Demographische Entwicklung in Deutschland – Konsequenzen für Wirtschaft und Immobilienmarkt

1. Entwicklung der einzelnen Altersgruppen

Die demographische Entwicklung ist in aller Munde. Da aber meist nur der allgemeine Trend der Alterung der Gesellschaft diskutiert wird, wollen wir hier einmal die Entwicklung detaillierter analysieren.

  • Da die Geburtenrate sich seit Mitte der 1970er Jahre auf niedrigen Niveau stabilisiert hat, geht auch die Altersgruppe der 15-24 jährigen, also die Berufsanfänger, nur noch relativ leicht zurück.
  • Die Altersgruppe der 25-49 jährigen befindet sich in der „rush hour“ des Lebens. In diese Phase fällt der berufliche Aufstieg, meist verbunden mit Einkommenssteigerungen, Familiengründung und Eigenheimerwerb. Die 25-49jährigen, die wohl als der „Motor“ der Wirtschaft bezeichnet werden können, gehen in ihrer Zahl schon seit dem Jahr 2000 zurück. Von aktuell  27 Mio. sollen sie bis 2050 auf 21 Mio. abnehmen.
  • Die größte Veränderung ist jedoch bei der Gruppe der 50-64 jährigen zu erwarten. Die „Best Ager“ verfügen tendenziell über ein hohes Einkommen in einer Phase, in der sie ihr Eigenheim weitgehend abbezahlt haben und ihre Kinder finanziell selbständig werden. Daher gelten sie auch als konsumfreudig, legen aber auch oft mehr Geld als zuvor für die Altersversorgung beiseite. Diese Gruppe soll ihren Höchststand in 2020 erreichen und von 2020 an bis 2035 von 19 Mio. auf 15 Mio. zurückgehen.
  • Die Gruppe 65+ (Senioren) sollen von 2020 bis 2035 von 18 Mio. auf 24 Mio. zunehmen.

 

Altersgruppen der Bevölkerung in Deutschland (in Mio.)

Altersgruppen 25-64jährige nehmen stark ab

 

Quelle: UNO

2. Regional unterschiedliche demographische Entwicklung

Die Wanderung von Ostdeutschland nach Westdeutschland hat im Vergleich zu den 1990er Jahren stark abgenommen. Da jedoch in den ostdeutschen Bundesländern der Anteil der Senioren inzwischen besonders hoch ist und die Geburtenrate deswegen niedriger, wird dort auch mit einem besonders starken Bevölkerungsrückgang gerechnet. Die Bevölkerungsentwicklung der Bundesländer zeigt dies eindrucksvoll.

Dazu kommt noch die Wanderung Land-Stadt und in die Ballungsgebiete. Diese Wanderung hält weiter an. Das Ziel waren bisher vor allem die Kernstädte der großen Ballungsgebiete. In den Großstädten wie Frankfurt und Hamburg, die in den letzten Jahren ein starkes Bevölkerungswachstum verzeichneten, ist jedoch mit einer Abflachung zu rechnen, da die Wohnungsknappheit und die hohen Mieten Zuziehende abschrecken. In Frankfurt, Köln und Düsseldorf ist daher zuletzt der Anstieg der Wohnungsmieten zum Stillstand gekommen. Dies geht aus dem aktuellen Wohn- Preisspiegel des IVD hervor. Das hohe Mietniveau führt jedoch dennoch zu einem „Überschwappen“ in das Umland der Ballungsgebiete. Zusätzlich profitieren Großstädte wie Leipzig, die noch über freien Wohnraum verfügen.

 

Bevölkerungsveränderung in den Bundesländern (in %)

Die Bevölkerung der neuen Bundesländer geht massiv zurück

 

 

 

 

Quelle:Demografieportal des Bundes und der Länder

 

3. Konsequenzen für Wirtschaft und Immobilienmarkt

Der Rückgang der Altersgruppen von 25-49 und von 50-64 dürfte zunächst am Arbeitsmarkt zu einem geringeren Angebot an Arbeitskräften in vielen Bereichen führen. Der vielzitierte Fachkräftemangel dürfte also deutlich zunehmen, falls es nicht aus anderen Gründen zu einem Konjunktureinbruch kommen sollte. Für das Wirtschaftswachstum wirkt die demographische Entwicklung begrenzend. Diese Begrenzung könnte durch eine sinnvolle Einwanderungspolitik gemildert werden.

Für den Immobilienmarkt dürfte der Rückgang dieser beiden Altersgruppen dazu führen, dass:

  • Der Bedarf für Büroraum ab 2020 abnimmt
  • Der Bedarf für Wohnraum ab 2020 abnimmt, insbesondere der Bedarf für große Wohnungen und Einfamilienhäuser

Allerdings verläuft die Entwicklung regional sehr unterschiedlich. Am meisten Potential dürften aktuell Immobilien im Umland von Ballungsgebieten haben. In den Kernstädten der Ballungsgebiete flacht sich der Anstieg der Mieten tendenziell auf hohem Niveau ab. Die Nachfrage nach Immobilien in ländlichen und strukturschwachen Gebieten nimmt tendenziell weiter ab, da dort die Altersgruppe der Senioren besonders stark vertreten ist. Best Ager, die bei Eintritt in den Ruhestand aus der Stadt in ländliche Gebiete umziehen, werden diese Entwicklung wohl nur teilweise ausgleichen.

 

Weitere Informationen zu Immobilien auch unter Immobilien

 

Kommentar verfassen