Börse

1.Das Dilemma des Anlegers, 2.Erfolgsfaktoren, 3.Anlegertypen, 4.Bestandsaufnahme5.Beispiele für die Vermögensplanung, 6.Vermögensrechner,  7.Risiko und Rendite , 8.Anlagestrategie, 9.Musterdepots, 10.Umsetzung, 11.Börse, 12.Depotüberwachung

 

Handel und Abwicklung von Wertpapieren

1. Handel von Wertpapieren

Der Handel läuft heutzutage meist elektronisch. Xetra ist die größte deutsche elektronische Handelsplattform. An den anderen Börsen ist das unten beschriebene Verfahren analog. Das Handelssystem erhält fortlaufend während der Handelszeiten Kauf- und Verkaufaufträge. Die Aufträge können entweder limitiert oder unlimitiert aufgegeben werden. Wenn der Kaufauftrag ohne Limit, also unlimitiert aufgegeben wird, sagt man z.B. „500 BASF billigst“ und wenn der Verkaufauftrag ohne Limit aufgegeben wird, sagt man „500 BASF bestens“. Während die unlimitierten Aufträge und die Aufträge, deren Limit bereits aktuell eingehalten wird (im unteren Beispiel wäre das z.B. ein Kauf-Limit von € 78,00), sofort ausgeführt werden können, wird aus den limitierten Aufträgen das Handelsbuch zusammengestellt.

Beispiel:

Das Handelsbuch mit den Kauf- und Verkaufaufträgen für die BASF-Aktie, die an der Börse vorliegen:

Kaufaufträge (Stück) Limit Verkaufaufträge (Stück) Limit
1000 77,50 800 77,70
500 77,30 5000 78,00
800 77,10 100 78,60
500 76,50

 

Der Käufer, der den höchsten Kurs bietet, bietet € 77,50 und möchte zu diesem Kurs 1000 Stück kaufen. Der Verkäufer, der bereit ist, am billigsten zu verkaufen, verlangt € 77,70 für seine 800 Stück.

In diesem Fall sagt man: BASF steht 77,50 zu 77,70, weil das der höchste Kaufkurs und der niedrigste Verkaufskurs sind. Der Händer sagt auch: der Kurs für BASF  „ist 77,50 zu 70 gestellt“. (Die engste mögliche Spanne aus den vorliegenden Aufträgen.) Man sagt auch: BASF ist 77,50 Geld für 1000 und 77,70 Brief für 800. Die Spanne zwischen 77,50 und 77,70 bezeichnet man auch als „Geld-Brief-Spanne“. (Zu 77,70 wird „Geld“ für Aktien angeboten und zu 77,50 wird der „Brief“, also die Aktie im Tausch gegen das Geld angeboten.)

Unlimitierte Aufträge sollten Sie nur bei extrem liquiden Wertpapieren verwenden, wie z.B. den größeren von den DAX-Aktien oder bei Bundesanleihen. Sonst sollten Sie Aufträge immer mit Limit aufgeben. In den Randzeiten wie abends nach 17.30 Uhr sollten Sie auch Orders in liquiden Wertpapiere limitieren.

Das Handelsbuch in Xetra, der größten deutschen elektronischen Handelsplattform, ist beipielsweise auf den Online-Portalen onvista.de und finanzen.de einsehbar, wenn man die entsprechende Aktie aufruft (meist jedoch mit einer Zeitverzögerung von 15 Minuten).

Die Kurse von Aktien, Fondsanteilen und ETFs werden in Euro notiert. Kurse für Anleihen werden in % vom Nennwert notiert. Siehe für Anleihen auch Anleihen, Rendite, Zinsänderungsrisiko und Zinsstrukturkurve.

Wenn Sie ausländische Wertpapiere erwerben wollen, ist der Erwerb über eine deutsche Börse – soweit möglich – meist wesentlich günstiger und einfacher. Dies gilt auch für die Abwicklung und die Verwahrung. Natürlich sind die Umsätze ausländischer Wertpapiere an deutschen Börsen meist gering. Daher sollte man hier immer limitieren. Ausländische Wertpapiere werden unabhängig vom Herkunftsland in Deutschland fast immer in Euro notiert (wenn nicht in %).

