Bilanz

Die Bilanz stellt die Vermögenssituation des Unternehmens dar. Sie können hier erkennen, woraus das Vermögen (Aktivseite) besteht und wie es finanziert ist (Passivseite). Bei Industrieunternehmen dominieren auf der Aktivseite meist die Sachanlagen (Gebäude, Maschinen, Anlagen), während bei Handelsunternehmen eher die Vorräte den größten Teil der Aktivseite ausmachen. Auf der Passivseite können Sie erkennen, wieviel Schulden die Firma hat, beispielsweise Bank- und andere Finanzverbindlichkeiten. Ein hoher Anteil des Eigenkapitals und geringe Finanzschulden sprechen tendenziell für eine solide Finanzierung.

Ein vereinfachtes Beispiel für eine Bilanz mit den wichtigsten Positionen:

Bilanz der Müller AG (Beträge in Mio. €)

Kurzfristige VermögenswerteKurzfristige Schulden
Vorräte200 Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen50
Forderungen aus Lieferungen und Leistungen100Verbindlichkeiten gegenüber Kreditinstituten 100
Zahlungsmittel100
Langfristige Vermögenswerte Langfristige Schulden
Immaterielle Vermögenswerte20Pensionsrückstellungen50
Sachanlagen380Sonstige Rückstellungen50
Verbindlichkeiten gegenüber Kreditinstituten150
Eigenkapital 400
Summe Aktiva (=Bilanzsumme)800
Summe Passiva (=Bilanzsumme)800

 

Vorräte: Lagerbestände an Rohstoffen (z.B. Stahl), Vorprodukten (z.B. fremdbezogene Einzelteile) und Hilfsstoffen (z.B. Schmierstoffe für Maschinen)

Forderungen aus Lieferungen und Leistungen: Beträge, für die den Kunden Rechnungen geschrieben wurden, die aber noch nicht bezahlt worden sind.

Zahlungsmittel: Guthaben auf den Bankkonten der Gesellschaft

Immaterielle Vermögensgegenstände: Patente, Konzessionen, Markenrechte etc.. Aufpassen müssen Sie, wenn diese Position recht groß ist; dann sollten Sie prüfen, was dahinter steckt und ob die Position wirklich werthaltig ist.

Sachanlagen: Grundstücke, Gebäude, Maschinen und Anlagen. Dargestellt wird hier der Nettobuchwert, bei dem die Abschreibungen der Vergangenheit für laufende Abnutzung bereits abgezogen sind.

Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen: Beträge von Rechnungen, die die Aktiengesellschaft erhalten, aber noch nicht bezahlt hat.

Verbindlichkeiten gegenüber Kreditinstituten: Schulden bei Banken (kurz- oder langfristig)

Pensionsrückstellungen: Rentenansprüche der Belegschaft oder ehemaliger Mitarbeiter aus Direktzusagen im Rahmen der betrieblichen Altersversorgung

Sonstige Rückstellungen: Beträge, die vorsichtshalber in die Bilanz eingestellt werden, um Verpflichtungen oder Risiken abzubilden (z.B. für noch nicht genommenen Resturlaub am Jahresultimo, für Schadensersatzverpflichtungen etc.)

Eigenkapital: Der rechnerische Betrag, der sich ergibt, wenn man von dem Vermögen (Aktiva) die Schulden abzieht. Buchhalterisch betrachtet ist dies der Wert der Gesellschaft (auch genannt Buchwert). Dividiert durch die Anzahl der ausgegebenen Aktien, erhält man den Buchwert je Aktie (siehe Finanzkennzahlen). Der wirtschaftliche Wert der Gesellschaft kann aber erheblich davon abweichen, da die Ertragskraft des Unternehmens nur sehr indirekt und ungenau in die Berechnung des Buchwertes einfließt. Eine gewisse Gruppe von Value-Investoren, die substanzorientierten Value-Investoren, verwenden das Aktienkurs/Buchwert-Verhältnis gern als Kennzahl. Wenn der Aktienkurs deutlich unter dem Buchwert liegt, sehen sie sich die Aktie besonders gern an. Andere Investoren ignorieren den Substanzwert weitgehend und sagen: „An asset is only worth what it can earn“ (Ein Vermögenswert ist nur das wert, was er als  Gewinn erwirtschaften kann). Dies ist insbesondere dann verständlich, wenn die Vermögenswerte schwer verkäuflich sind, beispielsweise Industrieanlagen an entlegenen Standorten, die kaum jemand kaufen würde, wenn das Unternehmen sie vekaufen müsste.

 

Kommentar:

Sie können aus dieser Bilanz der Müller AG mit 50% der Bilanzsumme eine hohe Eigenkapitalquote erkennen, also eine solide Finanzierung. Gleichzeitig ist auch der Bestand an Sachanlagen mit fast 50% der Bilanzsumme recht hoch, so dass ein hoher laufender Investitionsbedarf allein für die Instandhaltung zu vermuten ist (wäre zu prüfen).

Informieren Sie sich auch über die Gewinn- und Verlustrechnung, die Kapitalflussrechnung und die Segmentberichterstattung.