Langfristige Folgen von Corona für die Wirtschaft

 

1. Spanische Grippe

Nach einer Studie von Robert Barro brach die Pro-Kopf-Wirtschaftsleistung in der Spanischen Grippe 1918-20 um 6% ein. Dies wurde danach nur teilweise aufgeholt. Ingesamt starben damals 2% der Weltbevölkerung, wobei die höchste Todesquote in der Altersgruppe von 18-44 Jahren verzeichnet wurde.  Daher reduzierte die Grippe auch erheblich die Anzahl der Arbeitskräfte.

 

2. Lockdown hat wirtschaftliche Vorteile

Die Studie von Emil Verner, Sergio Correia und Stephan Luck befasst sich mit den Auswirkungen der staatlichen Maßnahemn während der Spanischen Grippe. In den USA verhielten sich die Städte während dieser Pandemie unterschiedlich. Im Osten der USA, der zuerst von der Pandemie erfasst wurde, waren die Stadtpolitiker ziemlich unvorbereitet und ergriffen erst zu spät Maßnahmen. Da das Gesundheitssystem überfordert war, starben viele Menschen. Im Westen der USA wurden jedoch zumeist Schulen, Schwimmbäder und Bibliotheken geschlossen und öffentliche Veranstaltungen verboten sowie Quarantäne und Isolierung für bestimmte Bevölkerungsgruppen angeordnet. Die Städte im Westen praktizierten diesen Lockdown im Durchschnitt 50 Tage länger als die Ostküstenstädte. Längerfristig profitierten sie der Studie zufolge und erreichten eine im Durchschnitt um 6% höhere Industriebeschäftigung.

 

3. Langfristige Folgen für Arbeit und Kapital

Eine von der Federal Reserve Bank of San Francisco veröffentlichte Studie von Oscar Jorda beschäftigt sich mit den wirtschaftlichen Folgen der Pest um 1350 in Europa, verschiedener Pestepidemien in Italien, Spanien und London im 17. Jahrhundert, verschiedener Choleraepidemien im 19. Jahrhundert, der spanischen Grippe in 1918-20, der asiatischen Grippe in 1957 und der Hongkong-Grippe in 1968. Die wohl gravierendste Pandemie der Geschichte war die Pest im Mittelalter, der ca. ein Drittel der Bevölkerung zum Opfer fiel.

Die Folgen hielten nach diesen Pandemien über bis zu 20 Jahre an. Zum einen sanken nach der Studie von Oscar Jorda die realen Kapitalrenditen und Zinsen, da wohl im Verhältnis zu der reduzierten Bevölkerung ein Überangebot an Gütern, Wohnraum und Infrastruktur herrschte. Daher waren auch die Investitionen in den Folgejahren niedrig. Auf der anderen Seite stiegen die Reallöhne, d.h. die Löhne stiegen nach Abzug der Inflationsrate. Der Grund war, dass nach dem Tod vieler Erwerbstätiger die verbleibenden Arbeitnehmer in einer besseren Verhandlungsposition waren. Mit anderen Worten: Der Faktor Arbeit profitierte, der Faktor Kapital verlor.

 

4. Fazit

Diese Entwicklung bei Pandemien steht im Gegensatz zu Kriegen, in denen auch Kapital zerstört wird (Häuser, Industrieanlagen, Infrastruktur). Allerdings ist schon jetzt absehbar, dass in der aktuellen Pandemie zwar kein Sachkapital zerstört wird, dass jedoch durch den Stillstand viele Unternehmensinsolvenzen zu erwarten sind. Dies könnte zu Konzentration in gewissen Märkten führen und so zu geringerem Wettbewerb und steigenden Preisen.

Auf der anderen Seite wird in der aktuellen Pandemie die Zahl der Sterbefälle vermutlich wesentlich geringer sein als in den früheren Pandemien und nur zu einem kleinen Teil aus dem Kreis der Erwerbstätigen stammen. Daher sind die Auswirkungen der Sterbefälle auf den Arbeitsmarkt vermutlich fast unerheblich. Gleichzeitig erhöht sich die Zahl der Arbeitslosen massiv durch den Stillstand und durch Insolvenzen sowie durch Absatzprobleme infolge der reduzierten Kaufkraft.

Interessant ist jedoch, dass zur Zeit der spanischen Grippe in den USA allein durch das Verbot von Veranstaltungen, die Schließung von Schulen und öffentlichen EInrichtungen sowie durch Quarantäne und Isolation, also ohne Eingriffe in die Privatwirtschaft, bemerkenswerte Erfolge erzielt wurden.

 

Quellen:

FAZ vom 14. April 2020, S.18

 

„The Coronavirus and the Great Influenza Pandemic: Lessons from the ‚Spanish Flu‘ for the Coronavirus’s Potential Effects on Mortality and Economic Activity“ ,

Barro, Robert J., Ursúa, José F., Weng, Joanna, March 2020

 

 

Longer-Run Economic Consequences of Pandemics, Oscar Jorda, Sanjay R. Singh, and Alan M. Taylor, March 2020, Federal Reserve Bank of San Francisco Working Papers

 

 

Fight the Pandemic, Save the Economy, Lessons from the 1918 Flu, Emil Verner, Sergio Correra, Stephan Luck,  March 2020

 

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