Der BREXIT und die Wirtschaft

1. Der BREXIT schadet dem EU-internen Handel

Handel und Verkehr fließen weitestgehend ungehindert innerhalb der EU. Dies hat auch zu einer zunehmenden Arbeitsteilung zwischen den Ländern geführt. So werden häufig Rohstoffe, Halbfabrikate und Einzelteile von Produkten wie bespielsweise Autos zwischen den Ländern hin- und hergefahren, bevor das Endprodukt entsteht. Der Schaden einer Unterbrechung dieser Wertschöpfungsketten durch den BREXIT ist daher groß. Komplexe Wertschöpfungsketten werden durch Kontrollen und Formalitäten verlangsamt, durch Zölle verteuert oder sogar unterbrochen.

Daher haben Unternehmen schon längst begonnen, sich auf den BREXIT einzustellen. Beispielsweise verlagern Banken und auch BMW gewisse für den EU-Markt tätige Geschäftsbereiche aus Großbritannien in die EU.

Aber auch auf die verbleibenden EU-Länder (EU 27) hat der BREXIT negative Auswirkungen. Diese sind jedoch insgesamt wesentlich geringer.

 

Rückgang des Bruttoinlandsproduktes (BIP) als Folge des BREXIT in den drei Szenarien:

BIP-Rückgang wegen BREXIT

 

 

 

 

 

 

 

 

Datenquellen: Schätzungen des IWF (für die EU-Länder) und des britischen Finanzministeriums (für GB)

 

2. Drei Szenarien für den BREXIT

Für die Auswirkungen des BREXIT auf die Wirtschaft ist es jedoch entscheidend, unter welchen Bedingungen Großbritannien aus der EU austritt. Es gibt im Wesentlichen drei Szenarien:

  1. Großbritannien schließt sich ähnlich wie Norwegen dem EWR (Europäischen Wirtschaftsraum) an und bleibt damit in der Zollunion. Dieses Szenario hätte am wenigsten Konsequenzen, ist allerdings in Großbritannien unbeliebt, weil sich das Land dann allen relevanten EU-Vorschriften unterwerfen muss, ohne dabei mitreden zu können.
  2. Großbritannien handelt ein umfassendes bilaterales Handelsabkommen aus, ähnlich der Schweiz, der Türkei und Kanada. Dies wird aktuell angestrebt. Dabei gehen die Wünsche der EU und Großbritanniens allerdings in einigen Punkten noch auseinander. So möchte die EU und besonders die Republik Irland es vermeiden, dass an der Landgrenze zu Nordirland wieder Zollkontrollen aufgebaut werden. Großbritannien wiederum möchte nicht, dass Nordirland mit der Republik Irland eine Zollunion bildet, da dann zwischen Großbritannien und Nordirland Zollkontrollen aufgebaut werden müssten.
  3. Das dritte Szenario ist der sogenannte „No-Deal-Brexit“, der Austritt ohne Abkommen. Großbritannien hätte dann nach dem Austritt, abgesehen von Übergangsregelungen, den Status eines normalen Drittlandes, also beispielsweise eines Landes in Südamerika. Verbleiben würden dann noch die Regeln der WTO (World Trade Organisation, ehemals GATT), die für die allermeisten UNO-Mitgliedstaaten gelten.

 

3. In der EU ist Irland am meisten betroffen

Unter den verbleibenden EU-Mitgliedstaaten ist vom BREXIT wohl am meisten Irland betroffen. Das Land hat nicht nur traditionell sehr intensive Handelsbeziehungen zu Großbritannien, sondern wickelt auch einen großen Teil seines Handels mit  dem Rest der EU im Transit über Großbritannien ab. Daher sind bereits Fährverbindungen von Irland direkt in die Niederlande, nach Belgien und Spanien in Planung. Mit diesen ist der Transport jedoch viel aufwendiger, da dann auch nicht mehr der Eurotunnel genutzt wird.

 

Rückgang des Bruttoinlandsproduktes (BIP) aufgrund des BREXIT in den einzelnen EU-Ländern

Irland am stärksten vom BREXIT betroffen

 

 

 

 

 

Datenquelle: Schätzungen des IWF

Natürlich wird es auch positive Auswirkungen des BREXIT geben. So ist in Frankfurt, Paris und Dublin ein Zuzug von Banken aus London zu beobachten. Irland dürfte von Konzernen aus Nordamerika und Asien als englischsprachiger Stützpunkt für das Europa-Geschäft attraktiv sein, soweit die Aktivität keine größeren Warenexporte von Irland auf den Kontinent beinhaltet.

Die Vorteile für Großbritannien selbst sind weniger kapitalmarktrelevant. Der Wegfall der EU-Zahlungen sollte im Staatshaushalt nach der „Abfindungszahlung“ zu Einsparungen führen. Der Rückgang von EU-Ausländern in Großbritannien könnte den Wohnungsmarkt und das Gesundheitssystem entlasten. Die Abwertung des britischen Pfundes ist zudem sicherlich positiv für den Tourismus.

 

4. Fazit für Anleger

Die größten Auswirkungen hat der BREXIT sicher auf die Wirtschaft von Großbritannien selbst sowie daneben auf Irland. Falls Sie in diesen Ländern größere Anlagen planen, sollten Sie gut überlegen, wie sich der BREXIT darauf auswirkt.

Kurz nach dem Austrittszeitpunkt könnte es, vor allem bei einem „No-Deal-BREXIT“, zu überraschenden Problemen kommen, beispielsweise bei Zollkontrollen. Daraus könnte sich eine Konjunkturdelle in Großbritannien und Irland ergeben, aber möglicherweise auch in anderen EU-Ländern. (Dies ist allerdings ungefähr so schwierig zu prognostizieren wie damals die Probleme durch das Jahr 2000 für Computersysteme.)

Die positiven Auswirkungen des BREXIT dürften sich am stärksten in der Republik Irland zeigen, während sie für die Volkswirtschaften der anderen EU-Länder wohl von untergeordneter Bedeutung sein werden.

 

Den allgemeinen Ausblick auf die Kapitalmärkte finden Sie hier.

30.08.2018|Tags: , , |

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