ETFs – eine globale Erfolgsstory

1. Erfolgsstory in Europa und den USA

Die Bedeutung von ETFs (Exchange Traded Funds/ börsengehandelte Fonds) hat in den letzten Jahren stark zugenommen. Während die in Investmentfonds insgesamt verwalteten Gelder seit der Finanzkrise stark gewachsen sind, war die Zunahme bei ETFs noch wesentlich dynamischer.

Weltweit Verwaltetes Anlagevolumen in ETFs in Billionen Euro

ETFs wachsen stärker als Investmentfonds insgesamt

 

 

 

 

 

 

 

Quelle: Deutsche Bundesbank, Monatsbericht Oktober 2018

In der frühen Zeit der ETFs hatten sich vor allem institutionelle Anleger (beispielsweise Versicherungen und Pensionskassen) für diese Anlagevehikel interessiert. Sie schätzen die gute Handelbarkeit und die Produktvielfalt. In den letzten Jahren sind die ETFs auch bei Privatanlegern beliebter geworden. Die ETFs gehören zu den wenigen Finanzprodukten, bei denen Privatanleger in den Genuß der niedrigen Kosten kommen, die auch für institutionelle Anleger gelten.

80% des ETF-Volumens ist in Aktien-ETFs investiert, da sich ETFs für diese Anlageart besonders gut eignen.

 

2. Regionale Trends bei den Indexabbildungsmethoden

Große Unterschiede gibt es zwischen den USA und Europa bei den Indexabbildungsmethoden. Hier zunächst die drei Indexabbildungsmethoden in Kürze:

 

A. Vollständig physische Abbildung („genaues Ebenbild des Index“)

Der Fonds enthält alle Indextitel in ihrer echten Gewichtung. Bei dieser Methode kann es, abgesehen von Kosten, kaum zu einer Abweichung der Wertentwicklung kommen. Das Wort „physisch“ gilt natürlich heutzutage auch nur im übertragenden Sinne. Es werden hier zwar „echte Aktien“ gekauft: diese werden aber auch elektronisch verwahrt und nur in seltenen Fällen noch als Papier-Urkunde.

B. Physisches Sampling („Mut zur Lücke“)

Der Fonds beinhaltet die meisten Indextitel, viele kleinere jedoch nicht. Diese werden weggelassen und durch größere, mit ihnen korrelierende Titel ersetzt, so dass die Wertentwicklung des Fonds der des Index sehr nahekommt. Das physische Sampling wird meist dann betrieben, wenn der Index eine sehr große Anzahl von Titeln enthält oder wenn im Index einige sehr illiquide Titel (Aktien, die an der Börse nur in kleinen Mengen gehandelt werden) beinhaltet. Für den Anleger besteht lediglich das Risiko einer gewissen Unschärfe in der Wertentwicklung, also einer leichten Abweichung der Wertentwicklung vom Index. Diese ist jedoch meist vernachlässigbar.

C. Synthetische Abbildung (Künstliche Abbildung)

Bei der synthetischen Abbildungsmethode werden für den Fonds von Banken Derivate (meist Swaps) erworben bzw. Swap – Verträge abgeschlossen. Der Fonds enthält meist gar keine Aktien, sondern oft sogar festverzinsliche Wertpapiere. Der Fonds „tauscht“ mit einer Bank über Swaps (Swap = Tausch) die Wertentwicklung dieser festverzinslichen Wertpapiere gegen die des Index. Die Bank verpflichtet sich, dem Fonds die Wertentwicklung des Index zu bezahlen. Der Fonds ist davon abhängig, dass die Bank zahlungsfähig ist. Dieses Risiko wird jedoch oft durch Sicherheiten gemindert.

 

Anzahl Fonds (ETFs), die die jeweilige Indexabbildungsmethode verwenden

USA bevorzugen Sampling, Europäer synthetische ETFs

 

 

 

 

 

 

 

Quelle: Deutsche Bundesbank, Monatsbericht Oktober 2018

 

In Europa dominiert aktuell die synthetische Indexabbildung. An zweiter Stelle steht die vollständige physische Indexabbildung, bei der der Fonds alle Indextitel in ihrer echten Gewichtung enthält. An dritter Stelle kommt in Europa erst das physische Sampling (näherungsweise Abbildung).

In den USA wird dagegen das Sampling klar bevorzugt, während sowohl die synthetische Methode als auch die vollständige physische Indexabbildung (Replikation) nur eine untergeordnete Rolle spielen.

In Europa nimmt seit wenigen Jahren die Beliebtheit der synthetischen Methode ab, während die beiden physischen Methoden (vollständige Abbildung und physisches Sampling) zunehmen. Die synthetische Abbildungsmethode verliert wohl deswegen an Beliebtheit, weil der Anleger dadurch von der Zahlungsfähigkeit einer Bank abhängig ist. Diese Abhängigkeit besteht bei den beiden physischen Methoden nicht, wenn nicht der Fonds die Wertpapierleihe betreibt.

 

3. Fazit

Die Erfolgsstory der ETFs auch bei privaten Anlegern ist sicher auf die Einfachheit, die Transparenz und die geringen Kosten zurückzuführen. Beigetragen hat sicher auch, dass viele aktiv verwaltete Fonds eine schlechtere Wertentwicklung als ihr Index erwirtschaften. Als Einstiegsprodukt für private Aktienanleger sind ETFs sicherlich ideal. Sehr viele ETFs können auch im Sparplan erworben werden.

Die Präferenz der Amerikaner für die Methode des Sampling ist sicher bemerkenswert. In den USA scheint man Derivaten und Banken weniger zu vertrauen als in Europa. Auf der anderen Seite hat man einen gewissen „Mut zur Lücke“, indem man eine geringfügige Abweichung in der Wertentwicklung vom Index akzeptiert. Diese Einstellung lässt einen gesunden Menschenverstand erkennen. Das Verhalten der Europäer lässt einen Hang zum Perfektionismus erkennen, aber auch ein nach wie vor hohes Vertrauen in Derivate und das Bankensystem.

Details über ETFs siehe auch unter ETFs und Indexabbildung von ETFs.

30.11.2018|Tags: , , |

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