Immobilienboom vorbei?

1. Entwicklung vor Corona

Die Immobilienpreise in Deutschland kannten lange Zeit nur eine Richtung: Nach oben. Der Aufschwung dauert nun schon über 10 Jahre. Während der Aktienmarkt sich nach seinem Corona-Tief im März bereits wieder erholt hat, ist die Lage am deutschen Wohnimmobilienmarkt bisher wenig transparent.

Zunächst zeigt der Blick auf die Immobilienpreisentwicklung, dass sich die Preise für Neubauimmobilien und auch für Bauland bereits vor der Corona-Phase abgeflacht haben. Dass sich die Immobilienpreise für Neubauten zuerst abflachen, ist eine typische Entwicklung, da die Verkäufer von Neubauten oft hoch fremdfinanzierte Bauträger sind, die unter Verkaufsdruck stehen, während die Verkäufer von Bestandsimmobilien oft mehr Zeit haben und auch lange an hohen Preisvorstellungen festhalten.

 

Wohnimmobilienpreise in Deutschland

(indexiert; 2015=100; nur Baulandpreise 2010=100)

Anstieg der Neubauimmobilienpreis flacht sich ab

 

Quelle: Statistisches Bundesamt

 

2. Auswirkungen von Corona auf den Immobilienmarkt

Nach eher informellen Informationen haben sich in der Corona-Zeit zunächst sowohl viele Verkäufer als auch Käufer vom Markt zurückgezogen. Wie sich Corona insgesamt auf den Immobilienmarkt auswirkt, ist noch offen. Allerdings könnten folgende belastende Einflussfaktoren eine Rolle spielen:

 

  1. Die Anzahl der Neueinstellungen dürfte zunächst geringer sein als in normalen Zeiten. Da ein neuer Job häufig ein Grund für einen Immobilienkauf ist, fallen somit einige Käufer weg.
  2. Allgemein dürfte bei vielen Bundesbürgern noch unklar sein, wie es mit dem Arbeitgeber und dem eigenen Job weitergeht. Viele potentielle Immobilienkäufer werden daher Käufe oder Neubauvorhaben zurückstellen.
  3. Finanzierende Banken werden vermutlich Kreditanträge kritischer prüfen insbesondere im Hinblick auf die Jobsicherheit des Darlehensnehmers.
  4. Einige Selbständige und Unternehmer, deren Betrieb Corona-bedingt Ertragsprobleme bekommen hat, werden, um Geld zu beschaffen, den Verkauf von Wohnimmobilien in Betracht ziehen, insbesondere von Anlageimmobilien, die sie nicht selbst nutzen.

 

Auf der anderen Seite werden sicher auch Anleger aufgrund der noch expansiver gewordenen Notenbankpolitik längerfristig steigende Inflationsraten befürchten und daher bevorzugt in Immobilien investieren. Ob diese Inflationsangst berechtigt ist, ist aktuell schwer zu prognostizieren.

 

3. Auswirkungen von Corona auf den Mietmarkt

Kurzfristig wird die Nachfrage am Mietwohnungsmarkt sicher arbeitsmarktbedingt geringer sein als zuvor. Längerfristig wird allerdings mit einer Zuwanderung aus den besonders von Corona betroffenen EU-Ländern wie z.B. Spanien und Italien gerechnet, so dass in wenigen Jahren die Mietnachfrage noch höher sein könnte als vor der Corona-Zeit. Falls sich das Home Office mehr durchsetzen sollte, könnte dies zu einer höheren Wohnflächennachfrage pro Haushalt führen.

 

4. Fazit

Eine Abflachung des Immobilienpreisanstiegs war bei Neubauten und Bauland schon vor Corona zu  beobachten, nicht jedoch bei Bestandsimmobilien. In der nächsten Zeit ist ein gewisser „Dämpfer“ für den Wohnimmobilienmarkt realistisch. Ein größerer Einbruch erscheint jedoch nach wie vor unwahrscheinlich, weil die Nachfrage nach Wohnraum unverändert hoch ist und sogar eine verstärkte Zuwanderung aus EU-Ländern erwartet wird.

 

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