Langweiler unter den Autofahrern mit der besten Rendite

1. Autotypen und Anlageerfolg

Für den Erfolg bei der Geldanlage spielt sicher der Charakter eine wichtige Rolle (siehe auch Anlegertypen). Da es über Charaktere kaum Statistiken  gibt, ist eine Untersuchung über den Zusammenhang zwischen Autotypen von Anlegern und Anlageerfolg umso interessanter. US-Wissenschaftler haben in einer Studie einen Zusammenhang zwischen dem Autotyp, den Hedge Fund-Manager fahren und dem von ihnen erzielten Risiko-Rendite-Profil herausgefunden. Die Studie beinhaltet 1.144 Hedge Fonds. deren Wertentwicklung über den Zeitraum 2004-2015 analysiert wurde. Sie erschien in der renommierten Fachzeitschrift „Journal of Finance“.

 

2. Hedge Fonds und Sharpe Ratio

Hedge Funds sind Fonds, die zusätzlich zu Aktien und Anleihen meist in großem Umfang auch derivative Finanzinstrumente einsetzen (Optionen, Futures und Swaps). Dadurch können sie viele Strategien umsetzen, die normalen Fonds nicht offenstehen. Da sie miteinander schwerer vergleichbar sind als normale Investmentfonds, vergleicht man ihren Anlageerfolg gern mit Kennzahlen, die Rendite und Risiko erfassen.

Ein beliebter Maßstab für das Rendite-Risiko-Verhältnis ist die Sharpe-Ratio, mit der man angibt, in welchem Verhältnis die erzielte Rendite zum eingegangenen Risiko stand: Sharpe Ratio = (Rendite – risikofreier Zins) / Risiko. Dabei dient die Rendite kurzlaufender Staatsanleihen als risikofreier Zins und die Volatilität als Maß für das Risiko.

Man ermittelt damit zunächst die Rendite eines Fonds, soweit sie über die Rendite kurzfristiger Staatsanleihen hinausgeht. Diese „Überschussrendite“ setzt  man ins Verhältnis zum eingegangenen Risiko (gemessen an der Volatilität).

Hier die markantesten Ergebnisse dieser Studie:

 

Sharpe-Ratio (Rendite-Risiko-Verhältnis)
Durchschnitt der untersuchten Fonds0,84
Fondsmanager mit Sportwagen0,5
Fondsmanager mit Minivans1,32

 

3. Sportwagenfahrer mit viel Risiko roter Laterne

So sind die Zahlen zu verstehen: Falls alle Fondsmanager ein Risiko (Volatilität) von 10% pro Jahr in ihren Fonds eingingen, lag die Rendite der Sportwagenfahrer bei 5%, die der Minivan-Fahrer bei 13,2% und die des Durchschnitts bei 8,4%.

Die Sportwagenfahrer haben also eine Rendite erzielt, die 40% unter dem Durchschnitt aller betrachteten Fonds lag. Währenddessen haben die Minivan-Fahrer eine Rendite erzielt, die um 57% über dem Durchschnitt lag.

In der Praxis lagen wohl die Renditen der verschiedenen Fondsmanager nicht so weit auseinander, da die Fondsmanager sicher nicht alle das gleiche Risiko eingingen. Vielmehr hatten die Sportwagenfahrer bei überdurchschnittlichem Risiko eine unterdurchschnittliche Rendite und die Minivan-Fahrer bei unterdurchschnittlichem Risiko eine überdurchschnittliche Rendite.

Im Ergebnis hat sich gezeigt, dass die Sportwagenfahrer unter den Hedge-Fondsmanagern höhere Risiken eingingen, die sich oft nicht lohnten, während die Fahrer der zuweilen als langweilig geltenden Minivans mit weit weniger Risiko bessere Renditen erwirtschafteten.

 

 

4. Fazit

Natürlich sollte man nicht denken: Ich fahre ab jetzt einen Minivan und werde dann automatisch ein erfolgreicher Investor. Vielmehr geht es darum, dass Personen, die die Sensation suchen bzw. sehr modebewusst sind, typischerweise mehr Risiken bei der Geldanlage eingehen als sinnvoll, während andere, die Kosten und Nutzen nüchtern abwägen, wie eben tendenziell Fahrer von Minivans, auch bei der Geldanlage eher Chancen und Risiken nüchtern abwägen. Letztere stören sich nicht an dem „Langweiler-Image“ ihres Autos und scheuen sich nicht, als „langweilig“ geltende Aktien zu kaufen.

Bestätigt werden die Ergebnisse der Studie übrigens auch durch die Lebensweise und Konsumgewohnheiten prominenter Investoren. Warren Buffet, der zuweilen als der erfolgreichste Investor der Welt bezeichnet wird und Multimilliardär ist, lebt immer noch in seinem in 1958 für $31.500 erworbenen 6-Zimmer-Haus und fährt einen Cadillac XTS, der neu $ 45.000 kosten würde.

 

5. Anlagestile für Langweiler

Mehrere Anlagestile profitieren davon, dass „Langweiler-Aktien“ von vielen sensationshungrigen/ modebewussten Anlegern links liegen gelassen werden:

Value: Die Auswahl niedrig bewerteter, vernachlässigter Aktien, die „out of favour“ (aus der Mode) sind

Minimum Variance / Low Volatility: Die Auswahl von Aktien, die geringere Kursschwankungen aufweisen als der Marktdurchschnitt

Dividendenstil: Die Auswahl von Aktien mit einer überdurchschnittlich hohen Dividendenrendite

Alle diese Anlagestile haben im langjährigen Vergleich eine überdurchschnittliche Wertentwicklung gezeigt, in den meisten Fällen bei unterdurchschnittlichem Risiko.

 

Quellen

Blog Mittnik on Markets: Starke Karosse, schwache Rendite:

https://de.scalable.capital/mittnik-on-markets/starke-karosse-schwache-rendite

 

Sensation Seeking and Hedge Funds, STEPHEN BROWN, YAN LU, SUGATA RAY, MELVYN TEO;
Journal of Finance:

https://ink.library.smu.edu.sg/cgi/viewcontent.cgi?article=6252&context=lkcsb_research

 

 

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