Die Rentenlücke

 

1. Die gesetzliche Rente allein reicht nicht

Spätestens seit der Rentenreform 2005 sollte es allen klar sein: Die gesetzliche Rente allein reicht nicht. Allerdings wurden seitdem von Staat und Bürgern nicht die richtigen Konsequenzen gezogen. Die Betriebliche Altersversorgung wurde in vielen Unternehmen abgebaut und ist in vielen Betrieben zu einer Pflichtübung verkümmert, indem oft kaum mehr als eine komplett vom Arbeitnehmer zu besparende Direkt-Lebensversicherung angeboten wird. Riester- und Rürup-Renten haben nach einer Anfangseuphorie stark an Beliebtheit nachgelassen, zumal sie sich als sehr kostenbelastet und für die Vorsorgenden ertragsarm herausgestellt haben.

 

2. Die Politik bietet keine Lösung

Während die Politik sich nicht an die dringend notwendige Reform der staatlich geförderten Altersvorsorge herantraut, arbeitet die Bundesregierung nun an einer integrierten digitalen Rentenübersicht. Alle Träger der staatlichen, Betrieblichen und Privaten Altersvorsorge sollen dafür die Daten der Versicherten und Sparer liefern, spätestens ab 2023. Der Staat will mit diesem Mammutprojekt sozusagen den Bürgern ihre zu erwartende Altersarmut vor Augen führen, drückt sich aber davor, ihnen eine sinnvolle Lösung für das Problem anzubieten.

 

3. Berechnung der Rentenlücke

In der FAZ vom 27.8.2020 wurde über einen Versuch der Fintech-Firmen Raisin und Fairr berichtet, das Problem zu skizzieren. Die Berechnungen beruhen auf folgenden Daten/ Annahmen:

Ausgangsbasis ist das durchschnittliche Monatsnettogehalt nach Geschlecht und Altersgruppe. Entsprechend wurde die zu erwartende Altersrente berechnet und die Lücke zwischen Gehalt und Rente wurde auf die verbleibende Lebenserwartung nach Geschlecht ab 67 als Kapitalbetrag zusammengerechnet. Danach wurde hochgerechnet, wieviel von diesem Betrag die betreffende Person noch sparen könnte bis zum Renteneintrittsalter von 67, wenn sie 10% ihres Gehalts spart.

 

Frauen

Alter
Nettomonats-
gehalt
Rentenlücke gesamtBetrag bei Sparen von 10% des GehaltsVerbleibende Rentenlücke gesamt
302.062163.000111.00052.000
402.420188.00084.000104.000
502.513193.00054.000139.000
602.529161.00024.000157.000

Männer

Alter
Nettomonats-
gehalt
Rentenlücke gesamtBetrag bei Sparen von 10% des GehaltsVerbleibende Rentenlücke gesamt
302.577
155.000139.00016.000
403.025171.000105.00066.000
503.141180.00068.000112.000
603.161169.00030.000139.000

 

Dabei zeigt sich, dass die Rentenlücke bei Frauen – auch wegen der längeren Lebenserwartung – tendenziell höher ist als bei Männern. obwohl hier nur alleinstehende Frauen und Männer ohne Kinder betrachtet werden und zudem bei Frauen ihr niedrigeres Gehalt als Basis für das EInkommen im Alter zugrunde gelegt wird, was sicherlich zu hinterfragen wäre.

Beispiel:

Eine erwerbstätige alleinstehende Frau ohne Kinder im Alter von 30 Jahren hat ein Monatsgehalt von €2.062. Wenn sie ab jetzt 10% des Nettogehaltes bis zum Alter von 67 Jahren ansparen würde, könnte sie €111.000 ansammeln, wobei keine Kapitalerträge berücksichtigt sind. Dann wäre die verbleibende Rentenlücke insgesamt noch €52.000, was bedeutet, sie müsste aktuelle schon über Ersparnisse von € 52.000 verfügen, damit sie nach Rentenbeginn ihr Einkommen stabil halten kann.

 

4. Dringender Handlungsbedarf bei Bürgern und Staat

Die Rechnung ist sicherlich sehr vereinfacht, zeigt aber dennoch eine Reihe von Themen auf, die eigentlich alle nicht überraschend sind:

  • Die gesetzliche Rente reicht bei weitem nicht, um den Lebensstandard zu halten
  • Es ist wichtig, früh mit der zusätzlichen Altersvorsorge anzufangen, weil man dann länger sparen kann und – was in der Rechnung noch nicht berücksichtigt ist – die Kapitalerträge das Sparen beschleunigen können.
  • Frauen sind, selbst wenn sie alleinstehend und ohne Kinder sind, im Durchschnitt beim Gehalt benachteiligt
  • Die Kombination von niedrigerem Gehalt und längerer Lebenserwartung (Frauen 83 und Männer 78 Jahre) macht es für Frauen besonders wichtig, früh mit einer zusätzlichen Altersvorsorge anzufangen
  • Die staatlich geförderte betriebliche und private Altersvorsorge ist imminent wichtig geworden. Die Politik darf sich nicht damit begnügen, den Bürgern mit schicken digitalen Mitteln ihre Rentenlücke vorzurechnen, sondern muss endlich dafür sorgen, dass transparente, kosteneffiziente und rentable Altersvorsorgeprodukte angeboten werden.

 

Quelle: F.A.Z. vom 22.8.2020

 

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