Anleihen

 

1.Welche Rechte hat der Investor bei Anleihen ?

Eine Anleihe ist ein Wertpapier, das eine Geldforderung gegenüber einem Schuldner verbrieft (dokumentiert). Mit dem Kauf einer Anleihe erwirbt man im Wesentlichen zwei Rechte:

  • Das Recht auf die Zinszahlung, die meist jährlich in gleicher und von vornherein festgelegter Höhe erfolgt
  • Das Recht auf Rückzahlung des geschuldeten Betrages (=Tilgung)

Beides fasst man auch zusammen in dem Ausdruck „Zins und Tilgung“. Anleihen werden meist zu ihrem Nennwert (=Nominalwert) ausgegeben und auch wieder zurückbezahlt. Die Zinsen sind meist in % des Nennwertes festgelegt.

2.Beispiel

Die Bundesrepublik Deutschland gibt am 30.6.2015 eine Anleihe aus, die in Nennwerte von je € 1000 gestückelt ist. Sie verkauft diese Anleihe jeweils zu € 1000. Die Rückzahlung nach 10 Jahren (z.B. 30.6.2025) erfolgt auch zu € 1000. Der Zinssatz beträgt 5%. Das bedeutet, dass der Inhaber der Anleihe jedes Jahr 5% * € 1000 = € 50 erhält.

Die wichtigsten Eigenschaften einer Anleihe sind somit:

Schuldner (= Emittent), hier: Bundesrepublik Deutschland

Endfälligkeit (= Datum der Rückzahlung); hier: 30.6.2025

Zinssatz; hier: 5%

Der Zinssatz wird auch Coupon oder Zinscoupon genannt, weil früher an der ausgedruckten Anleihenurkunde Coupons hingen, die jährlich abgetrennt und zur Zinszahlung bei der Bank eingelöst wurden. Auf diesen Coupons war der Zinssatz aufgedruckt. Im 19. Jahrhundert nannte man daher Leute, die von ihren Zinsen aus Wertpapieren lebten, „Couponschneider“.

Die jährlichen Zinszahlungstermine sind meist zum gleichen Datum wie der Rückzahlungstermin, also z.B. 30.6.2016, 30.6.2017 etc.

Die meisten Anleihen haben einen festen Zinssatz über die gesamte Laufzeit und werden daher auch festverzinsliche Wertpapiere oder Festverzinsliche genannt.

Anleihen werden häufig an Börsen gehandelt. Diese Anleihen nennt man auch börsennotierte Anleihen. Die Börsennotierung einer Anleihe hat für den Inhaber den großen Vorteil, dass er seine Anleihen relativ leicht kaufen und verkaufen kann. Allerdings schwanken die Anleihekurse (Preise der Anleihen im Börsenhandel) ständig, so dass sich das Vermögen des Anleiheinhabers ständig verändert. Die Börsenkurse von Anleihen werden in % des Nennwertes angegeben (z.B. 95,62%).

Anleihen kann man entweder bei der Erstausgabe (=Emission) oder danach an der Börse erwerben. Verkaufen kann man sie entweder auch an der Börse oder durch Tilgung (=Rückzahlung am Endfälligkeitsdatum).

 

3.Zinsänderungsrisiko und Kreditrisiko

Der Anleiheinhaber ist im wesentlichen zwei Risiken ausgesetzt:

3.1. Zinsänderungsrisiko

Durch Schwankungen der Kapitalmarktzinsen ändert sich der Kurs und die Rendite der Anleihe ständig. Diese Schwankungen nehmen aber zur Endfälligkeit hin ab, wo sich der Kurs dem Rückzahlungskurs (meist der Nennwert) annähert. Näheres unter Rendite, Zinsstrukturkurve und Zinsänderungsrisiko.

3.2. Kreditrisiko

Die Fähigkeit des Schuldners (des Emittenten) der Anleihe, die Zinsen und die Rückzahlung zu leisten, variiert sehr zwischen verschiedenen Schuldnern und kann sich auch über die Laufzeit deutlich verändern. Näheres unter Kreditrisiko und Rating.