Kapitalmärkte – Rückblick und Ausblick

1. Panik am Aktienmarkt

Die Kapitalmärkte standen im ersten Halbjahr überwiegend im Zeichen der Corona-Pandemie. An den Aktienmärkten führte die Pandemie in Februar und März zu Panikverkäufen, da sich das Bewusstsein am Markt durchsetzte, dass der Lockdown große wirtschaftliche Schäden bewirkte. Als jedoch die Notenbanken und die Regierungen eine bislang kaum gekannte Entschlossenheit demonstrierten, die Wirtschaft zu stützen und sich die chinesische Wirtschaft im März allmählich wieder öffnete, erholten sich weltweit die Aktienmärkte. Angeführt von den großen Internet- und Technologieunternehmen, den Profiteuren der Corona-Krise, konnte sich der US-amerikanische Index besser aus dem Tief erholen als die Aktienmärkte der teilweise besonders stark von Corona betroffenen europäischen Länder.

 

2. Rohstoffe und Zinsen

Der Ölpreis brach angesichts des stark reduzierten Auto- und Luftverkehrs massiv ein. Zunächst galt dies auch für andere Rohstoffe. Allerdings erholten sich die Industriemetalle sehr schnell. Edelmetalle erreichten zuletzt sogar mehrjährige Höchststände. Dies wird mit zunehmenden Inflationsängsten aufgrund der extrem expansiven Geldpolitik wichtiger Notenbanken begründet.

Ebenfalls unterstützt durch die expansivere Geldpolitik der Notenbanken kam es an den Anleihemärkten zu einem weiteren Renditerückgang.

 

Wertentwicklung in % ggü. Vorjahresende

 

Rückgang bei Aktien Anstieg des Goldpreises

 

 

 

 

 

 

 

 

3. Erholung der Aktienmärkte

Die massive Erholung der Aktienmärkte seit Ende März kam für viele Marktteilnehmer überraschend, da sehr viele Unternehmen in 2020 voraussichtlich mit Verlust abschließen werden. Besonders hohe Verluste müssen wohl Unternehmen aus den Bereichen Touristik, Hotel, Luftfahrt, Gastronomie sowie auch viele Einzelhändler hinnehmen. Teilweise wird es hier auch zu Insolvenzen kommen. Die „Profiteure“ von Corona sind überwiegend die Internetunternehmen wie Facebook, Alphabet und Apple sowie viele Online-Einzelhändler.

 

4. Musterdepots

Bei den Musterdepots bewährte sich wiederum die globale Streuung. Der geringere Rückgang des US-Aktienmarktes minderte im 1. Halbjahr den Wertverlust.

 

Wertentwicklung in % ggü. Vorjahresende

 

Wertverlust bei den Musterdepots

 

 

 

 

 

 

 

 

5. Ausblick

Im zweiten Halbjahr 2020 wird allgemein mit einer wirtschaftlichen Erholung gerechnet, falls nicht eine „zweite Welle“ einen erneuten Lockdown erfordern sollte. Die Fortschritte bei der Entwicklung einiger Corona-Impfstoffe stärken die Hoffnung auf eine nachhaltige Überwindung der Corona-Krise.

Angesichts der weiterhin wohl sehr expansiven Geldpolitik der Notenbanken erhalten die Aktienmärkte wohl durch das anhaltend niedrige Zinsniveau nachhaltige Unterstützung. Wesentlich differenzierter sind jedoch die Perspektiven für die Unternehmensgewinne zu sehen.

Zunächst dürfte In einigen Monaten klarer werden, welche Unternehmen überhaupt die Krise überstehen werden. Bis in das kommende Jahr hinein werden voraussichtlich in einigen Branchen Hygieneregeln die Umsatzentwicklung beeinträchtigen, so dass in diesen Sektoren die Erholung der Gewinnentwicklung sich über einen längeren Zeitraum hinziehen wird. Dazu gehören Teile des Einzelhandels, die Touristik und viele andere verbrauchernahe Dienstleistungen. Außerdem leiden einige Branchen unter der reduzierten Kaufkraft und Kaufbereitschaft der Konsumenten wie beispielsweise die Automobilindustrie. Zu guter Letzt wird durch die gedämpfte Nachfrageentwicklung seitens der Konsumenten auch die Investitionstätigkeit gemindert. Gleichzeitig werden wohl auch die Corona-Profiteure, also insbesondere die Internetunternehmen, eventuell eine Ernüchternungs- oder Normalisierungsphase erleben.

Insgesamt fällt es daher schwer, für 2021 wieder das Ertragsniveau von 2019 für die Unternehmen erwarten. Außerdem dürfte der Aktienmarkt aufgrund wechselnder Nachrichten über den Pandemieverlauf, die Entwicklung der Corona-Impfstoffe, die konjunkturfördernden Maßnahmen der Staaten und Notenbanken sowie nicht zuletzt die Handelskrise USA-China weiterhin größeren Kursschwankungen ausgesetzt sein. Vor diesem Hintergrund ist eine breite Diversifikation weiterhin zu empfehlen.

 

30.07.2020|Tags: , , , , , |

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