Die Energiewende und ihre Folgen

Klimawandel zwingt zum Handeln

Der Klimawandel ist inzwischen nicht nur eine Prognose von Wissenschaftlern, sondern Realität. Der Temperaturanstieg sowie die Zunahme der Naturkatastrophen führen uns die Notwendigkeit zum Handeln vor Augen. Zur Verminderung der Treibhausgase sind Maßnahmen in mehreren Bereichen wichtig. Der Wechsel von fossilen Brennstoffen auf Erneuerbare Energien ermöglicht für Industrie, Verkehr und den Wohnungsbestand langfristig eine immense Reduktion der Emission von Treibhausgasen. Diese Energiewende ist bereits in vollem Gange. Die Folgen dieser notwendigen Energiewende rücken allerdings erst allmählich in den Fokus.

 

Corona macht Abstieg des Öls deutlich

In gewisser Hinsicht hat die Corona-Pandemie die Folgen der Energiewende verdeutlicht. Im Frühjahr 2020 kam es im Rahmen des Lockdown zu einem extremen Einbruch des Ölpreises. Kurzfristig fiel der Preis für einen Öl-Terminkontrakt angesichts der eingebrochenen Nachfrage und der „überschwemmten“ Lager sogar unter Null. Es wird geschätzt, dass der Welt-Ölverbrauch seinen Höchststand von 2019 nicht mehr erreichen wird, obwohl die Nachfrage in Asien noch zunimmt. Ein „Meilenstein“ ist auch, dass der Ölkonzern Exxon, der seit 1928 dem amerikanischen Aktienindex Dow Jones der größten 30 Industriewerte angehörte, diesen kürzlich aufgrund des massiven Aktienkursrückgangs verlassen musste.

Die geopolitischen Auswirkungen der Energiewende sind ebenfalls nicht zu unterschätzen. Die ölexportierenden Staaten machen 8% der globalen BIP aus und haben 900 Millionen Einwohner. Viele haben ihre Einnahmequellen nur unzureichend vom Öl weg diversifiziert. Beispielsweise haben sich die Staatseinnahmen von Saudi-Arabien im 2. Quartal halbiert. Es ist zu erwarten, dass diese Länder nicht nur global an Einfluss verlieren werden, sondern auch vor enormen Umbrüchen und Einschränkungen ihres Lebensstandards stehen. Auch die USA sind angesichts ihres großen Ölsektors davon betroffen.

 

Strom und Erneuerbare Energien im Aufwärtstrend

Während Öl als Energieträger abnimmt, gewinnen Erneuerbare Energien vor allem über Strom an Bedeutung. So wird erwartet, dass Strom in % des globalen Energieverbrauchs von aktuell ca. 23% auf ca. 28% in 2030 und ca. 35 bis 45% in 2040 steigen wird.

Die neue Energiemacht scheint dagegen die VR China zu werden. China produziert 72% aller Solarmodule, 69% aller Lithium-Batterien und 45% aller Windturbinen. Auch bei einigen für elektrotechnische Anwendungen erforderlichen Metallen und den seltenen Erden hat China eine führende Position. Insbesondere bezieht sich dies auf die Verarbeitung dieser Rohstoffe, das Refining bzw. die Verhüttung, aber teilweise auch auf die Förderung selbst.

Europa hat in den letzten Jahren bei der Herstellung der Windkraftanlagen und Solarmodule Marktanteile verloren. Europäische Unternehmen sind jedoch sehr stark in der Entwicklung und dem Betreiben von Solar- und Windkraftanlagen weltweit vertreten.

 

 

Fazit

Die Energiewende ist in vollem Gange. Dass Öl als Energiequelle den Zenit überschritten hat, wurde gerade in der Corona-Pandemie besonders deutlich. Dies stellt nicht nur die Ölbranche vor immense Herausforderungen. Auch werden die ölexportierenden Länder an Macht und Bedeutung verlieren. Es muss auch damit gerechnet werden, dass in einigen dieser Länder der Lebensstandard eingeschränkt werden muss.

Um den Temperaturanstieg auf 2 Grad Celsius gegenüber dem vorindustriellen Zeitalter zu begrenzen, müssten die Investitionen in Windkraft- und Solaranlagen auf $ 750 Mrd. pro Jahr sogar verdreifacht werden. Die Energiewende bietet für Hersteller, Entwickler und Betreiber dieser Anlagen große Chancen. Dabei sind vor allem China und teilweise Europa gut positioniert. Die USA müssen jedoch mit Einbußen in ihrem in den letzten Jahrzehnten stark ausgebauten Ölgeschäft rechnen, während Erneuerbare Energien dort zuletzt von der Politik eher vernachlässigt wurden.

 

Quelle: The Economist, 19th-25th September 2020

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