Minimum Volatility – Anlagestil mit Charme

1. Was ist Minimum Volatility ?

Seit einigen Jahren hat sich ein Anlagestil etabliert, der für viele Anleger reizvoll ist. Er ist unter verschiedenen Namen bekannt:

Minimum Volatility, Minimum Variance, Low Volatility

In allen Fällen geht es darum, einen Fonds oder ETF mit Aktien zusammenzustellen, der möglichst wenig Wertschwankungen aufweist. Dafür gibt es im wesentlichen zwei Methoden:

  • Aus einem Index werden die Aktien mit den niedrigsten Kursschwankungen in einen Fonds gepackt
  • Aus den Aktien des Index wird ein Portfolio zusammengestellt, das insgesamt möglichst geringe Wertschwankungen hat.

Bei der ersten Methode wird also nur die Kursschwankung der Einzelaktien betrachtet, bei der zweiten dagegen auch die Korrelation der Einzelaktien untereinander. Dabei kommen also auch Aktien zum Zuge, deren eigene Wertschwankung zwar höher ist, aber wenig korreliert mit den anderen Akten. Sie schwanken sozusagen in einem anderen Rhythmus als die meisten anderen Aktien. Beide Methoden ergeben jedoch für die Anleger ein ähnliches Profil.

Der besondere Charme des Minimum Volatility – Anlagestils liegt darin, dass damit nicht nur niedrigere Wertschankungen, sondern auch bessere Wertentwicklungen erzielt werden konnten  als mit den normalen Indizes.

Dass bei geringerem Risiko eine höhere Wertentwicklung erzielt werden kann, klingt eigentlich nicht logisch. Die Begründung, die dafür meistens angeführt wird, ist, dass Anleger „langweilige“, aber meist stabilere Aktien oft links liegen lassen, weil sie ihnen zu wenig Kurspotential versprechen. In der Praxis sind diese „langweiligen“ Aktien selten unter den „Kursraketen“ der Börse; da sie jedoch meist ein weit unterdurchschnittliches Risiko aufweisen, ist ihre Wertentwicklung im langfristigen Durchschnitt besser als die der sogenannten „Glamour Stocks“, von denen ein viel größerer Teil ganz vom Markt verschwindet, während nur wenige wie beispielsweise Facebook, Google, Apple und Amazon zu langfristigen Stars werden.

 

2. Wie hat sich Minimum Volatility bewährt ?

MSCI, der bekannte Welt-Aktienindex-Anbieter, berechnet seit 10 Jahren globale Minimum Volatility Indizes unter Anwendung der zweiten Methode, die auch die Korrelationen der Aktien untereinander nutzt. Vor Einführung der Minimum Volatility – Indizes von MSCI Ende 2008 nahm MSCI eine „Backtest“ vor, eine Berechnung aufgrund von Vergangenheitsdaten, für den Zeitraum 1998-2008. Nun blickt MSCI auf die Entwicklung seit Einführung seiner Minimum Volatility – Indizes zurück, also 2008-2018. In den Grafiken ist die Entwicklung in diesen beiden Zehnjahreszeiträumen dargestellt.

 

Wertentwicklung pro Jahr in Prozent

Minimum Volatility hat eine bessere Wertentwicklung

 

 

 

 

 

 

 

Datenquelle: MSCI

 

Die letzten 10 Jahre haben gezeigt, dass mit dem Minimum Volatility – Ansatz wie auch in den 10 Jahren Backtest (also Hochrechnung auf der Basis der Vergangenheitsdaten) eine bessere Wertentwicklung bei geringeren Wertschwankungen erzielt werden konnte.

 

Volatilität (Risiko) in % (annualisiert)

Minimum Volatility hat ein geringeres Risiko

 

 

 

 

 

 

 

Datenquelle: MSCI

 

3. Fazit

Mit dem Minimum Volatility-Ansatz konnten Anleger in den vergangenen 20 Jahren im Vergleich zu „normalen Aktienindizes“ eine bessere Wertentwicklung bei geringerem Risiko erzielen. Dies ist natürlich keine Garantie für die Zukunft, zumal seit Jahren viel Geld in diese Strategie strömt, was die Effizienz der Strategie mindern könnte. Dennoch spricht einiges dafür, diese Strategie in das Depot aufzunehmen. Am besten geeignet dafür sind ETFs. Eine Reihe von ETF-Anbietern hat Minimum Volatility – ETFs im Angebot.

 

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21.12.2018|Tags: , , , |

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