Konjunkturerholung nach dem Lockdown

1. Rezession in 2020

Der IWF prognostiziert für 2020 in den Industrieländern eine tiefe Rezession. Sowohl in den USA als auch in der Eurozone wird mit einem BIP-Rückgang um mehr als 5% gerechnet. In Asien (hier: Indien, China und Ostasien) wird in 2020 noch mit einem leichten Wachstum gerechnet und in 2021 mit einer massiven Erholung.

Die Gründe für die Rezession sind sicher zum einen der „Lockdown“ in den jeweiligen Ländern, aber auch jeweils der Einbruch der Exportnachfrage aus den jeweils anderen Ländern und Regionen sowie die Störungen der globalen Lieferketten.

 

BIP-Veränderung in % ggü. Vorjahr

Rezession in 2020 Erholung in 2021

 

 

 

 

 

 

 

Quelle: IWF

 

2. Angebot und Nachfrage

Zunächst hat die „Corona-Rezession“ ja eher eine für eine Rezession eher untypische Ursache: Das Angebot in vielen Branchen wurde plötzlich unterbrochen,  während die Nachfrage ja vorhanden gewesen wäre. Daher sollte man eigentlich erwarten, dass bei Wiedereröffnung der Läden und Anbieter die Umsätze zumindest wieder auf Vor-Corona-Niveau steigen, vielleicht sogar verstärkt um einen Nachholeffekt. Allerdings sind bei vielen Arbeitnehmern und insbesondere Selbständigen die Einkommen zurückgegangen oder komplett weggefallen. Darunter leidet eindeutig die Kaufkraft, was sich wohl besonders bei langlebigen Wirtschaftsgütern wie Autos auswirken wird.

 

3. Die staatlichen Maßnahmen

Staatliche Programme helfen mittels Kurzarbeitergeld, die Einkommen der Arbeitnehmer zu stabilisieren. Während dies weitgehend gelingt, sieht es bei vielen Selbständigen wesentlich dramatischer aus, da hier der Ausgleich durch die staatliche Unterstützung meist weit unterhalb des bisherigen Einkommens liegt. Die staatlich geförderten Kredite helfen sicher Liquiditätsengpässe hinauszuschieben, müssen aber auch zurückgezahlt werden.

 

4. Erholung in China als „Vorbild“

China hat als Ursprungsland des Coronavirus den Lockdown früher eingeleitet und auch bereits wieder beendet. Interessant ist insbesondere die Erholungsphase nach dem Lockdown, da die Entwicklung in China sich auch in anderen Ländern wiederholen könnte. Zu beobachten ist, dass in den zuvor geschlossenen Bekleidungsläden und Drogeriemärkten der Andrang sehr hoch ist und die Umsätze sich schon massiv erholt haben. Anscheinend  wurden die Einkäufe weniger ins Internet verlagert, sondern teilweise aufgeschoben, so dass ein Nachholeffekt zu beobachten ist. Sehr schleppend erholt sich dagegen die Nachfrage nach langlebigen Wirtschaftsgütern wie Automobilen. Das Konsumentenvertrauen scheint sich erst langsam zu erholen. Am Wohnimmobilienmarkt ist die Nachfrage zunächst schleppend angelaufen, so dass die Verkäufer auch Preiszugeständnisse gemacht haben. Inzwischen befinden sich die Verkäufe aber immerhin wieder auf 40% des Vor-Corona-Niveaus.

 

5. Kommt Inflation oder Deflation?

Seit Bestehen der Europäischen Währungsunion hat die EZB ihr Inflationsziel von 2% p.a. weitgehend erreicht, obwohl insbesondere seit der Finanzkrise mit zusätzlich geschaffenen Instrumenten und einer Nullzinspolitik eine sehr expansive Geldpolitik betrieben wurde. Seit Beginn der Pandemie wurde die Geldpolitik noch expansiver gestaltet, vor allem durch die Ankündigung von Staatsanleihenkäufen in einem sehr hohen Volumen.

Aktuell erreichen die Rohstoffpreise Rekordtiefstände und auch in anderen Bereichen wie Möbel und Autos  dürfte es aufgrund der nachlassenden Nachfrage zu Preisdruck kommen.  Gleichzeitig sind deutliche Preissteigerungen bei Lebensmitteln und insbesondere bei Schutzmasken und Hygieneartikeln zu beobachten.

Ein Grund für höhere Inflation könnte ein vermindertes Angebot von Dienstleistungen sein. Wenn tausende Gastronomiebetriebe oder auch Hotels und Reiseanbieter aufgrund von Insolvenz schließen, könnten die verbleibenden das reduzierte Angebot für Preiserhöhungen nutzen. Dagegen spricht allerdings, dass vor allem die sogenannten Risikogruppen wohl vorerst nur sehr zurückhaltend diese Dienstleistungen nutzen werden.

Eine Knappheit von Vorprodukten könnte in global vernetzten Branchen angesichts des sicherlich nicht reibungslosen Anlaufens der Produktion in den globalen Lieferketten steigende Preise für Industrieprodukte verursachen.

Insofern sprechen eine Reihe von Argumenten jeweils für und gegen einen Anstieg der Inflationsrate, so dass die Entwicklung aktuell wohl besonders schwierig zu schätzen ist. Tendenziell ist jedoch zunächst ein Rückgang der Inflationsrate zu erwarten, zumal der Druck auf die Mieten nachlassen dürfte.

 

6. Fazit

Die weitere wirtschaftliche Entwicklung ist entscheidend abhängig von der Dauer der Lockdown-Maßnahmen. Falls die Lockdown-Maßnahmen in den kommenden Monaten zügig gelockert werden, ist eine allmähliche Konjunkturerholung zu erwarten. Positive Impulse kommen aktuell bereits aus China, während die Exportnachfrage aus Europa und den USA sich wohl erst zeitversetzt wieder beleben dürfte. Die Erholung der Inlandsnachfrage wird durch die reduzierte Kaufkraft gebremst, während wohl nur in Teilbereichen wesentliche Nachholeffekte auftreten werden.

28.04.2020|Tags: , , |

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