Wie ist die gute Performance von Warren Buffett eigentlich entstanden?

1. Prinzipien von Warren Buffett und Charlie Munger

Viele haben sich bereits mit der Anlagestrategie von Warren Buffet und Charlie Munger, den erfolgreichsten Investoren der Welt, befasst. Warren Buffet und sein Freund und Partner Charlie Munger leiten seit ca. 50 Jahren die Beteiligungsgesellschaft Berkshire Hathaway. Ihre Anlagestrategie lässt sich wie folgt beschreiben:

  • Beschränkung auf Unternehmen im „Circle of Competence“, also auf Branchen oder Bereiche, in denen die beiden Partner sich auskennen
  • Auswahl von Unternehmen mit nachhaltigem Wettbewerbsvorteil, beispielsweise durch eine hervorragende Marke (Coca Cola) oder ein Monopol (Eisenbahngesellschaft) oder durch hohe Markteintrittsbarrieren (einzige Zeitung in einer mittelgroßen Stadt)
  • Auswahl von Unternehmen mit hoher Kapitalrendite, die also einen hohen Gewinn im Verhältnis zum eingesetzten Kapital erwirtschaften
  • Auswahl von Unternehmen mit erstklassigem Management, das sein Geschäft sehr gut versteht und ehrlich, kompetent und langfristig orientiert ist
  • Auswahl von Unternehmen mit solider Bilanz, also nicht zu hohen Schulden
  • Kauf von Unternehmen, die niedrig bewertet sind, also eine „Sicherheitsmarge“ aufweisen; diese Sicherheitsmarge von z.B. 30% reduziert das Risiko, dass die Aktie nach dem Kauf noch erheblich im Kurs fällt

 

Diese Prinzipien, die die beiden Partner seit Jahrzehnten vertreten und auch anwenden, sind allgemein bekannt. Allerdings wurde bisher weniger untersucht, ob die hervorragende Wertentwicklung der Berkshire Hathaway – Aktie auf diese Prinzipien zurückzuführen war oder auf andere Faktoren. Bei vielen Fondsmanagern gehen nämlich Theorie und Praxis weit auseinander.

 

2. Analyse der Wertentwicklung von Berkshire Hathaway

In einem Artikel im Financial Analysts Journal unter dem Titel Buffett´s Alpha wurde dies analysiert.

Im Vergleich zu Fondsmanagern lag Warren Buffett im Betrachtungszeitraum unter den besten drei Prozent der vergleichbaren US-Fondsmanager, wobei die anderen alle nur für wesentlich kürzere Dauer für einen Fonds „im Amt“ waren.

Von 1976 bis 2017 lag die Wertentwicklung der Berkshire Hathaway-Aktie bei 22% pro Jahr. Aus einem Dollar damals wurden also $ 3.685.

Die Wertentwcklung von Berkshire Hathaway wich allerdings zeitweise erheblich vom Aktienmarkt ingesamt ab. So hat die Aktie von Berkshire in 1998-2000 während der Technologie-Euphorie an den Aktienmärkten 44% verloren, während der Aktienmarkt 32% stieg. Das bedeutet, dass Berkshire in dieser Phase um 76% „hinter dem Markt“ war. Normale Fondsmanager hätten in dieser Zeit vermutlich ihren Job verloren. Warren und Charlie zeigten jedoch nicht nur Durchhaltevermögen und hielten an ihren Prinzipien fest, sondern konnten sich dies auch leisten, da Berkshire zum großen Teil ihre eigene Firma war.

Die Wertschwankungen von Berkshire Hathaway waren, gemessen an der Volatilität, deutlich höher als die des Gesamt-Aktienmarktes. Die Volatilität lag bei 23,5% p.a. im Vergleich zu 15,3% p.a. im Index. All dies störte die beiden Partner nicht, da sie sich ihrer Sache sicher waren.

