Diversifikation – wo lohnt sie sich?

1. Warum Diversifikation (Risikostreuung)?

Normalerweise gilt in der Kapitalanlage, dass eine höhere Rendite oder Renditechance mit einem höheren Risiko einhergeht. Eine Möglichkeit, dieses erhöhte Risiko zu vermindern, ist die Diversifikation (Risikostreuung). Ich habe hier zusammengestellt, wo sich Diversifikation lohnt.

 

2. Diversifikation auf Einzelaktienniveau

Die naheliegende Art der Diversifikation ist zunächst die Diversifikation innerhalb des Aktiendepots. Eine US-Studie hat ergeben, dass in den US-Aktiendepots im Durchschnitt 3-4 verschiedene Aktien liegen. Diese sind zudem noch oft in einem Marktsegment konzentriert. Diese Studie wie auch viele andere zeigen, dass mit einer Streuung auf 20 Aktien schon der größte Teil der erreichbaren Diversifikation auf Einzelaktienniveau erreicht werden kann. Eine noch bessere Diversifikation kann mit 50 oder sogar 200 Aktien erreicht werden, wobei dann allmählich der zusätzliche Diversifikationsnutzen abnimmt.

 

3. Diversifikation nach Branchen/ Sektoren

Die nächste, auch sehr bedeutende Art der Diversifikation ist die Streuung des Aktiendepots auf verschiedene Branchen/ Sektoren. Mit dieser wird oft ein größerer risikosenkender Effekt erzielt als mit der Streuung nach Ländern, da die Wirtschaft international sehr eng verzahnt ist, während die Branchen/ Sektoren oft ihr „Eigenleben“ führen und sich untereinander oft sehr unterschiedlich entwickeln.

4. Diversifikation nach Ländern und Währungsräumen

Die Diversifikation nach Ländern ist auch sehr von Vorteil, insbesondere dann, wenn sie sich  über andere Währungsräume verteilt. Währungen verhalten sich oft im Vergleich zu Aktienmärkten anders (steigen und fallen in anderen Marktphasen als die Aktienmärkte) und wirken daher oft diversifizierend. Dies ist sicher auch ein Argument dafür, die Aktienanlagen auch in die USA und die Schwellenländer hinein zu diversifizieren und nicht auf die Eurozone zu konzentrieren. Zum Thema geographische Diversifikation lesen Sie bitte auch: Anlagestrategie und Kapitalmärkte – Rückblick auf das 1.Halbjahr 2019 und Ausblick . Sie können dort die unterschiedliche Entwicklung verschiedener Kapitalmärke sehen.

 

5. Diversifikation nach Fondsmanagern

Wenn man für die Aktienanlage aktive Aktienfonds auswählt, liegt es nahe, nach aktiven Managern zu diversifizieren, also Fonds von unterschiedlichen Fondsmanagern zusammenzustellen. Hier wurde allerdings in einer Studie festgestellt, dass eine breite Diversifikation nach Fondsmanagern dazu führt, dass sich die „Wetten“ dieser Manager, also deren Abweichung vom Index in ihren einzelnen Aktien im Fonds, teilweise gegenseitig ausgleichen, so dass der Anleger am Ende ein Depot hat, das von der Struktur her viel näher am Index liegt als die einzelnen Fonds, obwohl der Anleger für diese Fondsmanager hohe Gebühren zahlt. Daher sind für eine effiziente Diversifikation eher ETFs vorzuziehen, die eventuell durch eine sehr gezielte Auswahl von aktiv verwalteten Fonds ergänzt werden.

 

6. Diversifikation nach Anlageklassen

Wenn wir Aktien aufgrund ihres Renditepotentials als die zentrale Anlageart des Depots betrachten, zeigt sich, dass andere Anlageklassen, die diversifizierend wirken, also die Wertschwankungen des gesamten Depots mindern, aus verschiedenen Gründen auch ein geringeres Renditepotential aufweisen als Aktien, also die Rendite des Gesamtdepots auch mindern.

