Italien droht Rating-Herabstufung

1. Italiens Rating noch Investment Grade

Die Republik Italien hat aktuell ein Rating für Staatsanleihen von BBB bei Standard& Poor´s und Fitch. Das ist die zweitunterste Ratingkategorie des sogenannten Investment Grade-Bereiches. Bei Moody’s, der dritten großen Ratingagentur, ist Italien sogar mit Baa3 schon auf der untersten Stufe von Investment Grade. Investment Grade umfasst alle Ratings von AAA (das allerbeste) bis BBB- (das schlechteste im Investment Grade – Bereich) und stellt den nach Kreditwürdigkeit qualitativ besten und größten Teil des Anleihemarktes dar. Die meisten Banken und institutionellen Anleger beschränken sich in ihrer Anlage weitgehend auf diesen Rating-Bereich. Die Anleihen mit schlechterem Rating (BB und darunter) gelten als „Junk Bonds“ (Müll- oder Ramschanleihen) und sind eher bei spekulativ orientierten Investoren beliebt, die nur einen viel kleineren Teil des weltweiten Anlagekapitals verwalten.

Siehe auch Kreditrisiko und Rating

 

2. Konsequenzen einer Herabstufung auf Junk Bond-Niveau

Die Konsequenzen einer Ratingabstufung (Downgrade) in den Junk- oder Ramschbereich wären:

  • Die meisten institutionellen Investoren würden bzw. müssten einen großen Teil ihrer italienischen Staatsanleihen verkaufen
  • Banken könnten italienische Staatsanleihen dann nicht mehr als Sicherheit bei der EZB nutzen, um sich dort Geld zu leihen
  • Aus diesen beiden und noch anderen Gründen würden italienische Staatsanleihen in großem Umfang auf den Markt geworfen und die Renditen würden erheblich steigen
  • Der italienische Staat hätte ernste Probleme, am Kapitalmarkt Anleihen zu platzieren, also zu verkaufen. Auf jeden Fall müsste Italien wesentlich höhere Zinsen bei der Ausgabe von Anleihen zahlen.

 

Staatsschulden in % vom BIP

 

Staatsverschuldung in Japan, USA und Italien am höchsten

 

 

 

 

 

 

 

Datenquelle: IWF

 

Bei der Staatsverschuldung in % vom Bruttoinlandsprodukt liegt Italien unter den großen Industrieländern an zweiter Stelle hinter Japan. International ist Italien vor allem wegen seines absolut hohen Schuldenstandes ein großes Risiko. Die Staatsverschuldung von Italien steht, absolut in Milliarden Euro gesehen, weltweit an vierter Stelle nach den USA, Japan und China. Diese drei Länder haben alle eine viel größere Wirtschaftskraft und eine eigene Währung.

 

3. Mögliche Bankenkrise als Folge

Positiv ist in Italien anzumerken:

  • Ca. 70% der italienischen Staatsanleihen sind in inländischer Hand; die Abhängigkeit von ausländischen Investoren ist daher viel geringer als beispielsweise in der Türkei oder in Argentinien, wo die hohe Auslandsverschuldung zu Währungskrisen geführt hat
  • Italien hat einen Leistungsbilanzüberschuss und kann somit durch inländische Ersparnisse die Schulden auch weiterhin finanzieren

 

Negativ:

  • Sehr hohe Anleihebestände befinden sich bei italienischen Banken (ca. 420 Mrd. Euro)
  • Die Anleihebestände der italienischen Banken übersteigen insgesamt deren Eigenkapital, was in anderen Ländern nicht der Fall ist
  • Durch eine Rating-Herabstufung könnte es dazu kommen, dass mehrere italienische Banken auf Staatshilfe angewiesen sind in einer Situation, in der der italienische Staat sich nur noch unter sehr erschwerten Bedingungen am Kapitalmarkt finanzieren kann.

 

4. Fazit:

Eine Rating-Herabstufung von Italien unter BBB- hätte voraussichtlich weitreichende Konsequenzen. Mehrere italienische Banken und der italienische Staat könnten auf Unterstützung angewiesen sein. Die Schuldenkrise von Griechenland war zwar für das Land selbst noch gravierender, in Bezug auf die möglichen Konsequenzen für das Finanzsystem im Vergleich zu dem viel bedeutenderen Italien allerdings eher eine „Kleinigkeit“. Es ist völlig offen, ob Italien von den andern Euroländern aufgefangen würde bzw. ob es überhaupt aufgefangen werden könnte.

Die kleinste der drei großen Rating-Agenturen, Fitch, hat allerdings vorerst das Rating von BBB bestätigt.

 

 

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27.02.2019|Tags: , , , |

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