirtschaftlicher Bedeutung. In den USA ist die Mobilität der Arbeitskräfte traditionell wesentlich höher. Dies ist sicher durch die einheitliche Sprache, einheitliche Ausbildungsberufe und auch kulturell bedingt.  Dennoch befinden sich in den USA gewisse Regionen schon seit Jahrzehnten in einer Strukturkrise und leiden unter nachhaltig hoher Arbeitslosigkeit (Kohlebergbauregion in West Virginia), während andere dauerhaft florieren (Sillicon Valley). Anstatt eines Wechselkurses bestehen zwischen diesen Regionen allerdings sehr hohe Unterschiede bei Immobilienpreisen und Löhnen. Zudem läuft ein großer Teil des öffentlichen Haushaltsvolumens über den Bund, der die „bedürftigen“ Regionen und Branchen unterstützen kann und dies auch teilweise tut.

 

2. Welche Vorteile hat die Europäische Währungsunion?

  • Geringere Transaktionskosten im Handel zwischen den Ländern (Wegfall von Geldwechsel)
  • Wegfall von Devisenabsicherungskosten
  • Bessere Integration der Kapitalmärkte führt zu mehr Effizienz und im Durchschnitt geringeren Finanzierungskosten
  • Wegfall von Wechselkursschocks innerhalb der Eurozone und den daraus folgenden Anpassungskosten (Beispiel: Deutsche Exportindustrie in den 1990er Jahren, als mehrfach Lira, Peseta und französischer Franc abgewertet wurden; dies führte wiederholt zu Krisen in diesen Branchen und Arbeitsplatzabbau). In einer Währungsunion können die Exportunternehmen wesentlich besser planen. Sie sind auch nicht gezwungen, aus Wechselkursüberlegungen Standorte in verschiedenen Währungsgebieten zu unterhalten und können die Standorte besser innerhalb der Eurozone konzentrieren.

 

2. Welche Nachteile hat die Europäische Währungsunion?

  • Im Falle von strukturellen Fehlentwicklungen in einzelnen Ländern (z.B. Immobilien- und Bankenkrise) dauern wirtschaftliche Anpassungsprozesse wesentlich länger, da Wechselkursveränderungen (Ab- und Aufwertung)  als Anpassungsinstrument wegfallen (siehe oben).
  • Durch den Rückgang der Zinskosten vor allem in den früheren Weichwährungsländern entstand/ entsteht die Versuchung von Staaten und privaten Haushalten, sich stärker zu verschulden. Siehe auch Eurokrise.