Kapitalmärkte 2019-Rückblick und Ausblick

1. Rückblick Kapitalmärkte 2019

Der Zinsrückgang an den Anleihemärkten, der aufgrund der Konjunkturabschwächung im 2. Halbjahr 2018 in Gang kam, setzte sich im 1. Halbjahr 2019 fort. Zur Jahreswende 2018/2019 änderten auch die Notenbanken der USA und der Eurozone ihre Zinspolitik und gaben ihre Zinserhöhungsabsichten auf. In der Folge kam es sogar wieder zu Zinssenkungen. Die EZB nahm zusätzlich wieder die Rückkäufe von Anleihen aus dem Kapitalmarkt auf, um die Geldpolitik noch expansiver zu gestalten, als es rein durch ihre Nullzinspolitik möglich wäre.

Die Konjunkturprognosen wurden Ende 2018 und in 2019 wieder nach unten revidiert und die Zeichen einer Wachstumsverlangsamung wurden immer eindeutiger. Die im Herbst 2018 an den Märkten umlaufenden Rezessionsängste haben im Verlauf des Jahres 2019 immer mehr nachgelassen.

Nach dem Einbruch der Aktienmärkte Ende 2018 kam es in 2019 zu einer massiven Erholung, die in den USA, Europa und den Schwellenländern zu beobachten war. Grund für die Erholung dürfte das Nachlassen der wohl übertriebenen Rezessionsängste und die entschlossene Wende der Notenbankpolitik Richtung Zinssenkung gewesen sein. Die Entwicklung der Unternehmensgewinne erfüllte auch weitgehend die Erwartungen der Investoren. Am US-Aktienmarkt nahmen, abgesehen vom Ölsektor, die meisten Sektoren an dem Kursaufschwung teil. In Europa und insbesondere in Deutschland wurde die Gewinn- und Kursentwicklung der Branchen Automobil und Maschinenbau durch den Handelskrieg und die Zurückhaltung der Konsumenten beim Autokauf und der Industrie bei Investitionen beeinträchtigt.

Der Goldpreis profitierte von den wieder leicht steigenden Inflationserwartungen, der zunehmenden politischen Unsicherheit und den umfangreichen Goldkäufen durch mehrere Notenbanken.

 

Wertentwicklung der Kapitalmärkte in %

Aktien und Gold steigen stark in 2019

 

 

 

 

 

 

 

 

2. Rückblick Musterdepots

Beide Musterdepots haben nach Verlusten im Vorjahr in 2019 einen massiven Wertzuwachs gezeigt. Selbst wenn die Jahre 2018 und 2019 zusammen betrachtet werden, zeigt sich immer noch eine Wertentwicklung von über 20%. Dabei trugen die Aktienmärkte der USA, Europas und in etwas geringerm Maße die der Schwellenländer bei. Die Wertentwicklung der beiden Musterdepots in 2019 lag bei 32,4% und bei 30,4%.

 

Wertentwicklung der Musterdepots in %

 

Beide Musterdepots zeigen 2019 starken Kursanstieg

 

 

 

 

3. Kapitalmarktausblick

Nach der Abschwächung der Weltkonjunktur bis weit in das Jahr 2019 haben sich die Konjunkturindikatoren stabilisiert. Allerdings ist es zu früh, von einer wirklichen Konjunkturerholung zu sprechen. In den USA und in der Eurozone wird in 2020 mit einem BIP-Wachstum zwischen 1 und 2% gerechnet. Währenddessen hat auch das Wachstum in China eher nachgelassen und könnte aufgrund der Verbreitung des Coronavirus weiter nachgeben. Gleichzeitig leidet Indien zunehmend an strukturellen Problemen wie der hohen Verschuldung von Unternehmen und Problemen im Bankensektor. Auch der Ausgang des Handelskrieges ist weiter ungewiss.

Insgesamt ist wohl eher mit einem sehr moderaten Wachstum der Weltwirtschaft zu rechnen. Die Notenbanken sind angesichts der bereits sehr niedrigen Zinsen kaum noch in der Lage, das Wachstum „anzukurbeln“. Am ehesten ist in den USA noch eine leichte weitere Lockerung der Notenbankpolitik zu erwarten.

Nach dem Kursanstieg an den Aktienmärkten in 2019 ist die Bewertung wieder deutlich angestiegen. Daher ist der Markt auch wieder anfälliger für Kurskorrekturen geworden.

 

4. Fazit

Aufgrund des wieder höheren Bewertungsniveaus am Aktienmarkt und der nach wie vor sehr gedämpften Entwicklung der Weltkonjunktur sind Rückschläge wieder wahrscheinlicher geworden. Daher sollten Neuanlagen eher zeitlich verteilt werden. Zu empfehlen ist nach wie vor eine breite globale Diversifikation der Aktienanlagen. Bei Anleihen sind aufgrund des wieder erreichten sehr niedrigen Zinsniveaus eher Kursverluste zu erwarten und auf den Bankkonten bleiben die Zinsen vorerst noch gering.

 

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