Türkei – Währungskrise im Wahlkampf

 

Auf dem Weg in die Währungskrise

Wie bereits im Januar 2017 im Beitrag „Türkei-Währungskrise“ beschrieben, steuert die Türkei immer schneller auf eine Währungskrise zu.  Nach einem Wirtschaftswachstum von 7% in 2017 werden für das laufende Jahr vom IWF 4% erwartet. Doch der IWF bezeichnet das Wachstum als mit Kredit- und Konjunkturprogrammen teuer erkauft. Das Leistungsbilanzdefizit liegt bei 5% vom BIP. Türkische Unternehmen und der Staat sind im Ausland mit insgesamt ca. US-$ 300 Mrd. verschuldet.

Der Wechselkurs der türkischen Lira hat seinen Abwärtstrend in der letzten Zeit erheblich beschleunigt. Im Vergleich zu 2015 müssen die Türken 70% mehr von ihrer eigenen Währung für einen Euro bezahlen. Die Notenbank hat versucht, dem Verfall der Währung mit Zinserhöhungen zu begegnen. Die Zinsen wurden erst vor wenigen Tagen von 13,5% auf 16,5% erhöht.

 

Türkische Lira in Euro

Türkische Lira fällt seit 2015

 

Die Politik reagiert zögerlich

Der Staatspräsident Erdogan hat sich in der Vergangenheit immer wieder gegen Zinserhöhungen gesträubt. Dies hat wohl auch die eigentlich bisher unabhängige Notenbank dazu bewogen, bei Zinserhöhungen zögerlich vorzugehen. Es ist gut möglich, dass er den Ernst der Lage noch nicht erkannt hat oder erkennen will. Erst kürzlich hatte er öffentlich darüber nachgedacht, der Notenbank die Unabhängigkeit zu nehmen. Dies bewog internationale Ratingagenturen dazu, ihr Rating zu reduzieren. Das Rating der Republik Türkei von Standard & Poor´s liegt beispielsweise mit BB klar auf „Ramsch-Niveau“.

Inzwischen ist die Währungskrise auch bei der Bevölkerung angekommen. Da die Preise für importierte Produkte in den Läden steigen, können bereits einige Bürger ihre Miete nicht mehr zahlen, wie in Fernsehinterviews zu hören war.

Es gibt Vermutungen, dass Staatspräsident Erdogan die Wahlen absichtlich hat vorverlegen lassen, um sie noch vor einer Währungskrise bzw. drastischeren Gegenmaßnahmen abzuhalten.  Beobachter halten es sogar für wahrscheinlich, dass die Türkei den IWF demnächst um Hilfe bitten muss. Diesen Schritt versucht man natürlich auf die Zeit nach der Wahl zu verlegen. Auch Kapitalverkehrskontrollen (Devisenbewirtschaftung) sind denkbar.

 

Erst kürzlich Hilfe des Internationalen Währungsfonds für Argentinien

Erst vor wenigen Wochen musste Argentinien aufgrund des Verfalls seiner Währung an den Devisenmärkten den IWF um Hilfe bitten. Zuvor hatte die Notenbank die Zinsen auf 40% erhöht. Allerdings gibt es große Demonstrationen gegen das Abkommen mit dem IWF, da dieser dem Land umfangreiche Reformen und Einsparungen vorschreiben wird.

Beide Währungskrisen (Türkei und Argentinien) sind wohl auch mit beschleunigt worden durch die restriktivere Geldpolitik der US-Notenbank. Anleger erhalten wieder attraktivere Renditen bei der Anlage in US-$-Anleihen, so dass sie tendenziell Kapital aus höherverzinslichen Währungen von Schwellenländern abziehen.

 

Fazit für Anleger

Tendenziell wird Kapital aus den Schwellenländern abgezogen, da die Zinsen in den USA steigen und die Anleger in den wieder attraktiver verzinslichen US-Dollar zurückkehren. Dies könnte noch in weiteren anfälligen Ländern Währungskrisen  auslösen. Allerdings ist dies in vielen wichtigen Schwellenländern unwahrscheinlich, da sie über Leistungsbilanzüberschüsse und hohe Devisenreserven verfügen. China, Indien und einige ostasiatische Länder sind daher weniger gefährdet. Interne Finanzkrisen sind allerdings beispielsweise in China denkbar aufgrund der hohen Verschuldung der dortigen Unternehmen.

Die Wachstumsverlangsamung in den Schwellenländern führt allerdings ingesamt dazu, dass die Wachstumsimpulse der Schwellenländer für die Weltkonjunktur nachlassen. Dies dürfte global den Aufschwung an den Aktienmärkten dämpfen. Aktien aus Schwellenländern sollten weiterhin nur als Beimischung für das Depot in Betracht gezogen werden.

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