Einkaufszentren sind zunehmend bedroht

Die schleichende Revolution im Einzelhandel

In den USA liegt die Arbeitslosenquote mit 5% auf einem sehr niedrigen Stand, also nahe an der Vollbeschäftigung. Zudem sind die Löhne auch der mittleren und unteren Lohngruppen in den letzten Jahren merklich angestiegen, am schnellsten seit den 1990er Jahren. Man sollte meinen, dass dies ein gutes Umfeld für den Einzelhandel sei. Allerdings liegt in den USA die Insolvenzquote unter den Einzelhandelsunternehmen derzeit auf dem Allzeithoch; sie stieg im 1.Quartal 2018 um 22% gegenüber Vorjahresquartal. Der Strukturwandel ist also so massiv, dass auch die gute Konjunktur da nicht viel hilft.

Das Einkaufs- und Konsumverhalten der Amerikaner ändert sich grundsätzlich. Das größte traditionelle Versandhaus in den USA ist Sears, zu dem bis vor kurzem auch Lands´ End gehörte. Sears war lange der größte Einzelhändler in den USA überhaupt. Dies hat sich nun stark gewandelt. Das Umsatzwachstum von Amazon in den letzten 6 Jahren war 3mal so groß wie der Gesamtumsatz von Sears. Immer mehr Einkäufe erfolgen online. Inzwischen erfolgen sogar 20% der Online-Einkäufe über Mobilfunk (in 2010: 2%).

 

Einkaufszentrum

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Wenn früher Konsumenten ein Sofa kaufen wollten, gingen sie ca. 3mal ins Einkaufszentrum, bis sie die Entscheidung trafen. Bei jedem dieser Besuche kauften sie eine Reihe von Artikeln, deren Kauf sie zuvor nicht geplant hatten. Beim Online-Shopping fällt dies weitgehend weg.

 

Änderungen im Konsumverhalten

Der Anteil am Konsum, den die US-Amerikaner für Kleidung ausgeben, ging seit 2000 um 20% zurück. Auch die Bedeutung von Marken-Kleidung hat seit der Finanzkrise eher abgenommen. Dagegen wird wesentlich mehr ausgegeben für Reisen, Hotels und für Restaurants. Inzwischen geben die Amerikaner mehr Geld in Restaurants aus als im Lebensmitteleinzelhandel.

Ein zunehmendes Motiv für Reisen und Restaurantbesuche ist die Möglichkeit, diese Events in sozialen Medien wie Facebook und Instagram zu posten. Die „Differenzierung“ im privaten Umfeld erfolgt also inzwischen mehr durch Fotos von Reisen oder Besuchen von Restaurants auf Instagram als durch das Tragen von Markenkleidung.

 

Viele Einkaufszentren werden schließen

Bisher blieb der Lebensmitteleinzelhandel jedoch noch weitgehend von dieser Entwicklung verschont. Eine sicher nicht ganz unrealistische Vision ist allerdings, dass schon in wenigen Jahren selbstfahrenden Elektroautos durch die Wohngebiete kurven werden und Lebensmitteleinkäufe ausliefern, vielleicht schon lange bevor die meisten Privatleute sich ein eigenes selbstfahrendes Auto anschaffen. Dies ist deswegen besonders bedeutend, weil die Lebensmitteleinzelhändler und -discounter meist die „Ankermieter“ in den Shopping Malls sind, also die Läden, die die Kunden in die Einkaufszentren ziehen. Viele Kunden gehen in die Einkaufszentren wegen der Lebensmittel und kaufen dann bei der Gelegenheit dort Kleidung ein, die sie eigentlich längst online kaufen könnten. Wenn sie die Lebensmittel eines Tages online bestellen und mit selbstfahrenden Autos geliefert bekommen, ist der Schritt dahin, die Kleidung auch online zu beziehen, sehr naheliegend.

Experten prognostizieren daher, dass als Folge der Digitalisierung und des sich verändernden Konsumverhaltens in den kommenden fünf Jahren ein Viertel der 1.100 Shopping Malls in den USA schließen werden.

 

In Europa weniger Überangebot an Einkaufszentren

Die  Erfahrung zeigt, dass Konsumtrends aus den USA bereits nach wenigen Jahren nach Europa kommen und sich hier auswirken. Die Veränderungen mögen im traditionelleren Europa etwas länger dauern, aber sie zeichnen sich jetzt schon ab. Ein Trost für Investoren, die über Aktien, Aktienfonds bzw. Immobilienfonds in Einzelhandelsketten, Einzelhandelsimmobilien oder Shopping Center investiert sind, ist jedoch, dass die USA pro Kopf der Bevölkerung über die 5fache Einzelhandelsfläche wie in Großbritannien oder Frankreich verfügen und über die 10fache wie in Deutschland. Hier zahlt sich sicherlich die Bedarfsprüfung aus, die in Deutschland vor Erteilung der Baugenehmigung für Einkaufszentren vorgenommen wird.

 

Fazit für den Anleger

Immobilienfonds und Immobilienaktien, die überwiegend in Einzelhandelsimmobilien investieren, sollten weitgehend gemieden werden. Auch bei Aktien von Einzelhandelsunternehmen ist Vorsicht geboten. Profitieren dürften von dem Trend Aktien von Restaurantketten und von Hotels. Analog dazu sind Hotelimmobilien und Restaurantimmobilien begünstigt sowie natürlich Logistikimmobilien, da dort die online bestellte Ware zwischengelagert und verteilt wird.

 

Für weitere Informationen zum Thema Immobilien gehen Sie für Grundwissen bitte auf Immobilien  oder für aktuelle Beiträge auf Anlagewissen rechts auf das Schlagwort Immobilien.

28.05.2018|Tags: , , , |

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