Die Inflation kommt zurück

1. Aktuell gute Konjunkturlage

Aktuell läuft die Weltkonjunktur sehr gut. Neben den USA, Deutschland, Japan und China hat sich insbesondere die Wirtschaft der übrigen Eurozone, also in Spanien, Frankreich und Italien besser entwickelt als von vielen erwartet. Selbst in Rohstoffländern wie Brasilien hat sich die Lage stabilisiert.

Allerdings sind Wolken am Horizont zu erkennen:

 

2. Stimmung lässt nach

Die Konjunkturindikatoren für die Eurozone haben sich in den letzten Monaten merklich abgeschwächt und deuten auf ein Nachlassen des Wachstums hin. Die Möglichkeit eines Handelskrieges beunruhigt aktuell viele Unternehmen und Investoren. In unserer heutigen extrem arbeitsteiligen Weltwirtschaft könnte ein derartiger Konflikt viel größeren Schaden anrichten als noch vor wenigen Jahrzehnten.

 

3. Inflationsängste und Zinsanstieg in den USA

Die langfristigen Zinsen in den USA sind merklich angestiegen. Die Renditen 10-jähriger US-Staatsanleihen liegen bei 3% und damit so hoch wie seit viereinhalb Jahren nicht mehr. Der Abstand zu den kurzen Notenbankzinsen (die liegen erst bei 1,5-1,75%) hat sich damit vergrößert. Man spricht in diesem Fall von einer steilen Zinsstrukturkurve, wenn die „langen Zinsen“ viel höher sind als die von der Notenbank kontrollierten „kurzen Zinsen“.

Eine steile Zinsstrukturkurve drückt normalerweise zwei Erwartungen der Marktteilnehmer aus:

  • Erwartung steigender Zinsen, insbesondere auch der Notenbankzinsen
  • Erwartung steigender Inflationsrate

In den USA wird also mit steigenden Notenbankzinsen und steigenden Inflationsraten gerechnet. Die Inflation wird in den USA akutell zusätzlich gefördert, weil die Trump-Administration in einer Phase der Hochkonjunktur die Wirtschaft zusätzlich stimuliert durch Steuersenkungen und Infrastrukturinvestitionen. Dazu kommt noch der Handelskonflikt, der wegen der Zölle die Importpreise steigen lässt und durch die geringere Konkurrenz aus dem Ausland auch die Preise für inländische Güter. Zusätzlich steigen aktuell wieder die Rohstoffpreise.

 

Inflationsraten (in % pro Jahr)

Inflationsraten steigen in USA und Eurozone

 

Quelle: IWF, ab 2018 Schätzungen

 

Den längerfristigen Grund für den Anstieg der Inflationsraten kann man am Output Gap erkennen. Das Output Gap (auch: Produktionslücke) zeigt an, ob die Wirtschaft mit ihrem Produktionspotential wächst. Es wird in % vom BIP (Bruttoinlandsprodukt) angegeben.

  • Output Gap = 0: Wirtschaft wächst mit Produktionspotential
  • Output Gap unter 0 (negativ): Wirtschaft wächst langsamer als Produktionspotential, Arbeitskräfte und Kapital sind unterausgelastet
  • Output Gap über 0 (positiv): Wirtschaft wächst schneller als Produktionspotential, Arbeitskräfte und Kapital sind überausgelastet

Man kann in der Grafik sehr gut erkennen, dass die Wirtschaft der USA in den letzten Jahren von einer Unterauslastung allmählich in eine Überauslastung gekommen ist. So ist es auch verständlich, dass die Inflation anzieht und die Notenbank die Zinsen erhöht.

Deutschland war in den Vorjahren in einer Normalauslastung und befindet sich seit 2017 in der Überauslastung. Dies ist an der Arbeitskräfteknappheit in einigen Branchen zu erkennen. Der Währungsraum Eurozone war während der Eurokrise sehr tief in der Unterauslastung und kommt jetzt in die Normalauslastung. Allerdings steht einer Überauslastung in Deutschland nach wie vor eine hohe Unterauslastung in Südeuropa gegenüber. Daher erhöht die EZB aktuell die Zinsen noch nicht. Das Wachstum in Deutschland wird daher nicht durch Zinserhöhungen, sondern allenfalls etwas durch die Euro-Aufwertung gebremst. Zum Thema Output Gap und Konjunkturzyklus siehe auch Konjunktur .

 

Output Gap (in % vom BIP)

 

Output Gap zeigt Überauslastung an

 

Quelle: IWF, ab 2018 Schätzungen

 

4. Mögliche Auswirkungen des US-Zinsanstiegs

Vom Anstieg der US-Zinsen sind folgende Auswirkungen zu erwarten:

  • Anleihen werden wieder attaktiver gegenüber Aktien; dies könnte zu einer Kurskorrektur am Aktienmarkt führen
  • US-Anleihen werden gegenüber Schwellenländeranleihen wieder attraktiver; Kapital könnte aus Schwellenländern abgezogen werden
  • Das Wachstum der US-Wirtschaft wird etwas gedämpft
  • Der Druck auf die Eurozone nimmt zu, auch hier die Zinsen zu erhöhen. Zumindest für lange Laufzeiten ist dies schon zu beobachten

 

5. Fazit für Anleger

  • Anleihen mit längerer und mittlerer Laufzeit sollten aufgrund des zu erwartenden Zinsanstiegs gemieden werden.
  • Immobilienanleger sollten sich mittelfristig auf steigende Darlehenszinsen einstellen.
  • Die Aktienmärkte könnten durch den Zinsanstieg, durch den Kapitalabzug aus den Schwellenländern, durch die nachlassende Konjunkturdynamik in Europa, die Aufwertung des Euro und den möglichen Handelskrieg beeinträchtigt werden.

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