 

2. Verwahrung von Wertpapieren und Abwicklung von Wertpapiertransaktionen

Heutzutage werden Wertpapiere kaum noch ausgedruckt. In den allermeisten Fällen wird von jeder Emission (Gattung) eine einzige Globalurkunde erstellt und diese bei Clearstream hinterlegt. Clearstream ist eine Tochtergesellschaft der Deutsche Börse AG, die für die Abwicklung der Wertpapiertransaktionen und auch für die Verwahrung der Wertpapiere in Deutschland zuständig ist.

Für jede Gattung wird eine deutsche Wertpapierkennnummer und eine ISIN vergeben. Für die Aktie der BASF AG sind dies beispielsweise:

  • (deutsche) Wertpapierkennnummer: BASF11
  • ISIN (International Security Identification Number): DE000BASF111

Dabei steht DE für Deutschland. Die deutsche Wertpapierkennnummer ist, wie Sie sehen, in die ISIN integriert.

Jede depotführende Bank unterhält bei Clearstream ein Depot und bei der Bundesbank ein Clearstream-Geldkonto. Wenn Sie bei Ihrer Bank 100 BASF-Aktien im Depot halten, sind diese in Ihrem Depot elektronisch verbucht. Ihre Bank hält diese 100 BASF-Aktien in ihrem Depot bei Clearstream. (In dem Clearstream-Depot Ihrer Bank sind zusätzlich die BASF-Aktien aller anderen Kunden Ihrer Bank verbucht.)

Wenn Sie Ihre 100 BASF-Aktien über die Börse verkaufen, stellt Ihre Bank die 100 Aktien und die Geldforderung für den Verkaufserlös in das Clearstream-Abwicklungssystem ein. Sobald die kaufende Bank das Gegengeschäft auch eingestellt hat, wird die Transaktionen abgewickelt (Lieferung und Zahlung gleichzeitig).

Wertpapiertransaktionen werden meistens „Lieferung gegen Zahlung“ abgewickelt. Das bedeutet, dass die Lieferung der Wertpapiere und die Zahlung des Geldbetrages im selben Moment elektronisch ausgelöst und durchgeführt werden. Wenn ein Teil des Geschäfts (Lieferung oder Zahlung) noch nicht bereit ist, wird die Abwicklung des gesamten Geschäfts so lange verschoben, bis das Geschäft komplett abgewickelt werden kann. Durch das Prinzip „Lieferung gegen Zahlung“ wird vermieden, dass eine Partei der anderen das Geld oder die Aktien schuldig bleibt.

 

3. Dividenden, Ausschüttungen und Zinsen beim Börsenhandel

Meist ist der Tag der Hauptversammlung auch der Dividendentermin für Aktien. Dies bedeutet, dass nur die Aktionäre eine Dividende erhalten, die am Abend der Hauptversammlung die Aktien im Depot halten. Wer sie erst am Tag danach erwirbt, erhält die Dividende nicht. Sie wird dann an der Börse „ex Dividende“ notiert. Da dies aber allgemein bekannt ist, sinkt der Kurs „über Nacht“ meist in etwa um den Betrag der Dividende. Dies gilt analog für Fondsausschüttungen nach dem Ausschüttungstermin.

Anders ist die Regelung bei den allermeisten Anleihen. Die Zinszahlung steht zwar auch hier nur dem Anleger zu, der die Anleihe am Zinstermin (Coupontermin) im Depot hält. Wer sie beispielsweise einen Monat nach dem Zinstermin verkauft, erhält von dem Käufer für diesen Monat die anteiligen Zinsen, die sogenannten Stückzinsen, in diesem Fall 1/12 der Jahreszinsen. Sie werden mit auf der Abrechnung ausgewiesen. Daher gibt es bei den Anleihen nach dem Zinstermin keinen außerordentlichen Kursrückgang wie bei Aktien.