ETFs

 

1.Was sind ETFs/ Exchange-Traded Funds?

Dies ist eine Sonderform von Investmentfonds. die ständig weiter an Bedeutung gewinnt. Im Gegensatz zu normalen Investmentfonds, die traditionell über Banken oder freie Vermittler vertrieben werden, werden ETFs an Börsen gehandelt.

 

ETFs vs. Investmentfonds

„normale“ (aktive) InvestmentfondsETFs (Exchange Traded Funds)
Aktives Fondsmanagement (durch Fondsmanager) Entweder Indexabbildung oder automatisiertes Fondsmanagement nach einfachen Regeln
Vertrieb über Banken oder freie Vermittler,Börsenhandel zwar meist vorhanden, aber mit wenig Umsatz(Meist sehr liquider) Börsenhandel
Relativ hohe laufende Gebühren (meist zwischen 1 und 2% p.a.), meist Ausgabeaufschlag von 3-5%, ggf. zusätzlich performanceabhängige GebührNiedrige laufende Gebühr (meist deutlich unter 1% p.a.), kein Ausgabeaufschlag

 

John Bogle gründete 1974 die Investmentgesellschaft The Vanguard Group, die als Pionier im Bereich der Indexfonds gilt. Dieser Investmentstil, der auch Passivmanagement genannt wird, bildet einfach mit dem verwalteten Vermögen  den vorgegebenen Index ab, indem die einzelnen Aktien aus dem Index mit ihrer Indexgewichtung erworben werden. Dies hat zur Folge, dass die Wertentwickung eines Indexfonds praktisch genau der Entwicklung des jeweiligen Index entspricht. Details unter Strategien mit Aktien.

Später entstanden daraus die ETFs (Exchange Traded Funds), die zudem den Vorteil haben, dass sie an der Börse mit oft hoher Liquidität gehandelt werden und mit geringen Kosten arbeiten.

Die wichtigsten Gründe für den Erfolg der ETFs waren und sind, dass:

  • ETFs ohne Ausgabeaufschlag erhältlich sind und an den Börse mit meist geringen Handelsspannen gehandelt werden (die Ordergebühren sind ähnlich wie bei einzelnen Aktien)
  • ETFs mit wesentlich geringeren laufenden Kosten (innerhalb des Fonds) verbunden sind als „normale“, von Fondsmanagern verwaltete Fonds (aktive Fonds)
  • die Tatsache, dass wesentlich mehr als die Hälfte der aktiv von Fondsmanagern verwalteten Fonds eine Wertentwicklung nach Kosten unterhalb des Vergleichsindex erzielen
  • ETFs viel transparenter und somit berechenbarer als aktive Investmentfonds sind

ETFs werden aktuell immer noch vorwiegend von institutionellen Anlegern gehalten, obwohl sie zu den wenigen Finanzprodukten gehören, zu denen Privatanleger zu ähnlichen Konditionen  Zugang haben wie institutionelle Anleger. Da provisionsorientierte Berater und Verkäufer an ETFs aber nur sehr wenig verdienen, empfehlen sie meist nur in geringem Umfang ETFs. Bei Honorarberatern, die keine Provision erhalten, sondern ein am Zeitaufwand orientiertes Honorar, sind sie dagegen oft bereits ein wichtiger Baustein in der Beratung.

 

 

2.Index-ETFs

Hier einige wichtige von ETFs abgebildete Indizes:

 

2.1. MSCI-Indexfamilie (MSCI=Morgan Stanley Capital International, der traditionsreichste weltweite Indexanbieter):

  • MSCI ACWI (All Countries World Index), enthält ca. 2.500  Unternehmen aus 23 Industrieländern und 23 Schwellenländern, insgesamt ca. 85% der erwerbbaren weltweiten Börsenkapitalisierung
  • MSCI World Index, enthält ca. 1.600  Unternehmen aus 23 Industrieländern,  insgesamt ca. 85% der erwerbbaren weltweiten Börsenkapitalisierung aus Industrieländern
  • MSCI Emerging Markets enthält Aktien aus 23 Schwellenländern
  • daneben bietet MSCI viele Sub-Indizes – sozusagen Bausteine aus den drei obengenannten Indizes – für Regionen, Länder und Sektoren an; danben auch Smart Beta-Indizes bzw. Style Indizes; MSCI deckt meist einen großen Teil des jeweiligen Marktes ab, somit auch mittelgroße Unternehmen

 

2.2. Stoxx-Indexfamilie

  • Stoxx 600 (europäischer Index mit 600 großen und mittelgroßen Unternehmen); Eurostoxx ist der (Teil-) Index daraus für die Eurozone
  • Stoxx 50 und Eurostoxx 50 (die 50 größten Aktien Europas bzw. der Eurozone)
  • Stoxx  bietet auch globale Indizies an, Indizes für Länder und Regionen und Smart Beta-Indizes bzw. Style Indizes

 

2.3. S&P 500 (Standard & Poor’s 500)

  • Die 500 größten US-Unternehmen

 

Natürlich sind auch ETFs für die nationalen Indizes wie z.B. DAX (Deutschland) und CAC 40 (Frankreich) erhältlich. Diese sind aufgrund der geringeren Diversifikation (Risikostreuung) nur als Beimischung zu empfehlen.

 

 

3. Smart-Beta-ETFs

Nachdem viele Jahre ETF praktisch gleichbedeutend war mit Indexfonds, sind in jüngerer Zeit ETFs auf den Markt gekommen, die aktive Anlagestrategien abbilden. Diese nennt man auch Smart Beta-ETFs.

Wissenschaftlich teilt man die Performance (Wertentwicklung) eines Fonds in zwei Quellen auf: Beta = Indexperformance, Alpha = Outperformance, d.h. Differenz der Wertentwicklung des Fonds und der Indexentwicklung, also die Leistung des Fondsmanagers. Bei Smart Beta wird aus einer Anlagestrategie (z.B. Aktien des DAX mit hoher Dividende) ein neuer Index gebaut. Da man diesen Index dann „smart“ findet, weil er sich idealerweise besser als der DAX entwickelt, nennt man den ETF demnach Smart-Beta-ETF. (Alpha ist es nach wie vor nicht, da ja „nur“ ein Index abgebildet wird.)

Die wichtigsten Smart Beta – Strategien sind (weitere Details unter Strategien mit Aktien):

  • Gleichgewichtung: die Aktien eines Index werden nicht nach Größe (Marktkapitalisierung) gewichtet, sondern alle gleich
  • Dividendenstrategien (aus einem „normalen“ Index werden die Titel mit der höchsten Dividendenrendite ausgesucht)
  • andere Value-Strategien
  • Minimum Variance oder Low Volatility-Strategien (aus einem „normalen“ Index werden die Akien mit der niedrigsten Volatilität/Kursschwankungsbreite ausgesucht)

 

Zudem kann man ETFs (z.T. auch Smart Beta-ETFs) für einzelne Länder, Regionen oder Sektoren auswählen. Dies ist für die Anleger ratsam, die eine klare Meinung zu einem dieser Marktsegemente haben und diese einfach umsetzen wollen.

Neben  Aktien-ETFs werden auch Anleihen-ETFs, Rohstoff-ETFs und Währungs-ETFs angeboten.