Außenhandel

 

1. Gründe für Entstehung und Wachstum des Außenhandels

Ausgehend von der mittelalterlichen Subsistenzwirtschaft (Selbstversorgung) mit meist nur lokalem Handel wurde die Wirtschaft seitdem ständig arbeitsteiliger. Die Länder der Welt sind in sehr unterschiedlichem Maße mit Rohstoffen, Agrarland, Arbeitskräften und Knowhow in einzelnen Branchen und Technologien ausgestattet. Daher hat der internationale Handel laufend zugenommen. Das Wachstum des internationalen Handels lag aufgrund der zunehmenden globalen Arbeitsteilung meist deutlich über dem Wachstum der Weltwirtschaft.

Ein bekannter Volkswirtschaftler, der die Vorteile dieser internationalen Arbeitsteilung und damit die Vorteile des Außenhandels hervorgehoben hat, war David Ricardo mit seiner Theorie vom komparativen Kostenvorteil. Er erläuterte, warum der Handel zwischen zwei Ländern sogar dann sinnvoll ist, wenn in Land A die Produktionskosten für alle Produkte höher sind als in Land B.

Beispiel für komparativen Kostenvorteil:

Herr Müller und Herr Hoffmann sind Nachbarn und haben gleich große und gleichartige Grundstücke. Allerdings ist ihre Produktivität bei der Gartenarbeit unterschiedlich:

Zum Rasenmähen benötigt Herr Müller 1 Stunde und Herr Hoffmann 3 Stunden. Zum Aufsammeln des abgemähten Rasens braucht Herr Müller 1,5 Stunden und Herr Hoffmann 2,5 Stunden. Ohne Arbeitsteilung würde Herr Müller also 1+1,5=2,5 Stunden benötigen und Herr Hoffmann 3+2,5=5,5 Stunden. Wenn Herr Müller für beide den Rasen mäht und Herr Hoffmann für beide den abgemähten Rasen einsammelt, benötigt Herr Müller 2*1=2 Stunden (statt 2,5) und Herr Hoffmann 2*2,5=5 Stunden (statt 5,5). Fazit: Obwohl Herr Müller für beide Arbeiten länger braucht, bringt die Arbeitsteilung für beide eine Zeitersparnis von je 0,5 Stunden. Der „Außenhandel“ zwischen den beiden Herren würde sich also lohnen.

2. Wachstumstreiber für den Außenhandel

Natürlich standen dem Effizienzgewinn des Außenhandels ursprünglich viele Hindernisse und Nachteile gegenüber. Diese wurden nach und nach abgebaut. In den letzten Jahrzehnten wurde das Wachstum des Welthandels (neben dem Wirtschaftswachstum) durch folgende Trends getrieben:

  • Verbesserung der Transportwege; Verringerung der Transportkosten
  • Abbau der Zölle (z.B.  in der EU, der NAFTA (North American Free Trade Association) und weltweit in der WTO (World Trade Organization))
  • Abbau der nichttarifären Handelshemmnisse (Harmonisierung von Produktstandards und administrativen Vorschriften)
  • Abbau von Beschränkungen im Devisenhandel und beim Devisentransfer
  • Liberalisierung der Kapitalmärkte

 

3. Handels- und Leistungsbilanz

Der Außenhandel eines Landes wird in der Handelsbilanz dargestellt. Wenn die Exporte von Waren größer sind als die Importe, entsteht ein Handelsbilanzüberschuss (im anderen Fall ein Handelsbilanzdefizit). Der Überbegriff für Handelsbilanzüberschuss und -defizit ist Handelsbilanzsaldo.

Die Leistungsbilanz eines Landes umfasst neben den Exporten und Importen von Waren auch die von Dienstleistungen und zusätzlich noch die Kapitalerträge (Leistungsbilanzsaldo = Exporte von Waren und Dienstleistungen + erhaltene Kapitalerträge – Importe von Waren und Dienstleistungen – an das Ausland bezahlte Kapitalerträge wie beispielsweise Schuldzinsen).

