Anleihemärkte

Hier ein kleiner Überblick über die wichtigsten Anleihemärkte:

 

1. Staatsanleihen Industrieländer

Die Staatsanleihenmärkte der Industrieländer sind die wichtigsten Anleihemärkte überhaupt. Am bedeutendsten sind die Staatsanleihenmärkte von den US (US Treasury Bonds), Deutschland (Bundesanleihen), Japan, Großbritannien (Gilts), Frankreich (OAT) und Italien (BTP).

Diese Staatsanleihenmärkte sind alle sehr liquide, sowohl der Börsenhandel als auch der außerbörsliche Handel. Die Anleihen werden fast ausschließlich in der Währung des jeweiligen Staates ausgegeben (US Treasuries in US-Dollar, UK Gilts in Pfund Sterling, italienische, französische und deutsche Staatsanleihen in Euro). Daneben bestehen viele kleinere, etwas weniger liquide Staatsanleihenmärkte wie z.B. in der Schweiz, den Niederlanden, in Spanien, Portugal, Belgien, Kanada und Australien.

Zudem gibt es in den einzelnen Ländern noch Anleihen regionaler Gebietskörperschaften wie z.B. von US-Städten (US Municipal Bonds), von deutschen Bundesländern, von kanadischen Provinzen und schweizerischen Kantonen etc.

Auch bei Staatsanleihen von Industrieländern muss man heutzutage sehr auf das Rating achten, da die Finanzkraft gewisser Länder seit der Finanzkrise deutlich zurückgegangen ist.

 

2. Staatsanleihen Schwellenländer (Emerging Markets Sovereign Bonds)

Auch einige Schwellenländer (Emerging Markets) haben bedeutende Staatsanleihenmärkte wie z.B. Brasilien und Mexiko. Dabei gilt tendenziell, dass in den Ländern, in denen die Auslandsverschuldung gering ist wie beispielsweise in China, die Staatsanleihen meist in der Hand von Inländern sind und im Ausland kaum angeboten werden. Dagegen werden die Anleihen von Staaten mit hoher Auslandsverschuldung, wie beispielsweise aus Lateinamerika, aktiv im Ausland platziert. Daneben exisistieren auch viele Staatsanleihen von Schwellenländern in Euro oder US-Dollar.

3. Unternehmensanleihen (Corporate Bonds)

Der Markt der Unternehmensanleihen ist sehr vielfältig. Er erstreckt sich auf viele Länder, Währungen, Branchen, alle Bonitätsklassen und auch alle Unternehmensgrößen. Mehr als bei den Staatsanleihen unterscheiden sich die Anleihen auch nach den Anleihebedingungen. Wichtige Unterscheidungsmerkmale sind dabei das Kündigungsrecht durch den Schuldner, Sicherheiten, Rangfolge im Insolvenzfall. Während die Anleihen großer Unternehmen mit guter Bonität (mit gutem Rating) meist recht liquide sind, geht die Liquidität vieler anderer Unternehmensanleihen kurz nach der Ausgabe meist stark zurück.

 

Anleihen von Banken (4.-8.)

Bankanleihen bilden ein separates Marktsegment, das wiederum in einzelne Anleihemärkte unterteilt ist:

 

4. Pfandbriefe

Dies sind Anleihen, die von besonders lizensierten Pfandbriefbanken ausgegeben werden. Die Pfandbriefemissionen werden jeweils durch eine besondere Deckungsmasse besichert, wobei die Pfandbriefbank selbst auch voll haftet. Man unterscheidet vor allem zwei Arten:

  • Hypothekenpfandbriefe, deren Deckungsmasse aus Darlehensforderungen besteht, die durch Grundpfandrechte auf Grundstücke besichert sind
  • Öffentliche Pfandbriefe, deren Deckungsmasse aus Darlehen an die öffentliche Hand (vor allem Länder und Kommunen) besteht

Pfandbriefe werden als besonders sicher betrachtet und haben in aller Regel auch ein sehr gutes Rating, das aufgrund der besonderen Besicherung meist deutlich über dem Rating derselben Bank für erstrangige unbesicherte Bankanleihen liegt. Seit über 100 Jahren gab es unter den deutschen Pfandbriefen keinen Ausfall.

Pfandbriefähnliche Anleihen aus anderen europäischen Ländern werden teilweise Covered Bonds genannt. Die Ratings dieser Anleihen sind jedoch überwiegend niedriger als die der deutschen Pfandbriefe. Der Pfandbriefmarkt (inklusive Covered Bonds) ist einer der wichtigsten Anleihemärkte.

 

5. Erstrangige unbesicherte Bankanleihen (senior unsecured)

In etwa vergleichbar mit Unternehmensanleihen, nur eben von Banken als Schuldnern ausgegeben.

