Familienunternehmen sind das bessere Investment

 

Studie zu Familienunternehmen

Unternehmen, die von einer Familie geführt werden, sind langfristig renditestärkere Anlagen als Firmen, die von anderen Investoren kontrolliert werden oder sich im Streubesitz befinden.

Eine im Harvard Business Review publizierte Studie analysierte 149 börsennotierte Unternehmen mit einem Jahresumsatz von über $1 Mrd., die von einer Familie (oder mehreren Familien) kontrolliert werden. Dabei hatten die Familien nicht unbedingt die Mehrheit am Kapital, aber dennoch entscheidenden Einfluss und sind auch persönlich im Management vertreten.  Zum Vergleich wurde – sozusagen als Kontrollgruppe – eine nach Ländern und Branchen ähnlich zusammengesetzte Gruppe von Unternehmen analysiert, die von keiner Familie kontrolliert werden. Betrachtet wurden in der Studie Unternehmen aus den Ländern: USA, Kanada, Frankreich, Italien, Spanien, Portugal und Mexiko.

 

Höhere und stabilere Eigenkapitalrendite

Die Studie ermittelte in den Jahren 1997-2009 eine Eigenkapitalrendite (Gewinn nach Steuern in % vom Eigenkapital) für die Familienunternehmen von durchschnittlich ca. 12%, für die Kontrollgruppe ca. 10%. Dabei war die Rendite der Familienunternehmen wesentlich stabiler als die der Kontrollgruppe. Während die Familienunternehmen in der Rendite im Aufschwung etwas zurückblieben, ging ihre Rendite in der Rezession weit weniger zurück. Die Autoren führen diese höhere und stabilere Rendite nach ihren Untersuchungen auf folgende Faktoren zurück:

 

1. Sparsamkeit

Familienunternehmen haben tendenziell weniger luxuriöse Firmenzentralen, bauen weniger „Wasserköpfe“ auf und wirtschaften auch sonst sparsamer. Dies führte auch dazu, dass sie in Rezessionen weniger Mitarbeiter entlassen mussten.

2. Selektiver bei Investitionen

Bevor Familienunternehmen investieren, verlangen sie, dass sich das eindeutig lohnt. Sie vergleichen mehr als andere Firmen mögliche Investitionsprojekte in verschiedenen Geschäftsbereichen in Konkurrenz miteinander und entscheiden sich für die vielversprechendsten. Sie lassen sich im Zweifel lieber Expansionschancen entgehen.

 

3. Zurückhaltender bei großen Firmenübernahmen

Sie scheuen große Übernahmen anderer Firmen. Was sie so zurückhaltend stimmt, ist sicher das Risiko, sich von Banken abhängig zu machen oder gar über Kapitalerhöhungen an Einfluss auf die Firma zu verlieren. Sie wollen aber auch vermeiden, dass sich die Unternehmenskultur durch Übernahmen zu stark verändert. Beliebt sind bei Familienunternehmen eher kleine, ergänzende Übernahmen, die leicht zu integrieren sind.

4. Vermeidung von Schulden

Familienunternehmen nehmen weniger Schulden auf, um den Banken möglichst wenig Einfluss zuzugestehen und um auch in schwierigen Zeiten finanziellen Spielraum zu haben.

5. Hohes Maß an Diversifikation

Ein höherer Anteil der Familienunternehmen ist breiter diversifiziert. Der Grund ist sicher die Bewahrung des Familienvermögens in Krisen. Dies hat sich in der Vergangenheit auch oft bewährt.

6. Sie sind internationaler

Sie sind stärker internationaler vertreten. Diese Marktpositionen im Ausland haben sie meist durch organisches Wachstum oder kleine lokale Übernahmen erreicht. Beim Schritt in neue Regionen haben sie oft viel Geduld. Ein familiengeführtes Konsumgüterunternehmen, das heute Weltmarktführer in seinem Markt ist, nahm es in Kauf, beim Aufbau des USA-Geschäfts über 20 Jahre Verluste zu erwirtschaften.

 

7. Sie können talentierte Mitarbeiter besser an sich binden

Die Personalfluktuation ist bei Familienunternehmen geringer. Dies wird allerdings nicht mit finanziellen Anreizen erreicht, sondern mit einer starken Unternehmenskultur und Loyalität sowie einer höheren Job-Sicherheit in Krisen. Außerdem investieren sie wesentlich mehr in die Weiterbildung ihrer Mitarbeiter.

 

Fazit

Familienunternehmen liefern im langjährigen Durchschnitt stabilere und höhere Erträge. Sie denken langfristiger und wollen die Firma oft auch für ihre Enkel erhalten. Sie sind bei Investitionen und Übernahmen viel vorsichtiger, weil sie sich nicht von Banken abhängig machen wollen und auch ihren Anteil am Unternehmen möglichst nicht über Kapitalerhöhungen reduzieren möchten. Profilierungssucht, die sich in Luxus und riskanten Übernahmen äußert, ist bei ihnen weniger ausgeprägt als bei anderen Unternehmen.

Bei börsennotierten Familienunternehmen haben Aktienanleger die Chance, als „Trittbrettfahrer“ am Erfolg dieser Familienunternehmen zu profitieren.

 

Quelle:

Nicolas Kachaner, George Stalk Jr., Alain Bloch; What you can learn from Family Business; Harvard Business Review, November 2012

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