Erst im Dezember 2017 konnten Sie in meinem Beitrag (Aktienmarkt-geht der Aufschwung weiter?) lesen, dass der Aktienmarkt eine hohe Bewertung erreicht hat und dass trotz des positiven Konjunkturbildes die Risiken zugenommen haben. Im Februar kam es dann zu einer Korrektur, die jedoch sowohl in den USA als auch im DAX bei weniger als 10% lag. Wie geht es nun weiter?

 

1. Zinsanstieg

Ein wichtiger Auslöser der Korrektur war wohl sicherlich der Zinsanstieg, der immer mehr in den Fokus gerät. Eigentlich stiegen die Zinsen für Anleihen mit langer Laufzeit schon seit im Sommer 2016 der Tiefpunkt erreicht wurde. Die Rendite 10-jähriger US-Staatsanleihen stieg seitdem bis heute von 1,5% auf knapp 3%. Die Rendite 10-jähriger Bundesanleihen stieg in dieser Zeit von -0,2% auf +0,8%. Dieser Trend hatte sich zuletzt leicht beschleunigt. Allerdings ist das Zinsniveau damit im historischen Vergleich immer noch recht niedrig. Eigentlich könnte man eine „Normalisierung“ des Zinsniveaus eher positiv sehen, da die Probleme von Banken und Lebensversicherern dadurch gemildert würden.

 

2. Hohe Verschuldung

Allerdings war das lange Zeit niedrige Zinsniveau wohl so verlockend, dass viele Marktteilnehmer sehr hohe Schulden aufgebaut haben und bei steigenden Zinsen mit zunehmender Zinsbelastung rechnen müssen. Dies war insbesondere in zwei Bereichen zu beobachten:

Staatsschulden im % vom BIP (Bruttoinlandsprodukt)

Staatsverschuldung wichtiger Länder in % vom BIP

 

 

 

 

 

 

 

Datenquelle: IWF; Durchschnitt von 1999 bis 2008 sowie 2017

2.1. Staatsverschuldung

Die Staatsverschuldung hat sich in den letzten Jahren in vielen Ländern deutlich erhöht. Insofern ist es nicht überraschend, dass die OECD kürzlich angesichts der steigenden Zinsen vor den höheren Zinskosten für die Staaten gewarnt hat. Solange die Zinsen allerdings nur moderat steigen, wird aufgrund der laufenden Umschuldung älterer Schulden mit noch hohen Zinsen die gesamte Zinsbelastung noch nicht so schnell steigen.

 

2.2. Verschuldung chinesischer Unternehmen

In China ist die Verschuldung der Unternehmen massiv angestiegen. Sie nahm von 2007 bis 2017 von 89% auf 166% vom BIP zu. Zum Vergleich: die Verschuldung der Unternehmen in den USA liegt bei ca. 70% und in Deutschland bei ca. 55%. Mehrere große chinesische Unternehmen wurden im Laufe der letzten Monate aufgrund von Bedenken der Finanzaufsicht genauer überprüft. Der Versicherungskonzern Anbang wurde vor wenigen Tagen unter besondere Aufsicht gestellt. Der HNA-Konzern, der anscheinend über € 120 Mrd. Schulden haben soll, war kürzlich gezwungen, sich von seiner Deutsche Bank-Beteiligung zu trennen. Ein weiteres Schuldenproblem hat sich am Immobilienmarkt aufgebaut, der seit Jahren boomt.

 

Verschuldung der Unternehmen in % vom BIP (2017)

 

Unternehmensverschuldung in % vom BIP in D USA China

 

 

 

 

 

 

 

Datenquelle: FAZ

Während das Staatsschuldenthema eher eine längerfristige Belastung darstellt, könnte sich die Verschuldung der Unternehmen in China schon kurzfristig zum Problem entwickeln, wenn einzelne Unternehmen ihre hohen Schulden nicht mehr bedienen können. Die chinesischen Schulden sind jedoch überwiegend im Inland aufgenommen worden. Daher werden sie wohl das Weltfinanzsystem nicht direkt tangieren. Allerdings könnte durch eine „lokale Finanzkrise“ in China die Nachfrage Chinas auf den Weltmärkten zurückgehen, die in den letzten Jahren eine wichtige „Wachstumslokomotive“ war. Dies trifft dann auch Unternehmen aus Europa und den USA. Auch könnte eine Finanzkrise in China bei westlichen Banken zu Ausfällen führen. Derartige Entwicklungen sind auch ohne großen Zinsanstieg denkbar.

 

3. Fazit

Die Aktienmärkte sind auch nach der Korrektur immer  noch hoch bewertet. Der Zinsanstieg in Verbindung mit der hohen Verschuldung von vielen Staaten und der chinesischen Unternehmen könnte zu einer Fortsetzung der Korrektur führen.  Angesichts der insgesamt positiven Konjunkturaussichten könnten sich aber daraus noch Laufe dieses Jahres interessante Einstiegschancen ergeben. Dabei sollte weiterhin auf eine breite Diversifikation geachtet werden.

Bitte lesen Sie auch zur Bewertung des Aktienmarktes: Aktienmarkt-geht der Aufschwung weiter?