Das Dilemma des Anlegers

1.Das Dilemma des Anlegers, 2.Erfolgsfaktoren, 3.Anlegertypen, 4.Bestandsaufnahme5.Beispiele für die Vermögensplanung, 6.Vermögensrechner,  7.Risiko und Rendite , 8.Anlagestrategie, 9.Musterdepots, 10.Umsetzung, 11.Börse, 12.Depotüberwachung

 

1. Die Niedrigzinsphase stellt den Anleger vor besondere Herausforderungen

Die Grafik zeigt die Wertentwicklung der zwei wichtigsten Anlagearten: Aktien und Anleihen (auch genannt: Renten), gemessen am Deutschen Aktienindex (DAX) und am Deutschen Rentenindex (Rex). Der DAX enthält die 30 größten deutschen börsennotierten Aktiengesellschaften, der Rex eine Mischung von Bundesanleihen mit Laufzeiten von 1-10 Jahren.

 

DAXREX

 

Sie können in der Grafik zwei Dinge sehr leicht erkennen:

  1. Von Ende 1989 bis Ende 2015 war die Wertentwicklung eines DAX-Depots zwar besser als die eines Bundesanleihen-Depots. Dennoch konnte man mit Bundesanleihen eine attraktive Wertentwicklung erzielen.
  2. Die Wertschwankungen des DAX-Depots waren wesentlich größer als die des Bundesanleihen-Depots.

 

Wenn Sie sich schon länger nicht mit Geldanlage befasst haben sollten, könnten Sie jetzt denken: Ich kaufe mir einfach ein Depot voll Bundesanleihen, bekomme eine gute Wertentwicklung und kann dabei gut schlafen.

Jedoch sind diese Zeiten vorbei:

  1. Die Wertentwicklung einer Anleihe setzt sich zusammen aus dem laufenden Zinsertrag und, falls die Zinsen am Anleihemarkt fallen, einem Kursgewinn.
  2. In den letzten Jahrzehnten profitierten die Anleger bei Anleihen von den laufenden Zinsen und einem Kursgewinn durch stetig sinkende Zinsen. (In 1990 lag der Zins für Bundesanleihen noch bei 9%, in 2000 noch bei 6%)
  3. Inzwischen liegen die Zinssätze für Bundesanleihen unter 1%. Der laufende Zinsertrag ist also minimal.
  4. Dazu kommt, dass aufgrund der Niedrigzinsphase die Zinsen praktisch nicht weiter fallen können, da sie nahe Null sind. Es besteht praktisch keine Chance auf Kursgewinne, sondern eher das Risiko, dass die Zinsen wieder steigen und auf die Anleihen ein Kursverlust eintritt.
  5. Dies bedeutet: Wenn es gut geht, bekommt man eine Wertentwicklung von 0-1% pro Jahr, wenn nicht, muss man sogar einen Verlust auf diese eigentlich sichere Anlage hinnehmen. Wenn z.B. der Zins für 10-jährige Bundesanleihen von heute ca. 0,5% auf wieder 2,0% steigen sollte, würde der Kursverlust nahezu 15% betragen.

Eine andere Möglichkeit besteht darin, das Geld auf einem Bankkonto zu parken. Dafür bekommt man einen Zins von 0-1% ohne Kursrisiko. Aber auch dies ist längerfristig unbefriedigend, zumal die Verzinsung kaum die Inflationsrate ausgleicht.

 

2. Die Anlage in Aktien

Eine Anlage im deutschen Aktienmarkt, gemessen am DAX-Index, hätte seit 1950 pro Jahr im Durchnitt eine Wertentwicklung (vor Kosten und vor Steuern) von 8,7% erzielt. Das in 1950 investierte Vermögen hätte sich ver350facht. Wir können auf der untenstehenden Grafik sehr gut erkennen, dass nicht nur die kurzfristigen Schwankungen am Aktienmarkt groß waren, sondern dass sich auch längerfristig sehr gute und sehr magere Zeiten abgewechselt haben. Während die Zeiten des Wirtschaftswunders in den 1950er Jahren sehr profitabel waren, musste in den 1970er Jahren bei Ölkrise und hoher Inflation eine Durststrecke hingenommen werden.

Die Entwicklung des Aktienmarktes ist langfristig von der Gewinnentwicklung der Unternehmen abhängig. Die Marktteilnehmer versuchen natürlich, die Gewinnentwicklung der Unternehmen genau vorherzusagen. Diese ist jedoch von so vielen Faktoren abhängig, die ständig in Bewegung sind, so dass sich die Einschätzung des Marktes zur Gewinnentwicklung ständig ändert. Dazu kommt die Marktpsychologie, die oft diese Bewegungen noch verstärkt. Die Märkte pendeln psychologisch zwischen den beiden Extremen Gier (an den Höchsständen) und Angst (an den Tiefständen). Daher schwanken die Aktienkurse ständig. Dies ändert aber nichts an dem langfristigen Zusammenhang zwischen Aktienmarkt und Unternehmensgewinnen.

DAX-Index und Unternehmensgewinne (indexiert)

 

DAXGewinne052016

 

 

Die untenstehende Grafik zeigt die Wertentwicklung des DAX-Index pro Jahr in 5- und 10-Jahres-Zeiträumen, die in den angezeigten Jahren enden.

Beispiel:

In den 10 Jahren bis Ende 1980 lag die Wertentwicklung pro Jahr bei 0,8%, in den 5 Jahren bis 1980 nur bei -3,1% pro Jahr. In den 10 Jahren bis Ende 2015 lag die Wertentwicklung bei 7,1%, in den 5 Jahren bis 2015 bei 9,2%.

 

DAX-Wertentwicklung pro Jahr in 5- und 10-Jahreszeiträumen

DAX5J10J

Datenquelle: Deutsche Börse AG

Die Grafik zeigt auch, dass die Wertschwankungen bei längerer Haltedauer geringer werden. In dem abgebildeten Zeitraum war die Wertentwicklung in drei von zwölf 5-Jahreszeiträumen negativ, aber nur in einem von zwölf 10-Jahreszeiträumen.

 

3. Fazit

Die aktuelle Niedrigzinsphase bringt die Anlage in Aktien wieder verstärkt ins Blickfeld. Am Aktienmarkt lässt sich nach wie vor eine attraktive Wertentwicklung erzielen, allerdings bekanntermaßen unter hohen Wertschwankungen. Daher sind Aktien nur für eine sehr langfristige Anlage geeignet.

Bevor Sie investieren, sollten Sie auch genau analysieren, ob Sie sich das Risiko leisten können und auch eingehen möchten. Sie sollten auch Ihre finanziellen Verhältnisse im Blick haben und Ihre Ziele kennen.

Die folgenden Seiten helfen Ihnen dabei, Schritt für Schritt Ihre Vermögensplanung zu erstellen und umzusetzen.