Investition in Bildung lohnt sich

1. Studie zur Bildungsrendite

Das Institut für Angewandte Wirtschaftsforschung in Tübingen hat kürzlich eine Studie zum Thema „Lebenseinkommen von Berufsausbildung und Hochschulstudium im Vergleich“ veröffentlicht. Die dieser Studie zugrundeliegenden statistischen Daten umfassen alle sozialversicherungspflichtig Beschäftigten im Alter von 16-65 Jahren im Zeitraum 1975-2014 (Ostdeutschland 1991-2014).

Von den betrachteten Personen blieben am Ende ihres Berufslebens 5,9% ohne Berufs- oder Studienabschluss. 71,3% haben eine abgeschlossene Berufsausbildung, 8,9% einen Abschluss als Meister oder Techniker. 14,0% haben als höchsten Bildungsabschluss einen Hochschulabschluss.

 

 

2. Lebenseinkommen

Bei den (preisbereinigten) Lebenseinkommen gibt es interessante Unterschiede (siehe Grafik). So liegt das Lebenseinkommen der Gruppe „mit Hochschulabschluss“ bis zum Alter von 30 Jahren unter allen anderen Gruppen, da während des Studiums meist nur ein geringes Einkommen erzielt werden kann. Das Lebenseinkommen dieser Gruppe übertrifft erst ab dem Alter von 60 Jahren auch das der Gruppe Meister/ Techniker.

 

Lebenseinkommen nach Bildungsabschluss

in €  (von Alter 16 Jahre bis zum angegeben Alter)

 

Erst ab 60 verdienen Akademiker insgesamt mehr als Meister

 

 

 

 

 

 

 

 

Personen mit Berufsausbildung sind bereits ab dem Alter von 30 Jahren im Vergleich zu denen ohne Abschluss klar im Vorteil, Gleichzeitig scheint es, wie die Wissenschaftler zusätzlich berichten, auch von Wert zu sein, ein Hochschulstudium zu beginnen, auch wenn man es nicht abschließt. Dies ist bei einer angefangenen, aber nicht abgeschlossenen Berufsausbildung, nicht der Fall.

 

 

3. Barwerte der Lebenseinkommen

Um zu beurteilen, welche Ausbildung sich insgesamt finanziell lohnt, wurden die Barwerte der Lebenseinkommen berechnet. Dabei werden die Lebenseinkommen von 16 bis 65 mit verschiedenen Zinssätzen abdiskontiert. Das bedeutet, es wurde aus der Perspektive der 16-Jährigen, die ja noch die Entscheidung über ihren Bildungsweg zu treffen haben, berechnet, wieviel sie an Lebenseinkommen, abgezinst auf den Zeitpunkt, zu dem sie 16 Jahre alt sind, zu erwarten haben.

 

Barwerte der Lebenseinkommen nach Bildungsabschluss

in €

 

Meister und Akademiker verdienen am meisten

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Es kann sicher nicht objektiv entschieden werden, welcher Zinssatz für die Abzinsung der richtige ist. Allerdings ist die Reihenfolge in der „Rangliste“ der Bildungsabschlüsse ohnehin für alle aufgeführten Zinssätze gleich. Es ergibt sich zunächst, dass Personen ohne abgeschlossene Berufsausbildung das niedrigste Lebenseinkommen erzielen. Interessant ist, dass das Einkommen der Meister/ Techniker sogar einen höheren Barwert ergibt als das der Hochschulabsolventen. Dies hängt wohl damit zusammen, dass, wie unter 2. beschrieben, die Meister/ Techniker in den ersten Jahrzehnten einkommensmäßig im Vorteil sind, so dass deren Einkommen weniger lang abdiskontiert werden muss als das der Hochschulabsolventen, die am Anfang ihrer Laufbahn erst mehrere Jahre studieren müssen.

 

 

4. Fazit

Das Ergebnis ist, dass sich Bildung lohnt, ob Berufsausbildung oder Hochschulstudium, selbst ein nicht abgeschlossenes Hochschulstudium. Besonders interessant ist, dass ein Abschluss als Meister/ Techniker finanziell betrachtet mit einem Hochschulabschluss zumindest bei dieser pauschalen Betrachtung in etwa gleichwertig ist.

 

 

Quelle:

Projektbericht an den Baden-Württembergischen Industrie- und Handelskammertag (BWIHK)
Lebenseinkommen von Berufsausbildung und Hochschulstudium im Vergleich
Eine empirische Analyse von Erwerbsbiografien in Deutschland

Dr. Tobias Brändle, Philipp Kugler und Anne Zühlke
unter Mitarbeit von Armin Hackenberger, Manuel Schick und Susanne Vögele
Institut für Angewandte Wirtschaftsforschung e.V.
an der Universität Tübingen, 2019

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