Da die Leistungsbilanz das umfassendere Gesamtbild zeigt, wird sie an den Finanzmärkten stärker beachtet als die Handelsbilanz, die nur den Außenhandel mit Waren abbildet. Der Leistungsbilanzsaldo (Leistungsbilanzüberschuss und -defizit) wird als Prozentsatz % vom BIP (Bruttoinlandsprodukt) international verglichen:

Leistungsbilanzsaldo in % vom BIP

Leistungsbilanzsaldo in % vom BIP

Datenquelle: IWF

Ein Leistungsbilanzüberschuss eines Landes führt tendenziell zu:

  • der Aufwertung der eigenen Währung gegenüber dem Ausland (kann aber durch andere Faktoren wie Zinsdifferenz überlagert werden)
  • Kapitalexport, also Investitionen im Ausland (entweder durch Direktinvestitionen der Unternehmen oder durch Geld- oder Wertpapieranlagen)
  • Anstieg der Devisenreserven der eigenen Notenbank

Ein Leistungsbilanzdefizit eines Landes führt tendenziell zu:

  • der Abwertung der eigenen Währung gegenüber dem Ausland (kann aber durch andere Faktoren wie Zinsdifferenz überlagert werden)
  • Kapitalimport, also Investitionen im Ausland (entweder durch Direktinvestitionen ausländischer Unternehmen oder durch Aufnahme von Krediten oder Anleihen)
  • Rückgang der Devisenreserven der eigenen Notenbank

Problematisch kann ein Leistungsbilanzdefizit dann werden, wenn es mehrere Jahre anhält und in hohem Maße durch Schulden (Kredite und Anleihen) finanziert wird. Dadurch baut sich eine Auslandsverschuldung auf, deren Bedienung immer schwieriger werden kann. Das Land wird dann anfällig für eine Währungskrise, in der es zu einer unkontrollierten und massiven Abwertung der Landeswährung kommt und eventuell auch zu einem Staatsbankrott.

Ein Beispiel für eine derartige Währungskrise mit Staatsbankrott war Argentinien in 2002. In der Asienkrise 1997/98 handelte es sich dagegen um eine Währungskrise ohne Staatsbankrott, da die Verschuldungsproblematik überwiegend aus dem privaten Sektor resultierte und die Staatshaushalte dieser Länder relativ geordnet waren. Falls ein Land in eine Währungskrise gerät, bekommt es in der Regel Unterstützung vom Internationalen Währungsfonds (IWF). Diese Tochterorganisation der UNO stellt in diesen Fällen eine überbrückende Finanzierung zur Verfügung. Als Bedingung muss das jeweilige Land jedoch Maßnahmen zur Verbesserung des Leistungsbilanzsaldos durchführen wie z.B. den Abbau des Staatsdefizits und/oder Strukturreformen.

Ein hoher Leistungsbilanzüberschuss spricht für eine hohe Wettbewerbsfähigkeit im Außenahndel, ist aber nicht immer ein Zeichen wirtschaftlicher Stärke des Landes insgesamt. Er kann auch ein Zeichen sein für zu geringe Investitionen im Inland. Zuweilen ist er aber auch erforderlich, um hohe Auslandsschulden aus der Vergangenheit zu bedienen und abzubauen.

Siehe auch Währungen

 

4. Volkswirtschaftliche Ersparnis, Investitionen und Leistungsbilanz

In einer Volkswirtschaft (Land) gilt folgender Grundsatz: Investitionen müssen durch Ersparnisse finanziert werden; wenn nicht, dann muss dies über das Ausland ausgeglichen werden, also über den Leistungsbilanzsaldo.

  • Wenn ein Land mehr spart als es im Inland investiert, dann erzielt es einen Leistungsbilanzüberschuss
  • Wenn ein Land mehr investiert als es spart, erzielt es ein Leistungsbilanzdefizit

Also: Ersparnis – Investitionen = Leistungsbilanzsaldo

(und wie oben beschrieben: Leistungsbilanzsaldo = Exporte von Waren und Dienstleistungen + erhaltene Kapitalerträge – Importe von Waren und Dienstleistungen – an das Ausland bezahlte Kapitalerträge wie beispielsweise Schuldzinsen)

 

5. Leistungsbilanz, Kapitalim- und -export und Devisenreserven

Wenn ein Land mehr investiert als es spart und ein Leistungsbilanzdefizit erzielt, muss dieses Defizit durch Kapitalimport (Aufnahme von Schulden oder Investitionen aus dem Ausland) ausgeglichen werden. Wenn dies nicht gelingt, nehmen die Devisenreserven der eigenen Notenbank ab. Wenn die Devisenreserven aufgebraucht sind, kommt es zu einer Währungskrise (siehe oben).

Leistungsbilanzdefizit = Nettokapitalimport + Rückgang der eigenen Devisenreserven

Leistungsbilanzüberschuss = Nettokapitalexport + Anstieg der eigenen Devisenreserven

Also: Wenn ein Leistungsbilanzsaldo nicht durch Kapitalim- oder export ausgeglichen wird, erfolgt der Ausgleich über die Veränderung der Devisenreserven der eigenen Notenbank