Das Vermögen der Deutschen

1. Regionale Unterschiede beim Vermögen

Die Deutsche Bundesbank führte schon zum dritten Mal ein Studie zum Thema Vermögen der privaten Haushalte durch. Die bundesweite Umfrage kommt zu regional sehr unterschiedlichen Vermögen. Hier ist der Median dargestellt. Das bedeutet, dass jeweils die Hälte der Haushalte ein niedrigeres und die andere Hälfte ein höheres Vermögen hat.

 

Regionale Verteilung der Vermögen

(Durchschnittliches Vermögen je Haushalt in €)

 

Vermögen im Süden höher als in Ost und West

 

 

 

 

 

 

 

Nord: Niedersachsen, Schleswig-Holstein, Hamburg, Bremen; Süd: Baden-Württemberg, Bayern, Hessen; West: Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Saarland, Ost: Berlin, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen-Anhalt, Brandenburg, Thüringen, Sachsen

 

Die Unterschiede sind wohl u.a. auf drei Faktoren zurückzuführen:

  • Geringes Ausgangsvermögen in Ostdeutschland zur Zeit der Wende
  • Höhere Sparquote in Süddeutschland
  • Höhere Immobilienpreise in Süddeutschland

 

2. Vermögensstruktur

Interessant ist auch, wie stark die verschiedenen Vermögensgegenstände vertreten sind. Es überrascht nicht, dass Giro- und Tagesgeldkonten nahezu in jedem Haushalt üblich sind. Sehr beliebt ist auch eigengenutztes Wohneigentum, obwohl diese Quote niedriger liegt als in den meisten anderen Ländern.

Vermögenswerte in deutschen Haushalten (in % der Haushalte)

(% der Haushalte, die diese Vermögensarten im Bestand haben)

 

Immobilien viel beliebter als Aktien

 

 

 

 

 

 

 

21% der Haushalte haben Hypothekenschulden, so dass also mindestens die Hälfte der Immobilieneigentümer schuldenfrei ist.

Private Altersvorsorgeprodukte (inkl. Lebensversicherungen) haben 43% der Haushalte. Niedrig ist mit 11% der Anteil der Aktionäre; 16% haben Fondsanteile. Da einige davon beides haben dürften, erscheint die Quote sehr niedrig und bestätigt, dass die Deutschen gegenüber Aktien sehr skeptisch sind. Interessant ist, dass immerhin 22% der Haushalte über Immobilien verfügen, die nicht am Hauptwohnsitz sind (Ferienwohnungen oder vermietete Immobilien). Von diesen Eigentümern sind immerhin die Hälfte Mieter, sind also nicht Eigentümer ihres Hauptwohnsitzes.

 

3. Immobilie hilft beim Sparen

(Durchschnittliches Vermögen der Mieterhaushalten und Immobilieneigentümerhaushalte)

 

Vermögen von Immobilieneigentümern viel höher als von Mietern

 

 

 

 

 

 

 

 

Wenn man die deutschen Haushalte einteilt in Immobilieneigentümer und Mieter, stellt man fest, dass die Mieter über wesentlich weniger Vermögen verfügen als die Immobilieneigentümer, Dies dürfte mehrere Gründe haben:

  • Berufsanfänger haben meist ein geringes Vermögen und sind meist Mieter
  • Haushalte mit niedrigem Einkommen verfügen oft nicht über genug Kaufkraft, um eine Immobilie zu erwerben
  • Haushalte, die eine Immobilie erworben haben, werden häufig zu einer stärkeren Ausgabendisziplin gezwungen, um Zins und Tilgung immer pünktlich zahlen zu können
  • der größte Teil der Zunahme des Vermögens in den letzten Jahren ist auf den Anstieg der Immobilienpreise zurückzuführen

 

Es ensteht der Eindruck, dass die Anzahl der Haushalte, die zwar vermögend sind, sich aber gegen einen Immobilienerwerb entscheiden, weil sie vielleicht mobil bleiben möchten oder keine Heimwerker sind, recht gering ist. Mit anderen Worten: Es gibt nur wenig Haushalte mit großem Aktien- oder Wertpapiervermögen, die zur Miete wohnen, obwohl dieses Verhalten die beste Risikostreuung mit sich bringen würde. Mit einem Eigenheim und viel Schulden setzt man eben „alles auf eine Karte“. Allerdings bringt ein Eigenheim meist mehr Ausgaben- und damit Spardisziplin mit sich als eine Wertpapieranlage. So gibt es sicher mehr Haushalte, die wegen eines Eigenheims (Schuldendienst oder Renovierungskosten) auf eine Kreuzfahrt verzichten als wegen eines Fondssparplans.

 

4. Fazit

Der Immobilienerwerb hat sicher viele Deutsche aufgrund des Schuldendienstes zum Sparen motiviert. Zudem führten steigende Immobilienpreise in den letzten Jahren bei vielen Haushalten zu einem Wachstum des Vermögens. Immer noch haben sehr wenige Deutsche bisher den Zugang zur Aktie gefunden, was angesichts der hohen Geldvermögen rational nicht nachvollziehbar erscheint.

Datenquelle: Deutsche Bundesbank Vermögensstudie

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