1. Warum Gold als Anlage?

Wir kennen alle die Ratschläge, einen Teil des Vermögens in Gold zu halten. Wir wollen uns hier ansehen, ob Gold wirklich eine gute Beimischung für die Vermögensanlage ist:

Die wohl wichtigsten Argumente für die Beimischung von Gold oder anderen Rohstoffen sind:

  • Schutz vor Inflation
  • Niedrige oder sogar negative Korrelation zu Aktien und Anleihen

Wir sehen, dass diese beiden Argumente schon in der Renaissance für die Beimischung von Gold in der Vermögensanlage angeführt wurden:

 

2. Eine Anlagestrategie aus der Renaissance

Jakob Fugger der Reiche (1459-1525) leitete 40 Jahre lang eine Familiendynastie und war zur Zeit seines Todes der reichste Mann Europas. Seine Anlagestrategie wird folgendermaßen in die moderne Zeit übersetzt:

„Teile Dein Vermögen in vier gleiche Teile: Aktien, Immobilien, Anleihen und Gold. Stelle Dich darauf ein, dass Du die meiste Zeit in einem Bereich verlierst. Während der Inflation wirst Du in Anleihen verlieren und in Gold und Immobilien gewinnen; während der Deflation wirst Du in Immobilien verlieren und in Anleihen gewinnen, während Deine Aktien durch alle Phasen gut durchkommen, allerdings mit einer gemischten Entwicklung. Immer wenn es durch die Wertentwicklung zu einem großen Ungleichgewicht in deinem Depot kommt, stelle durch Umschichtungen wieder die gleiche Gewichtung der vier Bereiche her.“

Er sagt also ganz klar, dass Gold in Zeiten von Inflation im Wert steigen soll. Daneben sagt er, dass Gold in anderen Phasen steigt bzw. fällt als die anderen drei Vermögensklassen. Er beschreibt das, was man heutzutage eine negative Korrelation zu anderen Vermögensklassen nennt. Mit anderen Worten: Wenn die Anleihen im Wert steigen, fällt Gold (und umgekehrt). Für das Verhältnis von Aktien zu Gold hat er dies nicht so klar behauptet. Daher wollen wir dies hier näher untersuchen.

 

3. Gold als Beimischung in der Vermögensanlage

Die folgende Grafik basiert auf Daten für den US-Aktienmarkt und den Goldpreis in US-$ von 1969-2014. Sie betrachtet also die Mischung von Gold und Aktien aus Sicht eines US-Anlegers. Eine reine Anlage in Gold (G 100 für Gold 100%) hat in diesem Zeitraum eine geringere Rendite als in Aktien (A 100 für Aktien 100%) gebracht – und das auch noch bei erheblich höherem Risiko. Allerdings hat die Mischung von Gold und Aktien im Verhältnis 30% Gold zu 70% Aktien (G30/ A70) eine höhere Rendite als A 100 gebracht – und das bei geringerem Risko als in A 100.

Sie werden vielleicht fragen, wie es dazu kommen kann. Das niedrigere Risiko ist sicherlich noch verständlich, da Gold und Aktien zueinander eine niedrige Korrelation aufweisen. Das Auf und Ab erfolgt bei den beiden Vermögensklassen zu verschiedenen Zeiten. Warum kann aber die Rendite von G 30/ A 70 höher sein als bei A 100, obwohl die Rendite von Gold geringer war als die von Aktien? Ein Beispiel: In der Finanzkrise brachen die Aktienmärkte massiv ein, während der Goldpreis stieg. Dadurch hat der Anteil von Gold am Depot von ursprünglich G 30/ A 70 massiv zugenommen. Um zur alten Gewichtung zurückzukommen, konnte man damals viel Gold zu einem hohen Preis verkaufen und Aktien zu sehr niedrigen Kursen kaufen. Derartige Gelegenenheiten hat man bei einem reinen Aktienbestand von A 100 nicht.

 

Mischung von Gold und Aktien senkt verbessert Risiko-Rendite-Profil

4. Fazit

Gold weist zunächst wie die anderen Rohstoffe gegenüber Aktien, Anleihen und Immobilien  einen großen Nachteil auf: Es sind keine laufenden Erträge daraus zu erzielen. Auch die Rendite von Gold insgesamt war in den letzten Jahrzehnten niedriger als die von Aktien. Allerdings zeigt nicht nur die erfolgreiche Strategie von Jakob Fugger, sondern auch die jüngere Vergangenheit, dass Gold aufgrund der niedrigen und teilweise negativen Korrelation zu Aktien eine sinnvolle Beimischung sein kann. Dies gilt insbesondere für Anleger, die einen deutlichen Anstieg der Inflation für wahrscheinlich halten.

Quelle: HCWE & Company  Economic Analysis and Asset Management Research

 

In einem letztes Jahr bei mir erschienenen Artikel können Sie lesen, warum Rohstoffe insgesamt (beispielsweise Industriemetalle und Erdöl) weniger zur Beimischung geeignet sind, da sie – im Gegensatz zu Gold – eine relativ hohe Korrelation zum Aktienmarkt aufweisen und auch konjunkturanfälliger sind.

Rohstoffe als Investment ?