Wiederentdeckung der Aktienanlage

1. Privatanleger entdecken die Aktie

Über Jahrzehnte wurde die Aktienanlage bei Privatanlegern immer unbeliebter. Wenn sich Privatleute überhaupt an Aktien herangewagt haben, geschah dies meist über Fonds und in zunehmendem Maße über ETFs. Die Aktienbestände machten zuletzt nur 10% des Vermögens der privaten Haushalte aus.

Die FAZ vom 22.10. berichtet jedoch von einem neuen Trend. Privatanleger waren demnach in der ersten Hälfte 2020 für ein Fünftel des Transaktionsvolumens am amerikanischen Aktienmarkt verantwortlich, doppelt so viel wie vor 10 Jahren. Ein wichtiger Auslöser für das zunehmende Interesse an der Aktienanlage sei der Preiskampf bei den Online-Brokern, der zu sehr niedrigen Provisionen geführt hat.

 

2. Neuartige Informationsquellen für Anleger

Während Transaktionen zweifellos sehr kostengünstig und auch benutzerfreundlich angeboten werden, stellt sich für Selbststeuerer, also Anleger, die bei ihrer Aktienauswahl eigenständig ohne Berater vorgehen, die Frage, wie sie sich informieren. Dies geschieht gemäß FAZ vor allem über Internetplattformen wie Wikifolio sowie Social Media wie Facebook und Instagram und Youtube-Kanäle.

Privatanleger sollen beispielsweise maßgebend gewesen sein für die Kurs-Rallye des Elektroautoherstellers Tesla sowie auch vor ein paar Monaten für den vorübergehenden Kurssprung des damals bereits insolventen Autovermieters Hertz. Fachleute wie Finanzprofessor Olaf Stotz vertreten jedoch die Meinung, dass insgesamt der Einfluss der Privatanleger auf die Kursentwicklung am Aktienmarkt gering ist.

 

3. Fazit:

Zunächst einmal ist es sicher positiv, dass Privatanleger, und insbesondere junge Leute, sich wieder zunehmend für die Aktienanlage interessieren. Allerdings bleibt zu hoffen, dass diese Anleger bei der Aktienauswahl nicht zu hohe Risiken eingehen und ihre Anlagen angemessen diversifizieren, damit sie nicht, wie im Jahr 2000, enttäuscht werden und sich dann wieder nachhaltig von der Aktie abwenden. Für die meisten Anleger empfiehlt es sich daher, auch ETFs für die Streuung mit zu nutzen.

Anleger, die eigenständig einzelne US-amerikanische Aktien analysieren möchten, seien auf die Analyseplattform https://seekingalpha.com/   hingewiesen. Dort kann man sich mit wenig Aufwand ein Portfolio von Aktien zusammenstellen, die man beobachten möchte, und bekommt Geschäftsberichte, Quartalsberichte und die Protokolle der Telefonkonferenzen des Vorstands mit den Analysten zu den Quartalsberichten und daneben noch Research-Berichte von Analysten. Viele dieser Informationen sind dort kostenlos erhältlich.

 

Quelle:

F.A.Z. vom 22. Oktober 2020, S.25: Die Börsen-Revolution von unten

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