Bausparkassen in der Niedrigzinsphase

1. Der Bausparvertrag

Obwohl  Immobilien zur Zeit sehr als Anlage in Mode sind, steht eine Branche ziemlich im Abseits: Die Bausparkassen. Der Grund dafür ist sicher nicht nur das vielleicht etwas biedere Image des Bausparvertrags. Das Problem ist vielmehr, dass die Niedrigzinsphase den Bausparkassen ihre Existenzberechtigung streitig macht. Der traditionelle Bausparer – falls es ihn überhaupt noch gibt – schließt einen Bausparvertrag ab, um zunächst auf ein Eigenheim oder eine Eigentumswohnung zu sparen. Wenn er einen ausreichenden Betrag bei seiner Bausparkasse angespart hat (z.B. 40% der Bausparsumme), teilt die Bausparkasse ihm den Bausparvertrag zu. Dies bedeutet, dass er für den Rest der Bausparsumme (z.B. 60%) ein Bauspardarlehen aufnehmen kann, um die gesamte Bausparsumme (100%) für den Erwerb oder den Bau einer Immobilie zu nutzen.

Dabei besteht der Reiz des Bausparvertrages für den Bausparer einerseits in der staatlichen Förderung der Wohnungsbauprämie, aber früher auch darin, dass der Bausparer ein Bauspardarlehen zu günstigeren Zinsen erhält als das bei einer normalen  Bank möglich war. In der Ansparphase erhielt der Bausparer z.B. 2% Zins; das Bauspardarlehen bekam er zu 4% Zins. Dies war selbst in Hochzinsphasen möglich, weil die Bausparer durch ihren für damalige Verhältnisse niedrigen Guthabenzins innerhalb des Bausparkollektivs die Darlehensnehmer, zu denen sie ja später auch gehören wollten, subventionierten.

 

2. Herausforderungen in der Niedrigzinsphase

Früher bestand der Nachteil von Bausparverträgen oft in langen Wartezeiten bis zur Zuteilung, d.h. bis zu dem Zeitpunkt, zu dem der Bausparer sein Bauspardarlehen aufnehmen konnte. Dies ist längst Geschichte. Heute haben die Bausparkassen Sorgen, weil die Bausparer sich für die Bauspardarlehen immer weniger interessieren. Normale Hypothekenkredite sind nämlich meist günstiger zu haben als die Bauspardarlehen. Viele Bausparer sparen also fleißig weiter, weil sie bei den Bausparkassen immer noch etwas höhere Zinsen bekommen als auf dem normalen Bankkonto.

Diese Grafik zeigt eindrucksvoll die Entwicklung:

Bauspareinlagen und Bauspardarlehen in Mrd. Euro

Bauspareinlagen steigen Bauspardarlehen schrumpfen

Datenquelle: Deutsche Bundesbank (Daten für alle deutschen Bausparkassen zusammengenommen)

 

Die Bauspareinlagen nehmen immer mehr zu, während die Bauspardarlehen im Volumen seit Jahren zurückgehen. Die Bausparkassen sind also gezwungen, das Geld zu normalen Marktkonditionen auszuleihen, so dass ihre Zinsmarge ziemlich schrumpft. Dies führt dazu, dass die Bausparkassen in den letzten Jahren gezwungen waren, ihre Reserven, insbesondere ihren Fonds zur bauspartechnischen Absicherung, anzuzapfen. Der Fonds zur bauspartechnischen Absicherung ist eine in guten Jahren aufgebaute Bilanzposition der einzelnen Bausparkasse, die zum Eigenkapital zählt und als Risikopuffer dient. Sie hat sich branchenweit seit 2014 mehr als halbiert. (Quelle: FAZ vom 18.9.2018)

 

Zinsmarge der deutschen Bausparkassen

Zinsmarge der Bausparkassen schrumpft

Datenquelle: Deutsche Bundesbank (Daten für alle deutschen Bausparkassen zusammengenommen)

Zinsmarge = (Zinsertrag-Zinsaufwand) in % der Bilanzsumme

 

3. Für wen ist ein Bausparvertrag überhaupt noch interessant?

Ein Bausparvertrag hat den Vorteil, dass man sich langfristig einen Darlehenszins sichern kann. Dies ist eventuell für die Anleger interessant, die in den nächsten Jahren mit einem deutlichen Zinsanstieg rechnen. Allerdings sollten sie genau die Solidität der Bausparkasse prüfen. Da die Niedrigzinsphase noch anhalten könnte, dürfte in den nächsten Jahren die Überlebensfähigkeit einzelner Bausparkassen auf den Prüfstand gestellt werden. Positiv ist jedoch, dass die meisten Bausparkassen zu relativ finanzstarken Konzernen gehören.

 

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26.09.2018|Tags: , , |

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