Weltkonjunktur und Coronavirus

1.Konjunkturerholung verschoben

Die Weltkonjunktur sollte sich eigentlich nach einer Delle in 2019 im laufenden Jahr wieder erholen. Der IWF (Internationaler Währungsfonds) erwartete zu Jahresanfang, dass sich das BIP-Wachstum weltweit von 2,9% in 2019 auf 3,3% in 2020 erholt. Dieses Bild hat sich nun wesentlich verändert, vor allem durch den Coronavirus.

 

2. Coronavirus bremst chinesische Wirtschaft

Bisher gibt es nur wenige Daten über die Auswirkungen des Coronavirus auf die Wirtschaft. In China ist in den ersten zwei Februarwochen der Autoabsatz um 92% eingebrochen. Es wird vermutet, dass der private Konsum in China im ersten Quartal zurückgeht und das BIP insgesamt gegenüber dem Vorjahresquartal stagniert. Für das gesamte Jahr 2020 ist bereits die BIP-Wachstumsprognose für China von 5,5% auf 4,5% reduziert worden.

 

3.  Stärkere Auswirkung als bei SARS zu erwarten

Da die Lungenkrankheit SARS in 2003 auch von China ausging, wird diese Pandemie gerne mit der aktuellen verglichen. Allerdings sollte dabei berücksichtigt werden, dass China in 2003 5% der globalen Wertschöpfung generierte und in 2019 knapp 30%. Zudem sind die Volkswirtschaften global inzwischen viel stärker vernetzt als damals. Von vielen Produkten, die in den Industrieländern hergestellt werden, stammen Einzelteile aus China. Enorm groß sind auch die Abhänigkeiten zwischen den asiatischen Ländern. So stammen 60% der Computerbauteile für Indien aus China. In Vietnam, Südkorea und Japan stammen 40% aller Importe, die hier weiterverarbeitet werden, aus China. Standard& Poor’s hat daher die Wachstumsprognose für die Region Asien-Pazifik um 0,5% auf 4,3% für 2020 reduziert.

 

4. Auch deutsche Unternehmen erheblich betroffen

Nach Umfragen der deutschen und chinesischen Handelskammern (FAZ vom 28.2.) erwartet ein Viertel der in China tätigen deutschen Unternehmen einen Umsatzrückgang um mehr als 20%. Bei einigen deutschen Unternehmen sind mittlerweile weltweite Reiseverbote in Diskussion. Messen und Konferenzen werden entweder abgesagt, in kleinerem Rahmen oder online abgehalten.

 

5. Fazit

Die wirtschaftlichen Auswirkungen der Coronavirus-Epidemie sind sehr schwierig abzuschätzen. Allerdings steht schon jetzt fest, dass sie sich auch in Europa deutlich auf das Wirtschaftswachstum auswirken wird.

Zu den wichtigsten Einflüssen gehören:

  1. Die Unterbrechung von Lieferketten
  2. Umsatzausfälle im chinesischen Markt
  3. Wegbleiben chinesischer Touristen
  4. Allgemeine Zurückhaltung bei Dienstreisen und im Tourismus
  5. Zurückhaltung bei der Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel

Da die Weltwirtschaft in den letzten Jahrzehnten viel arbeitsteiliger und die Lieferketten viel komplexer geworden sind, ist auch die Anfälligkeit für Unterbrechungen erheblich gestiegen. Zudem erleichtert der gegenüber früheren Zeiten viel umfangreichere Reiseverkehr die Verbreitung der Krankheit.

28.02.2020|

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