Beispiele für die Vermögensplanung

1.Das Dilemma des Anlegers, 2.Erfolgsfaktoren, 3.Anlegertypen, 4.Bestandsaufnahme5.Beispiele für die Vermögensplanung, 6.Vermögensrechner,  7.Risiko und Rendite , 8.Anlagestrategie, 9.Musterdepots, 10.Umsetzung, 11.Börse, 12.Depotüberwachung

 

Diese beiden Beispiele für die Vermögensplanung können Sie als Anleitung nutzen für die Bestandsaufnahme Ihrer Finanzen und für die Anwendung des Vermögensrechners.

 

Beispiel 1

Bernd B. aus K. hat sein Studium absolviert und ist in der Industrie beschäftigt. Er ist ein sehr vorausschauender junger Mann und macht sich im Alter von 25 bereits Gedanken über seine Vermögensplanung.

Er verfügt über ein Geldvermögen von € 10.000 und hat keine Schulden. Das vorhandene Vermögen möchte er als Reserve auf dem Konto belassen. Allerdings erwartet er, dass er in den nächsten Jahren pro Jahr € 15.000 spart, von denen er jeweils € 5.000 als Reserve liquide behalten möchte. Da er damit rechnet, dass sein Gehalt aufgrund von Aufstiegsmöglicheiten in seiner Firma längerfristig stärker steigt als seine Lebenshaltungskosten, erwartet er steigende laufende Ersparnisse. Für seine Rente ist er weniger optimistisch und möchte in der Lage sein, pro Jahr € 20.000 im Alter aus seinen Ersparnissen zu entnehmen.

Da er genug Reserve eingeplant hat, möchte er 70% seiner darüber hinausgehenden laufenden Ersparnisse in Aktien investieren. Er hat gelesen, dass die Wertentwicklung von Aktien im Durchschnitt in der Vergangenheit bei ca. 8% pro Jahr (vor Steuern) lag und rechnet vorsichtshalber mit einer Wertentwicklung von 5% pro Jahr nach Steuern. Für die übrigen 30%, die er auf dem Konto belassen möchte, rechnet er mit 1% Zins nach Steuern pro Jahr.

Daher gibt er für sein Basisszenario zunächst folgende Daten (laufende Ersparnis) in den Vermögensrechner ein und bekommt die Ergebnisse in der Tabelle (verfügbares Vermögen). Zum Vergleich lässt er sich errechnen, wie sich sein Vermögen ohne Aktienanlage entwickeln würde (rechte Spalte).

(In diesen Berechnungen ist seine „Reserve“ nicht enthalten, da sie ja eventuell benötigt wird.)

 

Vermögensplanung Beispiel 1 (Normalszenario):

 Laufende Ersparnis pro Jahr (€)
70% Aktien:
Verfügbares Vermögen am Ende der Periode (€)
0% Aktien:
Verfügbares Vermögen am Ende der Periode (€)
2016 0 0
2017-26 10.000 119.432104.622
2027-36 15.000 354.905272.501
2037-46 20.000 761.147510.255
2047-56 20.0001.358.977772.883
2057-66-20.0001.761.024644.499
2067-76-20.0002.352.682502.684
2077-86-20.0003.223.373346.032

Danach überlegt er, was bei diesem Basisszenario schiefgehen könnte. Er erstellt ein Risikoszenario und ändert dafür folgende Eingaben:

  • Er unterstellt, dass er für die letzten 10 Jahre vor Rentenbeginn arbeitslos sein wird und in dieser Zeit € 30.000 pro Jahr entspart.
  • Er nimmt an, dass Ende 2026 seine Aktienanlagen 50% ihres Wertes verlieren und sich nicht sprunghaft wieder erholen, sondern von diesem reduzierten Niveau aus wieder um + 5% pro Jahr nach Steuern weiterentwickeln.

Er erhält bei den dargestellten Eingaben folgende Ergebnisse (wieder „mit 70% Aktien“ und „ohne Aktien“):

 

 

Vermögensplanung Beispiel 1 (Risikoszenario):

 Laufende Ersparnis pro Jahr (€)
70% Aktien:
Verfügbares Vermögen am Ende der Periode (€)
0% Aktien:
Verfügbares Vermögen am Ende der Periode (€)
201600
2017-26 10.00075.409104.622
2027-36 15.000290.121272.501
2037-46 20.000665.810510.255
2047-56 -30.000621.519249.773
2057-66-20.000675.77266.661
2067-76-20.000755.611-135.609
2077-86-20.000873.103-359.041

In der rechten Spalte sind die negativen Zahlen nur zur Illustration aufgeführt, um die Lücke aufzuzeigen, die bei ihm ohne Aktienanlage im Alter enstehen würde.

 

 

Beispiel 2

Monika Musterfrau und Max Mustermann (beide 45 Jahre alt) sind ein Ehepaar, das sich Gedanken über seine finanzielle Zukunft macht. Sie beschließen, eine Hochrechnung durchzuführen.

Sie verfügen über ein Eigenheim und Restschulden von € 50.000. Von ihrem Geldvermögen von € 100.000 reservieren Sie € 70.000 für Schuldentilgung und eine allgemeine Reserve. € 30.000 sowie die laufende Ersparnis von € 10.000 pro Jahr wollen sie zu 70% in Aktien anlegen. Im Rentenalter erwarten sie eine Lücke von € 10.000 pro Jahr. Die Annahmen über die Wertentwicklung von Aktien und  Konto treffen sie wie Bernd B. im Beispiel 1: Aktien 5% und Konto 1% pro Jahr. (Bei dieser Berechnung sind das Eigenheim, die Schulden und die Reserve von € 70.000 nicht enthalten.)

Vermögensplanung Beispiel 2 (Basisszenario):

 Laufende Ersparnis pro Jahr (€)
70% Aktien:
Verfügbares Vermögen am Ende der Periode (€)
0% Aktien:
Verfügbares Vermögen am Ende der Periode (€)
201630.00030.000
2017-26 10.000163.580137.761
2027-36 10.000360.158256.796
2037-46-10.000410.581179.040
2047-56 -10.000484.78493.149
2057-66-10.000593.982-1.728

Als Risikoszenario rechnen sie, dass bei Eintritt ins Rentenalter Ende 2036 ihre Aktienanlagen 30% ihres Wertes verlieren und sich nicht sprunghaft wieder erholen, sondern von diesem reduzierten Niveau aus wieder um + 5% pro Jahr nach Steuern weiterentwickeln. Außerdem unterstellen sie, dass im Alter von 75 Jahren einer von beiden ein Pflegefall wird und sie daher in den darauffolgenden 10 Jahren € 30.000 pro Jahr entsparen.

 

Vermögensplanung Beispiel 2 (Risikoszenario):

 Laufende Ersparnis pro Jahr (€)
70% Aktien:
Verfügbares Vermögen am Ende der Periode (€)
0% Aktien:
Verfügbares Vermögen am Ende der Periode (€)
201630.00030.000
2017-26 10.000163.580137.761
2027-36 10.000277.789256.796
2037-46-10.000289.366179.040
2047-56 -30.00067.539-116.095
2057-66-10.000-20.041-232.863

Auch hier dienen die negativen Zahlen nur zur Illustration, um aufzuzeigen, dass die Lücke im Alter ohne Aktienanlage wesentlich größer ausfallen würde. Allerdings sollte hier, um bei diesem Beispiel zu bleiben, noch das Eigenheim vorhanden sein.