Auswirkungen des Handelsstreites auf die Wirtschaft

Die Deutsche Bundesbank hat kürzlich in einer Studie die Auswirkungen des zunehmenden Protektionismus und insbesondere des Handelsstreits der USA mit China und der EU untersucht. Sie kam dabei zu folgenden Erkenntnissen:

 

1. Rückgang der Warenströme in beide Richtungen

Die US-Importe aus der VR China sanken seit Beginn der Handelsauseinandersetzungen um mehr als 20%. Ähnlich stark war der Rückgang der chinesischen Importe aus den USA. Dabei war allerdings der Handel zwischen China und USA mit den von den Handelsauseinandersetzungen nicht betroffenen Produkten kaum verändert, ging also nicht zurück.

 

2. Preissteigerungen für die betroffenen Produkte

Bei den Produktgruppen, die von den Importzöllen betroffen sind, waren bereits erhebliche Preissteigerungen zu beobachten. Dadurch stieg die Inflationsrate in den USA insgesamt. Die Folge war die Erhöhung der Notenbankzinsen und die Aufwertung der Währung. Durch diese beiden Effekte wurde die Konjunktur abgebremst, wodurch insgesamt das Wirtschaftswachstum trotz anfänglicher Produktionssteigerungen für die entsprechenden Produkte (durch Ausweichen der Konsumenten von Importprodukten auf Inlandsprodukte) abnimmt.

 

3. Zölle auf Vorprodukte negativer als auf Konsumgüter

Besonders negativ wirken Zollerhöhungen auf Vorprodukte wie z.B. Stahl oder Autoteile oder Computerchips, da dann auch die davon abhängigen inländischen Konsumgüter im Preis steigen und gegenüber ausländischen Konsumgütern weniger attraktiv werden.

 

4. Abnehmende Investitionstätigkeit

Aufgrund der Unsicherheit bezüglich der Handelsauseinandersetzungen kam es zu einem Rückgang der Produktion an Investitionsgütern wie z.B. Maschinen in den USA.

 

5. Keine „lachenden Dritten“

Bei den bisherigen Handelsauseinandersetzungen zwischen China und den USA gab es keinen „lachenden Dritten“.  Dies bedeutet, dass an den Handelsauseinandersetzungen nicht beteiligte Staaten auch nicht profitierten.

 

6. Fazit

Die Handelsauseinandersetzungen haben für die USA kurzfristig in Teilbereichen zu Produktionssteigerungen geführt, insgesamt jedoch zu steigender Inflation, einer restriktiveren Geldpolitik der Notenbank, einer Aufwertung der Währung (vor allem gegenüber den Schwellenländern) und zu einem verlangsamten Wirtschaftswachstum. Besserungen beim Handelsbilanzdefizit und am Arbeitsmarkt waren nicht zu beobachten. Allerdings gab es auch keine „lachenden Dritten“; Drittländer profitierten auch nicht, sondern müssen in Einzelfällen sogar Nachteile hinnehmen. Ein Beispiel ist die Zusage von China, mehr Sojabohnen aus den USA zu importieren. Dies benachteiligt andere Lieferanten wie Südamerika, die „nicht mit am Tisch saßen“.

 

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Quelle: Folgen des zunehmenden Protektionismus, Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Januar 2020

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