 

6. Nachrangige Bankanleihen

Es gibt einen großen Markt von Bankanleihen, die im Konkursfall nachrangig gestellt sind. Dies ist sozusagen genau das Gegenteil vom Pfandbrief, der im Konkursfall durch seine Deckungsmasse privilegiert ist und theoretisch im Konkursfall der ausgebenden Bank je nach Situation sogar voll bedient werden könnte. Die nachrangigen Bankanleihen haben im Konkursfall der Bank alle „schlechte Karten“. Allerdings muss man unterscheiden zwischen denen, deren Zins und Tilgung erst im Konkursfall ausfallen darf, und denen, deren Zinszahlung bereits bei einer „Ertragsdelle“ der Bank ausfallen darf. Eine spezielle Art der nachrangigen Bankanleihen sind die Coco-Bonds, die die Bank in Phasen mit Ertragsproblemen nach vorher festgelegten Regeln in Aktien der Bank wandeln darf (gewisse Ähnlichkeit mit Aktienanleihen).

 

7. Aktienanleihen

Dies sind in der Regel erstrangige unbesicherte Bankanleihen. Allerdings hat die emittierende Bank das Recht, die Anleihe im Falle des Kursrückgangs einer vorher fest definierten Aktie zu fest definierten Regeln in diese Aktie umzutauschen. Dabei trägt der Anleger das Kursrisiko der Aktie, hat jedoch nicht die entsprechende Kurschance, da der Anleger bei positiver Kursentwicklung der Aktie nur Zins und Tilgung der Anleihe erhält. Daneben trägt er das volle Kontrahentenrisiko der ausgebenden Bank. Das Profil ähnelt also den unter 6. erwähnten Coco-Bonds.

 

8. Zertifikate

Zertifikate sind Anleihen, deren Rückzahlung bzw. Ausschüttung an einen Index oder an den Preis eines anderen Anlageinstrumentes gekoppelt sind. Es gibt eine Vielzahl von Konstruktionen. Im Gegensatz zu ETFs, mit denen sie wirtschaftlich am besten vergleichbar sind, trägt der Anleger jedoch das volle Kontrahentenrisiko der ausgebenden Bank. Der Begriff sollte nicht verwechselt werden mit „Investmentzertifikaten“, einem etwas altmodischen Begriff für Investmentfondsanteile (siehe Fonds).

 

9. Asset-Backed-Securities (Abkürzung: ABS)

Hier baut die arrangierende Bank ein Portfolio an Forderungen auf (z.B. Autokredite, Immobilienkredite, Leasingforderungen), und „tranchiert“ die Rechte auf Zins- und Tilgungsleistungen aus den Darlehen des Portfolios in Tranchen von oben nach unten. Dies bedeutet, dass die oberste Tranche (auch genannt Super-Senior) immer zuerst voll „bedient“ wird, d.h. jeweils zuerst Zins und Tilgung bekommt. Die unterste Tranche (auch genannt Equity Piece, also sozusagen Eigenkapitaltranche), wird erst dann bedient, wenn alle oberen voll bedient wurden. Die arrangierende Bank übernimmt nach der Platzierung kein Risiko mehr, so dass nur das Portfolio selbst, das dem Anleger gegenüber in der beschriebenen Rangfolge haftet. Das Portfolio befindet sich in einer Zweckgesellschaft, die auch die Schuldnerin für alle ausgegebenen ABS-Tranchen ist. Das Kreditrisiko von ABS-Papieren hängt naturgemäß sehr von der Qualität des Portfolios und von der Position der Tranche (also weiter oben oder weiter unten) ab, die der Anleger erwirbt. Solange das Portfolio sich in vollem Umfang gemäß den Erwartungen entwickelt, liegt die Rendite der unteren Tranchen erheblich über der der oberen. ABS-Papiere sind insbesondere in den USA beliebt und werden in großem Stil für die Finanzierung des Wohnungsbaus eingesetzt. In diesem Fall werden sie  MBS (Mortgage-backed Securities) genannt. Sie gelten als wichtige Mitverursacher der Finanzkrise 2008/2009.

 

10. Wandelanleihen

Wandelanleihen enthalten im Gegensatz zu Aktienanleihen und Coco-Bonds nicht das Recht des Emittenten zur Wandlung. Hier kann der Anleger selbst entscheiden, ob er seine Anleihe in Aktien der betreffenden Gesellschaft (meist die Aktien des Anleiheemittenten) wandeln möchte. Falls die Aktie sich gut entwickelt, wird er in der Regel wandeln; andernfalls bekommt er einfach Zins und Tilgung der Anleihe (vorausgesetzt, der Emittent bleibt bis zum Ende der Laufzeit zahlungsfähig). Durch diese Kombination von unbegrenzter Chance (wie bei Aktien) und begrenztem Risiko (falls der Emittent/Schuldner zahlungsfähig bleibt) hat dieses relativ kleine Marktsegment einen besonderen Charme.

 

11. High Yield Bonds

High Yield Bonds (Anleihen mit hoher Rendite) sind Anleihen, die ein Rating unterhalb von BBB, also unterhalb von Investment grade (AAA-BBB) aufweisen. Man nennt diese Anleihen auch Junk Bonds (Müllanleihen oder Ramschanleihen). Diese Anleihen sind natürlich mit einem viel höheren Kreditrisiko verbunden als die mit Investment grade Rating (siehe Kreditrisiko und Rating). Die bedeutendsten zwei Segmente in diesem Markt sind Emerging Market High Yield (Anleihen von Staaten und Unternehmen aus den Schwellenländern) und Corporate High Yield (Anleihen von Unternehmen aus Industrieländern).