6.1. Festgeld und Euro-Anleihen von Schuldnern guter Bonität bieten aktuell nur einen sehr geringen Zinsertrag

6.2. Rohstoffe sind zwar wenig korreliert mit Aktien, d.h. die Rohstoffpreise steigen und fallen meist zu anderen Zeiten als die Aktienkurse; allerdings kann man aus Rohstoffen keine laufenden Erträge wie Zinsen und Dividenden erzielen

6.3. Die sogenannten alternativen Anlageklassen wie Unternehmensbeteiligungen, Schiffsbeteiligungen, Infrastrukturanlagen oder Hedge Fonds sind für Privatanleger meist nur über geschlossene Fonds zugänglich; dieser Markt ist bekannt für seine hohen Gebühren, seine geringe Transparenz und den hohen Anteil unseriöser Anbieter. In geringem Umfang sind die alternativen Anlageklassen auch als börsennotierte Aktien zugänglich.

6.4. Zu guter Letzt sollen hier die Immobilien erwähnt werden, die auf Anlagewissen.com oft Thema sind; neben der Direktanlage in (deutsche) Immobilien eignen sich insbesondere Immobilienaktien und REITs als Anlageinstrument im Immobilienmarkt. In den USA und einigen europäischen Ländern gibt es eine gute Auswahl qualitativ guter REITs (Real Estate Investment Trust)

 

7. Fazit

Diversifikation (Risikostreung) ist die Pflicht eines jeden Anlegers. Die Diversifikation nach Einzelaktien (mindestens 20 Aktien), nach Branchen/ Sektoren und nach Ländern/Währungsräumen ist eigentlich selbstverständlich. Anleihen und Termingeld, die eigentlich stabilisierend für ein Depot wirken, bieten aktuell nur sehr niedrige Zinsen. Die Beimischung alternativer Anlageklassen wie Beteiligungen und Infrastruktur ist zwar theoretisch sinnvoll, für Privatanleger meist jedoch nur über geschlossene Fonds zugänglich, die zahlreiche Nachteile haben. Immobilien sind neben dem Direktkauf auch über eine große Anzahl von REITs aus verschiedenen Ländern zugänglich, die meist selbst bereits eine gewisse Streuung von Immobilien beinhalten (siehe REITs-Immobilien im Depot). Für jeden Anleger ist aber selbstverständlich ein auf seine individuellen Bedürfnisse zugeschnittenes Liquiditätspolster zwingend (siehe Bestandsaufnahme)

Last but not least sollte beachtet werden, dass die Diversifikation der Aktienanlagen, auch wenn sie sehr sinnvoll ist, meist gerade dann versagt, wenn sie am dringendsten gebraucht wird: In Krisenzeiten. Gerade in Marktphasen mit stark fallenden Aktienkursen nehmen die Korrelationen zwischen Aktien und Aktienmärkten stark zu, weil dann „jeder zum Ausgang rennt“. Nur durch die Konzentration auf qualitativ gute Aktien/ Unternehmen kann man dafür sorgen, dass die Aktien im Depot auch Krisen überstehen und die Kurse sich wieder erholen, weil die Unternehmen solide sind.

Wer seine Aktienanlage mit ETFs umsetzt, kann die Diversifikation viel einfacher erreichen. Dabei sollte jedoch darauf geachtet werden, dass das Depot dann nicht nur aus Themen- oder Sektor-ETFs besteht, die wenig diversifiziert sind. Der Schwerpunkt sollte daher auf breit diversifizierte ETFs gelegt werden.

 

 

Quellen:

When Diversification fails; Sebastien Page and Robert A. Panareillo; Financial Analysts Journal Q3 2018

The Diversification Puzzle; Meir Stratman; Financial Analysts Journal Juli 2004

What free Lunch? The costs of Overdiversification; Shaen Mc Kay, Robert Shapiro and Ric Thomas; Financial Analysts Journal Q1 2018

Fees eat diversification’s lunch; William W. Jennings and Brian C. Payne; Financial Analysts Journal March 2016

 

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