Strategien mit Aktien, Aktienanalyse, Aktienauswahl, Branchen am AktienmarktGeschäftsbericht, Finanzkennzahlen, Hauptversammlung

Aktienanalyse

 

 

Investiere nur in eine Aktie, deren Geschäft Du auch verstehst

Warren Buffet, Value Investor

 

 

Wenn Sie ein Unternehmen analysieren möchten, werden Sie sich die Frage stellen, wie das Unternehmen Gewinn erwirtschaftet und wie es diesen verwendet. Dann werden Sie fragen, wieviel das Unternehmen an Dividende auszahlen kann und wie Sie das Unternehmen bewerten können, um das Kurspotential abzuschätzen. Hier erfahren Sie, worauf es ankommt in der Aktienanalyse.

 

1. Der Geldfluss im Unternehmen

Ein Unternehmen erzielt zunächst einmal einen Umsatz (blau) und muss für diesen Zweck eine Reihe von Aufwendungen (orange) tragen. Die Differenz, die nach Abzug der Aufwendungen übrigbleibt, ist der Gewinn. Dieser Gewinn steht dem Unternehmen zur Verfügung, um…

  • das Umlaufvermögen zu erhöhen (dunkelgrün). Dies ist notwendig, wenn der Umsatz steigen soll. Allerdings sollten keine unnötigen Vorräte gehalten werden, da sie nur Lagerraum und Zinsen kosten. (Der genaue Begriff ist Netto-Umlaufvermögen; von den Vorräten und den Kundenforderungen zieht man die Lieferantenverbindlichkeiten ab und nennt die Differenz Netto-Umlaufvermögen.)
  • Investitionen und Firmenübernahmen zu tätigen (beige). Hier muss das Unternehmen jede Entscheidung genau auf ihren Sinn und ihre Rentabilität überprüfen.
  • Kredite zurückzuzahlen (lila in umgekehrter Pfeilrichtung). Dies ist vor allem bei einer hohen Verschuldung des Unternehmens sehr wichtig.
  • Dividende auszuzahlen oder Aktien zurückzukaufen. Von einer Dividendenausschüttung profitiert der Aktionär direkt. Ein Aktienrückkauf führt dazu, dass Ihr Anteil am Unternehmen prozentual steigt, weil sie nach dem Aktienrückkauf das Unternehmen „mit weniger Aktien teilen müssen“. Dadurch steigt Ihr Anteil am Unternehmenswert und auch an der gesamten vom Unternehmen ausgeschütteten Dividendensumme.

 

Geldfluss im Unternehmen

Unternehmen Geldfluss

2. Die Erfolgsfaktoren des Unternehmens

Zusammenfassend werden Sie also das Unternehmen nach folgenden Punkten beurteilen (siehe auch Aktienauswahl):

  • Erzielung eines nachhaltig hohen und steigenden Umsatzes durch Erfolg im Vertrieb und durch möglichst hohe Verkaufspreise (Preiserhöhungen steigern den Gewinn mehr als eine Erhöhung der verkauften Menge; sie erfordern auch keine zusätzlichen Investitionen)
  • Gutes Kostenmanagement und damit nachhaltige Kontrolle der verschiedenden Aufwendungen (günstiger Einkauf etc.)
  • Gutes Management des Umlaufvermögens (nicht zu hohe Lagerbestände, rechtzeitige Bezahlung der Rechnungen durch die Kunden)
  • Tätigung nur sinnvoller und rentabler Investitionen und Firmenübernahmen
  • Nur maßvolle Verschuldung
  • Hohe Dividende, möglicherweise ergänzt durch Aktienrückkäufe

Sie sehen, dass es nicht nur um Gewinnsteigerung geht, sondern auch darum, diesen Gewinn mit möglichst wenig Investitionen zu erzielen. Dies führt dann zu einer hohen Rendite auf das eingesetzte Kapital.

 

3. Der Free Cash Flow

(siehe auch Kapitalflussrechnung)

Die wirtschaftlich vernünftigste Ertragsgröße für ein Unternehmen ist der Free Cash Flow. Es handelt sich um den Geldzufluss (Cash Flow) aus dem laufenden Geschäft abzüglich der Erhaltungsinvestitionen, die für die Aufrechterhaltung des Geschäfts erforderlich sind (also Ersatz von alten Maschinen, aber keine Expansion). Kurz gesagt ist es der Cash Flow (Geldzufluss) auf dem aktuellen Umsatzniveau zu errechnen. (Wachstumsinvestitionen werden bewusst ignoriert, das die aus ihnen resultierenden Geldzuflüsse erst in der Zukunft erzielt werden; daher würde der aktuelle Geldfluss dadurch zu schlecht dargestellt.)

 

Der Free Cash Flow errechnet sich wie folgt (betrachten Sie dabei die obige Grafik):

Umsatz (blau)

abzüglich aller Aufwendungen (dunkelrot) außer den Zinsen (und auch ohne die Abschreibungen)

= EBITDA (Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen) abzüglich Steuern

abzüglich der Erhaltungsinvestitionen (beige)

= Free Cash Flow

(vereinfachte Berechnung)

Der Free Cash Flow wird von dem bekannten US-amerikanischen Value Investor auch „owner earnings“ (Eigentümergewinn) genannt. Die Erhaltungsinvestitionen werden auf Englisch „Maintenance Capex“ genannt, wobei Capex eine Kurzform für Capital Expenditure ist, also Sachanlageinvestitionen.

 

4. Die Bewertung des Unternehmens

Die wirtschaftlich sauberste Bewertungsmethode für Unternehmen ist das Discounted Cash Flow – Verfahren. Dabei werden die Free Cash Flow-Zahlen für die zukünftigen Jahre prognostiziert und dann abdiskontiert (abgezinst). Diese Bewertung läuft wie die einer Anleihe (siehe Zinsänderungsrisiko). Während Anleihen meist eine feste Laufzeit haben mit festen Zinssätzen, gilt dies für Unternehmen nicht. Sie haben eine „ewige“ Zukunft, deren Gewinne und Cash Flows schwer vorhersehbar ist. Auch der Zinssatz für die Abzinsung ist schwer zu bestimmen, so dass sich sowohl Wissenschaftler als auch Praktiker hier nicht einig sind.

Daher arbeiten Pragmatiker in der Aktienanalyse auch mit der Free Cash Flow – Rendite:

Free Cash Flow-Rendite = Free Cash Flow / (Aktienkurs x Anzahl der ausgegebenen Aktien + Finanzverschuldung).

Die Größe „Börsenwert des Unternehmens + Finanzverschuldung“ nennt man auch Enterprise Value (Unternehmenswert), der Wert des operativen Geschäfts des Unternehmens. Diese Kennzahlen sind genauer erläutert unter Finanzkennzahlen.

Weitere Details zur Aktienanalyse finden Sie unter Aktienauswahl, Branchen am Aktienmarkt, Geschäftsbericht, Gewinn- und Verlustrechnung, Kapitalflussrechnung, Segmentberichterstattung und Finanzkennzahlen.