 

3. War die gute Wertentwicklung auf die Prinzipien zurückzuführen?

Bei der genaueren Analyse wurde festgestellt, dass Berkshire Hathaway Unternehmen mit folgenden Eigenschaften im Portfolio hatte:

  • „Sichere Aktien“, also Aktien mit unterdurchschnittlichen Kursschwankungen (niedrigerer Volatilität)
  • Aktien von Unternehmen hoher Qualität, also Unternehmen, die eine hohe Rendite auf das eingesetzte Kapital erwirtschaften, deren Gewinnentwicklung stabil und tendenziell steigend ist sowie tendenziell eine hohe Dividende ausschütten
  • Aktien, die günstig bewertet sind (Value-Aktien)
  • Aktien die weniger mit dem Gesamt-Aktienmarkt schwanken (niedriges Beta). Das niedrige Beta zeigt sich so, dass die Aktien bei einem Indexanstieg oder –rückgang um 30% z.B. nur um 20% steigen bzw. fallen.

Insgesamt lässt sich also, soweit rechnerisch möglich, bestätigen, dass die Prinzipien der beiden Partner erheblich zum Anlagerfolg beigetragen haben.

 

4. Hebelwirkung durch Versicherungsgeschäft

Außerdem wurde festgestellt, dass Berkshire Hathaway das eigene Versicherungsgeschäft nutzt, um zusätzlich in Aktien zu investieren. Die konzerneigenen Versicherungsgesellschaften verfügen über hohe Rückstellungen für die Bezahlung zukünftiger Versicherungsschäden. Von diesem Geld, das rein theoretisch nur vorübergehend zur Verfügung steht, bleibt jedoch erfahrungsgemäß ein Teil („Bodensatz“) lange im Unternehmen. Dieser Teil der Rückstellungen wird in Aktien investiert und steigert somit die Wertentwicklung zusätzlich. Dadurch entstand eine Hebelwirkung, bezogen auf das eingesetzte Kapital (Leverage), die in Verbindung mit einer gewissen Finanzverschuldung insgesamt im Durchschnitt das 1,7fache betrug. Das bedeutet, dass das 1,7 fache der Wertentwicklung des Portfolios von Berkshire den Aktionären zugutekommt. Der „Bodensatz“ (Warren Buffett nennt ihn „Float“) und auch die Finanzverschuldung sind dagegen nur mit geringen Kosten verbunden, so dass sich dieser Strategie für die Aktionäre auszahlt.

5. Aktien und Unternehmensbeteiligungen

Das Portfolio von Berkshire Hathaway besteht sowohl aus börsennotierten Aktien als auch aus nicht börsennotierten Unternehmensbeteiligungen. Die Analyse zeigt, dass die Wertentwicklung der börsennotierten Aktien deutlich besser war als die der Beteiligungen und den eigentlichen Erfolg von Berkshire darstellt. Die Autoren der Studie schließen daraus, dass eindeutig die Aktienauswahl und nicht der Einfluss von Warren und Charlie auf die Unternehmen Grund für die gute Wertentwicklung waren.

 

6.Fazit

Warren Buffett und Charlie Munger blicken auf eine einzigartige Wertentwicklung ihres Unternehmens Berkshire Hathaway zurück.

Diese Wertentwicklung ist zum großen Teil auf ihre Prinzipien bei der Auswahl der Unternehmen zurückzuführen, teilweise aber auch auf eine Hebelwirkung (Leverage), die durch ihr Versicherungsgeschäft ermöglicht wurde.

Warren und Charlie war es durch ihren beherrschenden Einfluss auf Berkshire möglich, auch in widrigen Zeiten wie beispielsweise der Technologie-Euphorie 1998-2000 möglich, an ihren Prinzipien festzuhalten; dieses Festhalten zeigt aber auch ein bewundernswertes Maß an Disziplin bzw. Prinzipientreue, über das nur wenige Fondsmanager / Anleger verfügen.

 

Quelle:

Andrea Frazzini, David Kabiller & Lasse Heje Pedersen (2018) Buffett’s Alpha,
Financial Analysts Journal, 74:4, 35-55,

https://doi.org/10.2469/faj.v74.n4.3

 

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