250 Jahre Pfandbrief

1. Der Pfandbrief wird dieses Jahr 250 Jahre alt

1769 schafft Friedrich der Große, König von Preußen, per Kabinettsorder die Grundlage für die Ausgabe der ersten Pfandbriefe. Sie sollen die Kreditwürdigkeit adeliger Großgrundbesitzer wiederherstellen und die durch den Siebenjährigen Krieg und eine schwere Finanzkrise in Mitleidenschaft geratene Landwirtschaft wiederbeleben. 1770 wurde mit der Gründung der Schlesischen Landschaft sozusagen die erste Pfandbriefbank gegründet.

Finanziert wurde also damals vor allem die Landwirtschaft. Die Anleger, also die Käufer der Pfandbriefe stammten vorwiegend aus dem aufkommenden Bürgertum. Heute dient der Pfandbrief in erster Linie der Finanzierung von Wohn- und Gewerbeimmobilien sowie der Schulden der Kommunen und Bundesländer.

In anderen europäischen Ländern wurden in jüngster Zeit auch dem Pfandbrief angenäherte Wertpapiere geschaffen. In 2019 wurde der rechtliche Rahmen für Pfandbriefe in Europa nach deutschem Vorbild harmonisiert.

Bemerkenswert ist, dass es in der Geschichte des Pfandbriefes nie zu einem Ausfall kam.

 

2. Struktur einer Pfandbriefbank

Die emittierende Bank, also die Bank, die die Pfandbriefe ausgibt, muss über eine geeignete Deckungsmasse verfügen. Wenn beispielsweise €60 Mio. Hypothekenpfandbriefe ausgegeben werden, muss eine Deckungsmasse von mindestens € 100 Mio. Hypothekendarlehen vorhanden sein. Sie kann also nur für bis zu 60% der beliehenen Immobilien, die sich in der Deckungsmasse befinden, Pfandbriefe ausgeben. Die Deckungsmasse wird dann vom Treuhänder für diese Pfandbriefemission gesperrt. Der Treuhänder muss jede Entnahme aus der Deckungsmasse genehmigen. Dies geschieht natürlich laufend, da Darlehen laufend fällig oder auch sonst zurückgezahlt werden und dann andere Darlehen in die Deckungsmasse aufgenommen  werden.

Wenn die Pfandbriefbank in Konkurs gehen sollte, ist das für die Anleger, die Pfandbriefe erworben haben, zunächst einmal kein eigentliches Problem. Die Deckungsmasse, die für ihre Pfandbriefe vorgehalten wird, fällt nicht in die Konkursmasse der Pfandbriefbank. Zu einem Ausfall kommt es nur, wenn die Deckungsmasse nicht ausreichen sollte, um den Pfandbriefinhabern ihre Forderungen zu begleichen.  In dem obengenannten Fall würden also € 100 Mio. Immobilienwert als Sicherheit für € 60 Mio. Pfandbriefe zur Verfügung stehen. Es besteht also ein erheblicher Sicherheitspuffer von 40%. Nur wenn also die Immobilien mehr als 40% an Wert verlieren, würde es zu einem (zunächst aber teilweisen) Ausfall kommen. Zudem besteht innerhalb der Deckungsmasse eine Diversifikation (Risikostreuung), so dass selbst einige Totalausfälle von einzelnen Enddarlehensnehmern kein Problem darstellen würden.

 

PfandbriefartDeckungsmasseAusgabe von Pfandbriefen für bis zu ...% der Deckungsmasse
HypothekenpfandbriefeHypothekendarlehen für Wohnimmobilien oder Gewerbeimmobilien60%
Öffentliche PfandbriefeDarlehen an Kommunen oder Bundesländer100%
SchiffspfandbriefeSchiffshypotheken60%
FlugzeugpfandbriefeFlugzeughypotheken60%

 

 

Pfandbriefbanken sind grundsätzlich normale Banken, die zusätzlich die Erlaubnis erhalten haben, das Pfandbriefgeschäft zu betreiben. Sie betreiben auch beispielsweise normales Firmenkreditgeschäft, wofür sie jedoch keine Pfandbriefe ausgeben dürfen.

 

3. Pfandbrief als Anlage

Pfandbriefe können neben Bundesanleihen und Länderanleihen als die sichersten deutschen Anleihen bezeichnet werden. Entsprechend ist jedoch auch ihre Verzinsung aktuell kaum höher als die von Bundesanleihen. Für Anleger, die größere Beträge sicher und liquide anlegen möchten und nicht alles auf dem Bankkonto lassen wollen, sind diese Papiere eventuell eine Alternative.

Ein relativ neues Marktsegment ist der grüne Pfandbrief. Hier sind die Standards der einzelnen Pfandbriefbanken jedoch unterschiedlich. Ein wichtiges Kriterium bei gründen Hypothekenpfandbriefen sind die CO2-Emissionen der finanzierten Gebäude, gemessen beispielsweise an den Angaben im Gebäudeenergieausweis.

 

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30.09.2019|Tags: , , , |

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