Konjunktur – Abschwächung wird Konsens

1. Abschwächung der Weltkonjunktur

Im Juni 2018 habe ich auf die Anzeichen für eine konjunkturelle Abschwächung der Weltkonjunktur hingewiesen (Konjunktur – Frühindikatoren deuten auf eine Abschwächung hin). Die Wachstumsverlangsamung ist inzwischen Konsens geworden und hat wohl auch entscheidend zu der Korrektur der Aktienmärkte in den letzten Monaten beigetragen.

So hat auch die OECD ihre Wachstumsprognosen im November nach unten angepasst. Die Rede ist jetzt davon, dass der Höhepunkt des Wirtschaftswachstums hinter uns liegt. Man erwartet eine Verlangsamung der Weltkonjunktur in den kommenden zwei Jahren.

Wirtschaftswachstum in % pro Jahr (gemessen am Bruttoinlandsprodukt/ BIP)

Wirtschaftswachstum verlangsamt sich

 

 

 

 

 

 

Quelle: OECD

 

Als Hauptgrund für die Konjunkturabschwächung werden die zunehmenden Handelshemmnisse angeführt, die u.a. zwischen den USA und China aufgebaut werden. Falls die angedrohten Zölle zwischen diesen beiden Ländern eingeführt werden, erwartet die OECD eine Minderung des BIP in China um 1,0% und in den USA um 0,8% in 2021 gegenüber ihren in der Grafik dargestellten Prognosen. Dies würde sich natürlich auch auf Europa auswirken, sowohl durch geringere Nachfrage als auch durch Umlenken des Angebots nach Europa.

Ein weiterer Grund für die schwächere Konjunktur ist der Zinsanstieg in den USA, der dazu führt, dass Anleger Geld aus den Schwellenländern abziehen und in wieder attraktive US-Anleihen investieren. Dieser Abzug von Kapital aus den Schwellenländern dämpft deren Wachstum. Dies betrifft in besonderem Maße die im Ausland hoch verschuldete Türkei, in geringerem Ausmaß aber auch einige andere Schwellenländer. Die Gefahr einer Währungskrise in der Türkei hatte ich bereits in meinem Beitrag „Türkei – Währungskrise im Wahlkampf“ beschrieben. Zusätzliche Risiken für die europäische Wirtschaft bestehen sicherlich aufgrund des BREXIT und der hohen Verschuldung von Italien.

 

2. Politik und Börse

Normalerweise sagt man an der Börse: „Politische Börsen haben kurze Beine“. So wurden Wahlergebnisse in den letzten Jahrzehnten häufig gelassen aufgenommen, da sich die Wirtschaftspolitik meist nur graduell verändert hat. Aktuell sieht es allerdings etwas anders aus, da die Politik in besonderem Ausmaß in die Wirtschaft und vor allem den Außenhandel eingreift. Dies geschieht zudem auf eine Art, die vielen Ökonomen nicht rational erscheint. Bespielweise vertritt auch die OECD die Meinung, dass es bei Handelskriegen nur Verlierer gibt. Welchen wirtschaftlichen Vorteil Großbritannien aus dem BREXIT ziehen wird, ist auch noch offen, während sich einige Nachteile schon abzeichnen (siehe auch Der Brexit und die Wirtschaft)

 

3. Wie geht es nun weiter ?

Wie aus der obigen Grafik zu sehen ist, wird bisher in den wichtigsten Ländern nur von einer moderaten Wachstumsverlangsamung ausgegangen. Auch sind Übertreibungen an den Märkten wie vor der Finanzkrise 2007 am US-Immobilienmarkt oder in der Technologie – Blase in 2000 am Aktienmarkt nur punktuell zu beobachten, so dass die Gefahr einer Rezession aktuell gering erscheint. Zudem sollten die gefallenen Preise für Öl und andere Rohstoffe die Konjunktur begünstigen.

Offen bleibt jedoch, ob die Politik durch eine weitere Eskalation des Handelskrieges USA/ China, durch einen ungeordneten BREXIT und/oder durch Probleme des italienischen Staates bei der Aufnahme neuer Anleihen (zur Refinanzierung auslaufender Anleihen) das Wachstum weiter abbremst.

 

4. Fazit

Aktuell zeichnet sich eine Wachstumsverlangsamung der Weltkonjunktur ab. Diese könnte sich jedoch durch eine politische Eskalation bei den Themen BREXIT, Handelskrieg USA/China und/oder Italien verstärken. Am Aktienmarkt ist das Bewertungsniveau inzwischen durch den Kursrückgang attraktiver geworden, so dass längerfristig orientierte Anleger gute Kaufgelegenheiten vorfinden.

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